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Altbergbau in Spanien – Erzbergwerke Plazaola

Glückauf im neuen Jahr. Einen guten Übergang gehabt? Wir beginnen das Jahr 2013 mit einem Bericht über den ehemaligen Kupfererz- und Bunterzbergbau bei der spanischen Stadt Plazaola. Verantwortlich für diesen Beitrag ist mal wieder unser Philipp von der sonnigen untertage-übertage-Aussenstelle in Lekunberri. Extra für uns hat er sich mal wieder angeschlazt und ist in kalte, feuchte Löcher gekrochen, die irgendwo versteckt im spanischen Dschungel lagen. Oder vielleicht ist es doch "nur" ein Hobby von Philipp. Oder unser Jauster vermisst einfach nur die Porta, wer weiß das schon so genau. Jedenfalls gibt es jetzt hier an dieser Stelle seinen (unseren) ersten Beitrag zum Thema "Erzbergbau in Spanien" – viel Spass damit:

In den Ausläufern des Aralargebirges befinden sich an den nördlichen Flanken diverse bekannte Erzvorkommen die auf Vulkanismus und anschliessende Tektonik zurück zu führen sind. Die Ausbildung der Erzvorkommen ist linsenförmig mit einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 5 Metern. Die Haupterze sind Zinkblende, Eisen3Oxid, Schwefelkies, Flourite und diverse Spate.

Erzgrube "Troya"

Die in einem Gelände, weniger als 25 km lang, liegende Erzvorkommen von Azigaraga lassen darauf schliessen, dass auch im Bergrevier von Mutiloa der Bergbau bis weit vor die Geburt Christi zurück geht. In den Höhelagen befinden sich die alten Gruben von Troi, einem Ende des 19. Jahrhunderts aufgeschlossenem Grubenfeld. Ab ca. 1899 wurde auch dort, wie in vielen anderen Gruben dieser Gegend, eineSchienenstrecke zur Erzförderung gebaut. Ab 1901 wurde in den Gruben eine Dampflokomotive eingesetzt. Die sogenannte "PEPITA" wurde von HANOMAG in Hannover Linden hergestellt und verrichtetet bis zu Ihrer Verschrottung im Jahre 1948 treue Dienste in der Grube. Eine andere Lok trug den Namen "MUTILOA" und wurde in England von Perr Stuartt gebaut. Die Mutiloa wurde bereits 1900 in den Dienst gestellt und 1964 in Asturien, in den englischen Erzgruben, verschrottet. Die Hanomag-Pepita zog auf einer Fahrt bis zu 400 Tonnen Erz bis zum Verladebahnhof nach Mutiloa. Die dort weiterverladenen Erze wurden an den Hafen von Pasaia transportiert. Im Jahre 1930 wurde der Abbau in den alten Grubenfeldern aufgegeben.

 Altbergbau im Altbergbau

Im Jahre 1977 wurde die Grube TROYA dann industriell auf Zinn- und Blei-Carbonate aufgefahren. Die Grube Troya befindet sich ca. 300 Höhenmeter tiefer als die ersten Grubenfelder. Die Planung der Abbaue enthielt eine untertägige Rampe, um die durch Tektonik verschobenen oberen und unteren Erzlager miteinander zu verbinden. Die sog. Nordrampe wurde dann 1978 in 10 monatiger Arbeit fertiggestellt. Im gleichen Jahr wurde auch die Südrampe aufgefahren und etwa zeitgleich vollendet. Ein Querschlag sowie 2 Wetterschächte wurden im Anschluss aufgefahren. Der Abbau der Roherze erfolgte im Kammerpfeilerbau mit Radladern und Transportbändern aus Gummi. Zur Förderung wurden 4 Radlader, ein Bohrwagen und ein Sprengwagen gekauft. Selbige befinden sich noch heute auf dem Grubengelaende in der ehemaligen Erzaufbereitung.

In den Jahren 1977-1982 versiegte eine in der nähe befindliche Quelle. Durch die Abteufarbeiten an der Südrampe wurde einen wasserführende Schicht zerstört und es kam zu einem unverhofft starken Wassereinbruch mit 37 Liter/Sek. In der Grube. Dieser Wassereinbruch führte zur ungeplanten Installation einer untertägigen Wasserhaltungseinrichtung im Grubensumpf. Ebenso an der Nordrampe wurde eine Maschine zur Wasserhaltung errichtet. Bis 1992 erhöhte sich mit einer gleichzeitigen Versäuerung des Grubenwassers der Einbruch auf etwa 59 Litern pro Sekunde. Diese kritische Umweltthema wurde von 1994-98 von Wetzlaf und Nesin und anderen Autoren in einer Studie “Abwasserbehandlung saurer Grubenwasser mit Kalkstein? aufgearbeitet und nach Schliessung der Grube 1992 veröffentlicht. Am 8.3.1995 trat dann nach vollständigem Absaufen der Grubenräume das erste Wasser aus dem Hauptstollen der Nordrampe aus.

Aktueller Zustand:

Nachdem die Grube 1992 geschlossen wurde, fiel diese zunächst in einen Dornröschenschlaf der nur gelegentlich durch Schrottdiebe gestört wurde.1997 begann man dann die Fördertechnik zu demontieren. Die Hallen sind noch heute zu sehen aber in einem sehr desolaten Zustand. Einige der damals untertägig eingesetzten Fahrzeuge sind noch in der alten Erzaufbereitung zu finden. Die Bergwerkseinfahrt an der Südrampe wurde mit Beton verdämmt und mit einem Lüftungsrohr zur Wetterhaltung versehen. Das Stollenmundloch der Nordrampe ist noch vollständig erhalten aber bereits nach den ersten Metern Strecke “Abgesoffen?. Nur einige Teilbereiche zwischen Nord und Südrampe, diese müssten komplett bis zur Sohle trocken sein, könnten eventuell noch befahrbar sein.

