Die ehemalige Grubenbahn Plazaola


Ein Wochenendausflug mit dem Fahrrad, Zelt und der enorme Hunger nach einer osteuropäischen fleischgefüllten Teigtasche nach türkischer Art, welche nach neuesten Erkenntnissen nun Spuren von Pferdefleisch enthalten kann, führte mich ca. 60km durch das wildromantische Tal des Rio Plazaola. (Minas de Plazaola) Mindestens genauso gut bekömmlich wie der Döner war auch der Ausflug und die Nacht im Zelt. Menschen mit Lignin- und Zelluloseallergie sollten in Zukunft äusserst Vorsichtig beim Fleischverzehr sein, da man nun sogar Holzspäne in verschiedenen Fleischprodukten gefunden hat. Experten vermuten hier die Verarbeitung von Schaukelpferden. Bevor jetzt noch mehr Ekel Verbreitet wird, widmen wir uns lieber einem Bier und dem eigentlichen Bericht:

Die unzähligen Tunnel und atemberaubenden Landschaften sind charakteristisch für die ehemalige, 1897 erbaute, Plazaola Bahnstrecke, die sich durch das Leitzarantal vom spanischen Inland bei Pamplona bis an die Küstengebiete der Bizcaya bei Lasarte Orio zieht. In Orio befanden sich damals die Hochöfen der Metallindustrie, in denen die im Leitzarantal und anliegenden Grubengebieten abgebauten Erze verarbeitet wurden. Auf dem “neuen? Teilstück, oder auch "Neue Strecke", der etwa 84km langen, 1910 für den Personentransport gebauten, Gleisstrecke befinden sich noch bis heute fast alle der 66 Tunnel. Die Bezeichnung der Tunnel beginnt immer mit einem "T", daher existieren die Bezeichnungen T1-T66. Die meisten Tunnel sind aus der “alten? ersten Bauphase von 1897.

J.A.Maffei München PV 31 Plazaola Personenzug

Technische Daten :

Im Jahr 1913 wurden 7 Dampfloks für die Bahnstrecke Pamplona - San-Sebastian angeschafft. Drei Loks wurden von Krauss in München gebaut und die Anderen 4 von J.A.Maffei, ebenfalls in München. Alle Loks wurden 1913 gebaut und auch fertig gestellt. Die letzten vier Loks hatten die Seriennummern 3348, 3349, 3350 und 3351. Die Plazaolaloks, die bis heute Teil des Stadtwappens von Lekunberri (siehe nächstes Foto) sind, hatten die Serie PSS 4 bis PSS 7. Die eigentliche Plazaola-Lok, die auch bis 1954 noch in Betrieb war, war die Baureihe PV 3 PSS 6, mit der Seriennummer 3350.





Technische Daten:

Baujahr/Hersteller: J. A. Maffei, 1913

Typ: 1-3-0 + 2 T Engerth Umbau

Spurbreite: 1000mm

Motor: Zylinder Walschaert

Entspannungstyp: einfach

Dampftyp: Sattdampf

Innendurchmesser Zylinder: 400 mm

Zylinderhub: 600 mm

Innendurchmesser Kessel: 1.280 mm

Kesselglocke: 12 kg

Rohrlänge: 4.200 mm

Rostfläche: 1,75 m2

Gesamtheizfläche: 108,9 m2

Lok:

Durchmesser der Antriebsräder: 1.300 mm

Durchmesser Laufrad: 720 mm

Leergewicht: 34,7 T

Betriebsgewicht: 41,2 T

Achszahl: 2 (Antriebsachsen)

Raddurchmesser: 720 mm

Tender:

Wasserbehälter: 6 m³ Inhalt

Kohlenlager: 3,7 T

Leergewicht: 10 T

Betriebsgewicht: 19,7 T

Betriebsgewicht, Lok + Tender: 60,9 T

Abstand, Prallkopf: 12,345 m

Maximale Breite: 2,45 m

Maximale Höhe: 3,70 m

Andere Daten:

Beleuchtung: elektrisch

Bremsen: vakuum

Neue Strecke:

