Altbergbau in Essen - Weltkulturerbe Zeche Zollverein

Fördergerüst der Zeche Zollverein

Nächster Halt: Kokerei Zollverein, Essen

Glück Auf, Freunde...

...zu meiner Schande muss ich euch gestehen, dass ich bis letztes Jahr noch nie da war. Eismann und Altbergbau gehört doch zusammen wie Schlägel und Eisen, wie der Topf zum Deckel, oder wie das Bierchen nach der Befahrung. Naja, die gesagt: "bis letztes Jahr". Es war im Frühjahr 2012, irgendein Wochenende an dem ich mal wieder Zeit hatte aber noch keinen Plan, was man so unternehmen könnte. Mein Wuppertaler Kollege Dr. Klöbner machte den Vorschlag die Zeche Zollverein mal zu besuchen. Obwohl ich relativ oft in Essen bin, hätte ich das wohl nie geschafft, der ehemaligen Zeche mal einen Besuch abzustatten – zumindest nicht alleine. An einem sonnigen Tag, also perfektes Fotowetter, machten wir uns also zu zweit auf den Weg ins Ruhrgebiet. Die S9 brachte uns von Elberfeld zum Essener Hauptbahnhof, danach ging es mit der Stadtbahnlinie 107 in Richtung Essen-Katernberg weiter. Jawoll, wir sind viel öfter mit dem Ticket 2000 im VRR unterwegs als mit dem Auto. Keine Staus, keine nervige Parkplatzsuche und beim Pilsken danach kannze schön aus dem Fenster aus der S-Bahn kucken, wonnich? Die Straßenbahn spuckte uns genau vor dem allseits bekannten Fördergerüst aus, so dass wir sofort unsere Kameras auspacken mussten.

Unsere erste Tour galt dem Erkunden des gesamten Areals rund um die Zeche Zollverein und der angrenzenden Kokerei Zollverein. Kennt ihr das auch? Wenn man zum ersten mal irgendwo ist, muss man wirklich jeden Winkel erforschen und erkunden. Deshalb dauerte es auch den ganzen Tag, bis wir alles erkundet hatten. Nur das Aussengelände versteht sich, das Museum war für die nächste Tour geplant. Dank des wunderbaren sonnigen, blauen Himmels mit kleinen Schäfchen-Wölkchen (Vanille-Geschmack) hatte ich an jenem Tag rund 700 Fotos gemacht. Ein paar davon sind auch in diversen Foren gelandet, doch das wars auch schon. Leider wurde kurz danach mein Computer krank, so dass alle Fotos (und ich war wirklich mit meinen Bildern zufrieden) für immer verschwanden. Den Bericht über die Zeche Zollverein, den ich übrigens schon letztes Jahr schreiben wollte, konnte ich also erstmal vergessen. Ebenso Klöbners Fotos waren plötzlich "nicht so richtig gut" und somit auf seiner Festplatte verschollen. Egal, es war der erste Kontakt mit der Zeche Zollverein und ein schöner Tag, den uns keiner mehr nehmen kann. Danke Klöbi! Danach folgten einige Zollverein-Touren, welche ich dann doch alleine gemacht habe um meinen Fotobestand wieder aufzufüllen. Aber das Wetter war nie wieder so toft, wie auf der ersten Tour. Den (vorläufigen) Abschluss der Zollverein-Touren bildete dann ein Ausflug zusammen mit Schlufine und Hanuta im Herbst dieses Jahres. Jetzt habe ich endlich genug Fotos zusammen, um diesen Bericht hier präsentieren zu können. Nach den ersten Fotoblock gibbet die Geschichte der ehemaligen Steinkohlenzeche Zollverein in Essen. Viel Spass und bleibt grün...

Ruhrmuseum Essen
Verladeanlage und Gruben-Bahnhof

Viel los hier...

hoch, runter, rechts, links...

Bandförderanlagen

Kläranlage

Altbergbau in Essen

Auf der Halde

Himmesrock (Revierexpress)