Altbergbau-Relikt im Wald - alte Isolatoren

Erzgrube "Jungfrau Carmen"

Im Jahre 1874 wurde die Konzession der Grube Plazaola auf den Namen "Jungfrau Carmen" (Konzessionsnummer 64) vergeben. Das vorgefundene Haupterz war/ist Chalkopyrit. Chalkopyrit (Chalcopyrit, Buntkupfer, Kupferkies, Gelbkupfererz, Kupfereisenerz) ist ein sehr häufig anzutreffendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CuFeS2 und entwickelt meist tetraedrische Kristalle, aber auch massige oder traubige Aggregate in gold- bis messingähnlicher Farbe. Die Konzession wurden allerdings auf Eisenerz vergeben. Dieses geschah vermutlich aus Unwissenheit der Bergämter in Madrid. Aber der Hauptanteil der Erzvorkommen im Leitzarantal beschränkte sich nunmal auf Eisenerze.

Kristalle

  Fußgerollte Zigarren unter Tage...                                                                   

Historie und Eigentümer:

Dieses Bergwerk wurde 1874 erstmals auf den Namen Jungfrau Carmen vergeben. Die Grube wurde dann 1909 auf Magdalena Aranburu aus San Sebastian umgeschrieben. Die weiterführenden Daten beliefen sich auf ein Grubenfeld von ca vier Hektar Größe. Es ist anzunehmen, dass die Vorkommen in diesem Grubenfeld schon vorher abgebaut wurden, was aber durch die fehlende Dokumentation leider nicht nachweisbar ist. Das Grubenfeld war an die Feldbahn von Andoain der “Grubenbahn Gesellschaft Leizaran “angebunden. Daher ist anzunehmen, dass die Versorgung der Grube mit verschiedenen Materialien und der eigentliche Transport der Erze auch über diese erfolgten.

Foerdermengen:

Es kann keine Angabe über die geförderten Mengen gemacht werden. Archivdaten erzählen aber von reichen Vorkommen, ohne dabei Tonnen oder Ladungen, die auf eine tatsächliche geförderte Menge schliessen lassen, zu nennen.

Aufbau und Zustand:

Es existieren heute noch 3 Stollen auf 3 verschieden Sohlen. Die niedrigste und östlichst gelegene Stollensohle befindet sich auf dem gleichen Niveau mit der Bahnstrecke. Das unterirdische Grubengebäude beginnt hier mit einem Schacht, der die Maße 2,5 x 1,5 Meter hat. Der dahinter befindliche Stollenverlauf geht in östliche Richtung.

Selfshot: Philipp unter Tage

Die mittlere Stollensohle befindet sich etwa auf 410 Höhenmetern, ungefähr 45 Meter westlich der unteren Stollensohle. Folgt man einem alten Einschnitt im Tal, erreicht man in einem kleinen Tagebau das markante doppelte Stollenmundloch der Erzgrube. (ein kleineres Mundloch befindet sich etwa 2 Meter oberhalb - siehe nächstes Foto) Der Stollen selber hat eine abwechselnde Weite von etwa 1,5 -2 Meter und verläuft abfallend in Richtung Westen und biegt dann nach Südwest ab. Ungefähr 55 Meter, West-Nordwest von der unteren Stollensohle entfernt, auf 421 Metern Höhe über NN, befindet sich das Stollenmundloch der oberen Sohle des Bergwerks. Direkt vor dem Stollenmundloch, in Richtung der Bahnstrecke gesehen, befindet sich eine ca. 30 Meter breite Halde. Zwischen der unteren und der mittleren Stollensohle befindet sich eine ausgeraubte Erzader, welche die beiden Sohlen miteinander verbindet und ausserdem noch einen kleine Tagesöffung hat. Eine der nicht mehr vorhandenen Erzadern, die in den Berg führt, steigt mit ca. 30 Grad an und verschwindet dann. (Genauso wie Philipp, als er den Ausbiss gefunden hatte...) Ein weiterer Stollen geht in Richtung unterirdischen Osten...

Das Doppelstollenmundloch

Im Bergbaustollen...

Aktueller Zustand:
Die Stollenmundlöcher der unteren Stollensohle wurden als Müllkippe benutzt und ohne eine grossangelegte Räumungsaktion ist neben den Kühlschranken und Autoreifen kein durchkommen. Man kann diesen Schacht aber von innen erreichen. Die mittlere Stollensohle ist frei zugänglich, aber teilweise abgesoffen. Aus dem Inneren ist Wasser zu hören. Die obere Stollensohle ist komplett verbrochen und somit nicht mehr befahrbar. Oberhalb des Stollenmundloches kann man eine kleine Tagebruchöffnung sehen, welche aber auch nicht mehr befahrbar ist.

unsere spezielle Licht- und Fototechnik - auch in Spanien...

Alles von Philipp Altbergbau
DANKE für den Bericht, die Fotos und für die ganze Arbeit, die ich deswegen hatte. Hahaha...
Bearbeitung, Einleitung, Layout und Onlinestellung von Olly Altbergbau

untertage-übertage, 2013