Auf dem ersten ca. 23,6 km langen Streckenabschnitt der Bahntrasse zwischen Pamplona und Irurtzun befinden sich die Tunnel T1-T3.
Von Irurtzun bis zur innländischen Wasserscheide (Da wo dat Wasser entweder komplett in eine oder in die andere Richtung fliesst. Meistens Bergketten oder Hochebenen) treffen wir auf dem ca. 18 Kilometer Teilabschnitt der Trasse weitere 11 Tunnel an. (T4-T14) Auf dem höchstgelegenen Streckenabschnitt, auf ca. 650 Höhenmetern, befindet sich dann der mit 2.630 Metern Gesamtlänge der längste und aktuell best erhaltene Tunnel von Uitzi, (T15) welcher von 2008 bis Frühjahr 2012 für Renovierungsarbeiten gesperrt war. Der Tunnel von Uitzi war um die Jahrhundertwende über mehrere Jahrzehnte hinweg der längste Tunnel Spaniens. Der darauf folgende, 12 Km lange, Streckenabschnitt im navarrischen Teil des Leitzarantals hat weitere 15 Tunnel zu bieten. (T16-T30) Der Längste davon ist der Tunnel von Leitza (T23) mit 646 Metern.

Alte Strecke: (geht nahtlos ineinander über)

Die weitere Bahntrasse führt von nun an durch das Leitzarantal, dem Flusstal des Leizaran und dem eigentlichen Bergbaugebiet und der eigens dafür angelegten Bahntrasse. Hier befindet sich die höchste Dichte an Tunneln. Wir zählten 31 Tunnel auf 19 Kilometern Bahnstrecke. (T31-T61) Davon separat zu erwähnen ist noch der Streckenabschnitt, in dem sich die Tunnel 31-50 befinden. Der Trassenausbau auf 10 Km ist mit 20 Tunnels erfolgt. (Anmerkung Eismann: Tunnelhausen, wa? - dat is ja schlimmer als in Wuppertal) Auf den letzten Kilometern der Strecke zwischen Andoain und Lasarte befinden sich dann noch die Eisenbahntunnel T62-T66.

 Alte Fahrkarten...

Aktueller Zustand der Tunnel:

(Von den mir befahrenen/besuchten/gesuchten Tunnels)

T1-T3: stark verbrochen, Wasserstrecken, zu Fuss befahrbar

T4: Tunnelbrücke nur 15m, befahrbar

T5: guter Zustand, befahrbar

T6: Nordportal wird als Kuhstall genutzt, vermauert, Südportal offen bis Verbruch

T7: guter Zustand

T9 und T10: guter Zustand.

T11: verbrochen

T12 bis T14: guter Zustand

T15: (Uitzi) wieder eröffnet

T16 bis T24: guter Zustand

T25: (Telleria) verbrochen

T26 bis T29: guter Zustand

T30: (Olaso) verbrochen

T31 bis T48: guter Zustand

T49: verbrochen, Wasserstrecke

T50 bis T55: guter Zustand

T56: (Inturia) verbrochen

T57 bis T62: guter Zustand

T65: guter Zustand, in Privatbesitz

T66: (Kaxkarro) guter Zustand 


 
Das Bild zeigt die Bauphase am Nordportal vom Tunnel Uitzi. Deutlich zu sehen ist die getrennte Wetterführung durch Tragwerke als Zwischendecke. Eine zu dieser Zeit weit verbreitete Art der Bewetterung. Auf dem Tragwerk befand sich auch eine Lorenbahn, die zum Transport der Ziegelsteine diente, welche zu Stützmauern verbaut wurden.

 Der heutige Zustand des Tunnels

Die Tunnel des Grubenfeldes Leitzaran:

Die mittlerweile in fast allen Tunnels durchgeführten Renovierungsmaßnahmen haben den Schrecken, der sonst immer tropfenden, engen und dunklen Tunnel von Leitzaran in Guipuzcoa genommen. Wie bereits erwähnt ist die Teilstrecke des Grubenfeldes Leitzaran mit Tunneln reich bestückt. Es sind insgesamt 31 Tunnel, (T31-T61) der kürzeste Tunnel (T43) davon ist gerade 21 Meter lang und Tunnel T58 ist eigentlich nur eine übererdetet, 28 Meter lange Betonröhre und hat eigenlich somit keine grosse Erwähnung verdient. (wenn es denn wenigstens ein Rohrdeckungsgraben (link) gewesen wäre) Tunnel 49 ist soweit abgesoffen, dass er nur noch mit Gummistiefel und Wathose befahren werden kann. 