Oldtimertreff an der Kokerei Zollverein

Fördergerüst

Zollverein

Mit dem Abteufen des ersten Schachtes auf der Zeche Zollverein ist im Jahre 1847 begonnen worden. Der Ansatzpunkt lag einen halben Kilometer westlich in der Nähe des ehemaligen Dorfes Katernberg. Im Januar 1848 erreichte der Schacht ein Teufe von 26 Metern. Starke Wasserzuflüsse, aber auch wirtschaftliche Schwierigkeiten beeinflussten den zügigen Fortgang der Arbeiten, so dass der Schacht erst gegen Ende November 1849 bei einer Teufe von 114 Metern das Steinkohlengebirge erreichte. Einen Monat später begann das Abteufen von Schacht 2 der Grube Zollverein. Dieser erreichte ein Jahr später, im Dezember 1850 die Karbonschicht. Über beide Schächte wurde jeweils ein Malakoffturm erbaut, so dass die Zeche am 1. März 1851 ihre Steinkohlenförderung aufnehmen konnte. Die Förderung lag in den Folgejahren bei unter 100.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr, stieg aber allmählich bis zur Jahrhundertwende auf gut 500.000 Tonnen pro Jahr an. Im Jahre 1900 waren bereits vier selbständige Doppelschachtanlagen auf dem Steinkohlenbergwerk aktiv, wobei Schacht 8 erst ab 1900 abgeteuft wurde und erst drei Jahre später seinen Betrieb aufnahm. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde der Malakoffturm über Schacht 1 bereits wieder abgerissen und durch ein eisernes Fördergerüst ersetzt. Im Jahre 1920 erfolgte auch der Abriss des Malakoffturms über Schacht 2 der Kohlengrube. Auch dieser wurde durch ein eisernes Fördergerüst ersetzt. Im Jahre 1913 waren 6.525 Menschen auf der Zeche Zollverein beschäftigt und die Jahresförderung lag bei 2.320.000 Tonnen Steinkohle.

Bereits in den frühen 1920er Jahren gab es die Überlegungen, die inzwischen veralteten und wärend der Jahre des Ersten Weltkrieges nur notdürftig instand gehaltenen Anlagen der Zeche zu erneuern, aber erst Ende der zwanziger Jahre wurde der Entschluss gefasst, einen neuen zentralen Förderschacht abzuteufen und Kohlenaufbereitung, Werkstätten und die Kraftwirtschaft auf der Tagesbauanlage 12 zu vereinigen. Mit dem Bau der Tagesanlagen wurden die ehemaligen Industriearchitekten Martin Kremmer und Fritz Schupp beauftragt. Ursprünglich war in Erwägung gezogen worden, über Schacht 12 einen Förderturm mit einer Gesamthöhe von 70 Metern zu erbauen. Um den Eindruck der neuen Anlage jedoch nicht zu stören, vor allem aber aus zwingenden technischen Überlegungen, wurde das Konzept des Förderturms durch ein Doppelbockfördergerüst mit zwei identischen Fördermaschinenhäusern ersetzt. Ebenso das aus vollwandigen Blechen genietete charakteristische Fördergerüst ist bis in jede Einzelheit von den eben genannten Architekten erbaut worden. Dieses Doppelbockgerüst kennen wir heute als Wahrzeichen von Essen und dem Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet. Das architektonische Erscheinungsbild der Zeche Zollverein in der konstruktivistischen Variante des Funktionalismus dieser größten und modernsten Anlage der beginnenden 1930er Jahre erregte seinerzeit das Aufsehen in der Fachwelt. Aber die ungewöhlichen Anstrengungen bei der Errichtung der Schachtanlage 12 der Zeche Zollverein beschränkten sich nicht nur auf die vorbildlichen Tagesanlagen des Bergwerks.

Auch im bergmännischen Bereich war ein bemerkenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Die Zusammenfassung und Konzentration der Förderung auf der zwölften Sohle unter Tage (Teufe 608 Meter) bedeutete damals eine enorme Rationalisierung des Untertagebetriebes der Zeche in Essen. Der Schacht 12 nahm im Jahre 1932 seinen Betrieb auf und hatte eine Tagesleistung von 12.000 Tonnen Steinkohle. In den Folgejahren konnte diese Fördermenge nahezu konstant beibehalten werden, welches eine beachtliche Leistung darstellte, wenn man berücksichtigt, dass andere große vergleichbare Steinkohlenbergwerke im Ruhrgebiet "nur" eine tägliche Förderung von rund 2.500 Tonnen im Durchschnitt vorweisen konnten. Die Zeche Zollverein in Essen war als die erste Verbundanlage seinerzeit das größte Steinkohlenbergwerk im Ruhrgebiet. Im Jahre 1935 wurden über drei Millionen Tonnen Steinkohle gefördert, wobei auf der Zeche 6.057 Personen beschäftigt waren. Das Grubenfeld war derzeit rund 13,8 Qudratkilometer groß. Im Jahre 1937 stieg die Förderung auf 3,6 Millionen Tonnen an und die Belegschaft erhöhte sich auf 6.835 Beschäftigte auf dem Bergwerk. Dieses war auch die höchste Fördermenge, die jemals in der Geschichte der Zeche Zollverein erreicht wurde.

