Francos Pyrenäenfestung - Geheimprojekt "P-Linie"

Neben den großen Befestigungslinien wie den Atlantikwall, Maginotlinie, Siegfriedlinie, etc, die Anfang des letzten Jahrhunderts an den Grenzen vieler Länder entstanden sind, ist eine dieser Anlagen fast gänzlich unbekannt. Ein Gesamtbauwerk, das mit 500 Kilometern Länge und mit 6.000 Bunkern ,hunderten Kilometern Schützengräben, Stacheldrahtbarrieren und Mienenfeldern nicht weniger beindruckend ist als zu Beispiel der Atlantikwall.

Die Linie P

Eine Anlage die mit wenigen hundert Metern direkt an den letzten Regelbau von Typ: 620 des Atlantikwalles in Irun anschliesst. Ein Grund warum es zu diesem vergessen Bunkern kam, ist dass die Anlage bis 1980 streng als militärisches Geheimprojekt in den spanischen Archiven und beim Militär geführt wurde. Auch die in der Nähe der Bunkeranlagen wohnende Bevölkerung wurde bereits in der Bauphase zur Geheimhaltung verpflichtet. Die Anlage wurde noch bis 1980 von den Divisionen inspiziert und in Manövern genutzt. Selbst bei meinen Recherchen hier in Spanien wussten viele nicht einmal, dass es in den eigenen Dörfern Befestigungsabschnitte dieser Verteidigungslinie mit versteckten Bunkeranlagen gibt. Die meisten der Bunkeranlagen sind direkt in den Fels gebaut (Stollenbunker) und oftmals sind nur die Schießscharten sichtbar. Einige der Anlagen wurden auch zur Vermeidung von feindlicher Luftaufklärung komplett übererdet und konnten im Angriffsfall in kürzester Zeit wieder aufgegraben werden. Von den ursprünglich 10.000 geplanten Bunkern (inkl. Beobachtungsbunker, Munitionsbunker und Hohlgängen) wurden bis 1957 tatsächlich 6.000 fertiggestellt. Die geschätzten Gesamtkosten der Anlagen belaufen sich auf 10.000.000 Peseten die aus Mitteln des spanischen Verteidigungsministeriums stammten und weiteren 2.000.000 aus öffentlichen Mitteln der Kommunen.

Baumaterial / Mengen:
Sektor 1: (B4) Katalunien
wurde mit 5.000 Tonnen Zement geplant (entspr.200.000 Sack a 25kg)
Sektor 2: (B5) Aragonien
wurde mit 1.700 Tonnen Zement geplant (68.000 Sack Zement a 25 kg)
Sektor 3: (B6) Navarra +Baskenland
wurde mit 3.300 Tonnen Zement geplant (132.000 Sack Zement a 25kg)
Die Gesamtmengen belaufen sich auf ca.10.000 Tonnen Zement (400.000 Sack Zement!!)

Bauausführung:
Als Grundlage zur Herstellung von Beton wurde der überall in den Pyrenäen vorkommende Kalkstein vor Ort von den Soldaten, die am Bau beteiligt waren, zu Schotter verarbeitet. Dies geschah, um einen aufwendigen Transport in dieser spanischen Bergregion zu vermeiden. Die fertigen Zementsäcke wurden teilweise mit LKWs, Eseln, oder auf dem Rücken zu den Baustellen getragen! 

Andere Kosten/Nebenkosten:
Über Kosten für den Stahl der Bewehrungen, Holz für Verschalungen, Nägel, Tierfutter etc. sind in der Vorberechnung keine detaillierten Kosten vorhanden.

B4: Nebenkosten 4 Millionen Peseten
B5: Nebenkosten 1.5 Millionen Peseten
B6: Nebenkosten 4.5 Millionen Peseten
Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 10.000.000 Peseten!