Während der Ausbauphase für die Radstrecke Plazaola “Via Verde? (grüne Strecke) wurden in einigen Tunnels eine elektrische Beleuchtung mit LEDs und Solarpanelen eingebaut, die allerdings in den letzten Jahren recht schnell wieder geklaut wurden.

Expertenhinweis:

Eine in den 1970er Jahren durchgeführte neue Nummerierung der Tunnel führt mitunter zu Verwirrung, da die an den Nord- und Südportalen angegebenen Nummern nicht mit den tatsächlichen Tunnelnummern übereinstimmern. Somit findet man am Tunnel 31 die fälschliche Kennung "Tunnel 1" und Tunnel 61 ist neuerdings auch Tunnel 31.

Die “Geistertunnel? im Tal:

Eine Menge weitere Tunnel im Leitzarantal werden als Geistertunnel bezeichnet und in der Bevölkerung hat sich das Gerücht fest gehalten, dass man damals noch nicht über die entsprechenden Markscheideverfahren verfügt habe und sich schlicht und einfach beim Bau vertan habe. Diese Meinung ist aber ganz klar falsch. Die Geistertunnel die sich willkürlich teilweise im Wald befinden, sind die Relikte der eigentlichen Bergbau-Bahntrasse. Die gesamte Strecke wurde erst in den Jahren 1910 - 1914 zum Personennahverkehr durch den Folgepächter umgebaut. Die ursprüngliche Bahnstrecke war nie als Personenstrecke geplant und wurde somit auch nicht entsprechend “Reisefreundlich? ausgebaut. Mitunter wurden extreme Engstellen und Kurven einfach geglättet und viele der Tunnel wurden überflüssig. In einigen der Tunnel (z.B. T24) findet man stillgelegte Abzweigungen, welche zu den Grubenfeldern führten. Diese unterirdischen Abzweigungen wurden teilweise zugemauert. Auch dort ist (wie immer!) kein Gold, Raketen, Geheimwaffenprojekte, Nazizombikryptokammer, Militärbasen, Atomwaffenlager, Kriegsbeutelager, Waffen, Kunstlagerstätten, Reichsbanklager, Freienergieerzeuger, Tunnel unter der Weser oder Ähnliches zu finden. Die Dummheit hat aber auch hier wieder anhand von Gewaltspuren von Brechstangen, Bohrhämmer etc. gezeigt, dass immer wieder solche Dinge hinter oft simplen Stützmauern oder vermutet werden. (noch eine Anmerkung von Eismann: Und ich dachte immer, aufgebrochene Ausweichbuchten wären eine Spezialität aus dem Bunkerland NRW... und das Bernsteinzimmer befindet sich immernoch NICHT im Scheetunnel...)

 

Anmerkung der Redaktion dazu:

Eine gute Recherche im Vorfeld solcher Exkursionen spart viel Zeit und Kraft, vor Allem wenn man weiss, um was es sich bei den Bauobjekten eigentlich handelte.

Am Tunnel T7 gibt es so zum Beispiel mehrere Brücken übereinander, die ohne Hintergrundwissen keinen Sinn machen. Auch dies ist ein Relikt der Umverlegung der Bahntrasse.

Wo befinden sich genau die Geistertunnel:

Parallel zum Tunnel 4 befinden sich die Geistertunnel T7, T12, T13,und T25.
Abzweigende Tunnel: T13 innerhalb wird aus Tunnel 13, Tunnel 14.
T54 ist ein toter Zwischentunnel zu T55. Tunnelnummerierungen, Abzweigungen Tunnel 4 und 5, 24 und 25, 25 und 26.

Tunnelneubauten ab 1914 sind die Tunnel T2, T15 und T19.

 Lichtspiele im Tunnel 
 
Text und Recherche, nasse Füsse, Platten, sowie eine Nacht auf der Halde der Grube Bizkotx: Philipp Altbergbau

untertage-übertage, 2013

Bearbeitung und Onlinestellung: Eismann Sucuk, Döner-City Elberfeld, April 2013

Vielen Dank und ein Fleißkärtchen an unseren "7. Mann" Philipp für den Tunnelblick.