Im Jahre 1994 ereigneten sich gleich zwei schwere Grubenunglücke. Bei einer schweren Schlagwetterexplosion unter Tage kamen 29 Bergmänner ums Leben und bei einem Seilfahrtunglück am Ende des Jahres verloren nochmals drei Kumpel ihr Leben. Kriegsbedingt reduzierte sich die Förderung von Steinkohle im Jahre 1945 auf 869.000 Tonnen und stieg erst wieder 1950 auf 2,28 Tonnen pro Jahr an, wobei auch der Höchststand der Mitarbeiter auf 7.673 erreicht war. Der Zustand der Zentralanlage, wie er mit Inbetriebnahme am 1. Februar 1932 geschaffen war, blieb bis 1960 erhalten. Die 12. Sohle war noch immer die Hauptfördersohle. Die südliche Gestellförderung des Bergwerks wurde 1960 auf die Gefäßförderung umgestellt. An Stelle der Kleinförderwagen übernahmen nun Großförderwagen mit einem Rauminhalt von 3.300 Liter den Umlauf im Untertagebereich. Zwischen den Jahren 1964 und 1967 ging die Förderung infolge Rationalisierungsmaßnahmen auf 8.000 Tagestonnen Steinkohle zurück. Im Jahre 1974 wurde die Zeche Zollverein an das unterirdische Grubenfeld der bis dato selbstständigen agierenden Zeche Holland in Bochum verbunden. Neujahr 1983 erfolgte der Anschluss an die Zeche Nordstern im benachbartem Gelsenkirchen. Drei Jahre später wurde der untertägige Kohlenabbau auch noch von der der Zeche Consolidation, ebenfalls in Gelsenkirchen, übernommen, so dass die ehemals größte Steinkohlenzeche im Ruhrgebiet ab 1986 unbedeutend wurde und stillgelegt wurde. Mit der Stilllegung verlor die Bergbaustadt Essen ihre letzte noch in Förderung stehende Zeche und einer der modernsten Tiefbauzechen wurde im Jahre 1986 Geschichte. Ebenso die benachbarte Kokerei Zollverein wurde im Jahre 1993 stillgelegt. Zum Glück sind viele Gebäude erhalten geblieben und heute als Zeugnisse der Industriekultur im Ruhrgebiet für jederman zu besichtigen...

Kokerei Zollverein
Industriekultur

RAG

Oh, zwei Igel...

Kokerei Zollverein Essen

Rundgang

Grubenlüfter

Zwei Schächte und ein Schienenbus

Im Museum

Gleise...

Blick über Essen

Tagesanlagen der Zeche Zollverein

Altbergbau in Essen

Kohlenaufbereitung und Kohlenwäsche

Trasse

Epilog: Das Weltkulturerbe "Zeche Zollverein" sollte eigentlich jeder einmal besucht haben. Die Anlage ist nicht nur für Montaninteressierte und Fotografen ein Muss, sonder auch mit der Familie oder mit Freunden kann man dort in Essen einen schönen Tag (oder auch mehrere) verbringen. Ebenso die vielen Sonderveranstaltungen, Ausstellungen und Führungen, welche zahlreich angeboten werden, sind mehr als interessant. Da ist wirklich für jeden was dabei. Die jeweiligen Termine findet ihr in der "Coolibri", in der örtlichen Presse oder natürlich auch im Internet. Fahrt einfach mal hin. Das einzige, was mich ein bisschen ärgerte, ist die Tatsache, dass wenn man dort das Museum mit einer größeren Gruppe besucht, mit Stativ, Geleucht und so weiter, dann kommt sofort einer dieser unsympathischen Sicherheitkräfte in Schwarz und weicht dir den Rest des Tages nicht mehr von der Seite. Wehe du fasst etwas an oder fotografierst mit Blitz. Willkommen im Überwachungsstaat, äh Bergwerk. Naja, vielleicht hatten wir auch nur Pech oder nur ich habe es als so störend empfunden. Jedenfalls hatten wir unseren Spass und sind irgendwann 14 mal in Folge die selbe Runde im Museum gelaufen, so dass es sogar dem Sicherheitsmenschen irgendwann zu blöde wurde und endlich verschwand. Okay, das wars fürs Erste, bis zum nächsten Mal und Glück Auf...

LS-Schild
Eismann...

On Tour waren Dr.Klöbner, Minäminäminä, Schlufine, diverse Bunkersportler und der Schreiber dieses Textes, Eismann Altbergbau. Alle Fotos wurden von Eismann Altbergbau gemacht. Das letzte Bild wurde von Schlufine geschossen. Danke! Bis die (unter-) Tage...

© untertage-übertage, 2013 // 2016




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