Hier die einzige bekannte Kostenaufschlüsselung für den MG Unterstand mit Munitionslager Nr.8 des Kampfkomplexes 112. in Canfranc:

22 Tagessätze, Unteroffizier 3,5 Peseten
103 Tagessätze je 3,0 Peseten für Hilfsarbeiter
401 Tagessätze je 2,5 Peseten für Soldaten
19,4 m³ Sand je 9,3 Peseten
17.4 t Zement je 290,7 Peseten
28,5 kg Dynamit je 8,45 Peseten
23,8 Meter Zündschnur je 0,23 Peseten
94 Zünder je 0,19 Peseten
75 Liter Benzin für Kompressor je 2 Peseten
3 Liter Öl je 3,7 Peseten
373,9 Kg Eisenbewehrung je 1,46 Peseten
65 Liter Benzin, Transport-Material a 2 Peseten
1,3 Liter Öl für Fahrzeuge a 3,7 Peseten
Holz für Verschalung, Pauschalpreis 1.047 Peseten
Nägel und Draht - 25,25 Peseten

Die P Linie warum?

Bereits im Kriegsjahr 1939 wurde dem spanischen General Franco klar, wie wichtig eine Verteidigungslinie ist, um das Eindringen von Kriegsgegnern verhindern zu können. So wurden nach dem Pakt mit Deutschland bereits wenige Monate später Befestigungsanlagen des Atlantikwalles von spanischen Ingenieuren besucht und später dann im Projekt “P? teilweise kopiert und nachgebaut. Die Planungsphase der P-Linie war 1940-1943. Mit Abschluss und der Unterzeichnung des Antrages C15 am 23 August 1944 in Madrid wurde die Baufreigabe erteilt. Die P-Linie war dann bereits ab 1950 theoretisch mit Unterzeichnung der UN-Friedensverträge unnötig geworden. In vielen der Bunkeranlagen und Hohlgängen findet man noch heute die einfach liegengelassenen Zementsäcke und Werkzeuge.

Planung und Zuweisungen der Kampfabschnitte:

Region B4 – Catalunien (den Infanterie-Divisionen 41,42,141,142 und einer weiteren niemals real aufgestellten Division unterstellt)
Figueras
Avione
Llado
Sierra Magdalena
Faras
Vertices Creu Blanca
Olot
Vertices San Miguel
Vertice Sespuna
Hochebene von Castelltallat
San Juan de Abadesas
Ripoll
Capdevanol
Vertice Beumas de Mordolla(Sierra San Marcos)
Vertice Nogues
Guardiola
Vertice Vall
Vertice TossaPelada
Vertice Cassals
Sierra Prada
Pont de suert

Region B5 - Aragon (den Infanterie Divisionen 51,52,151 und 152 unterstellt)
Campos
Boltaña
Sarvise
Biescas
Villanua
Sinues
Jaca
Kilometer 21 der Hauptstraße Jaca nach Puente de la Reina
Santa Lucia

Region B6 - Navarra und Baskenland (den Infanterie Divisionen 61,62,161 und 162 unterstellt)
Calveira Roncal
Peña de Larraza
Monte Santa Barbara
Monte Beyegu
Monte Baigura
Peña Urrizcain
Monte Elgue
Monte Largasa
Monte Carbala
Monte Iturrach
Peña Anchoriz
Monte Charaza
Monte Aldami
Monte Aranoz
Monte Larrazmendi
Monte Olardi
Monte Descarga
Monte Zaria
Oirazun (Kampfanlage Vallespin) einzige Anlage bereits 1934 gebaut!
Rio de pasajes

Bunkerformen und Ausführungen:
Die Anlagen wurden in diverse Projektbauten aufgeteilt, wie:

Gruppenunterstand (kein Regelbauwerk)
Die Gruppenunterstände der P-Linie sind keine standardisierte Regelbauwerke und können somit nicht genauer beschrieben werden, da sie der jeweiligen Situation und geografischen Lage angepasst wurden.

MG Unterstand (Regelbau)
Regelbauwerk in einfacher oder zweifacher Ausführung der Anlage mit klar standardisierter Bauform, variabel nach Schussrichtung. Der MG-Unterstand Verfügt über einen Eingangstunnel und Munitionsnischen im Inneren.

Gruppengefechtsstand mit Kommandostelle
(zum Beispiel in Vallespin) Kein Regelbauwerk aber standardisierte Anlagenteile wie MG- Stand, Beobachtungsstand, Kommandostelle und Gruppenunterkünfte. Immer mit längerem Eingangstunnel zur Abwehr ,Treppengänge, Munitionslager und Notausgang.

Beobachtungsstand mit MG-Stand
Regelbauwerk mit Beobachtungsschlitzen und angebundener MG-Bunker, die Ausdehnungen varieren je nach Gelände.

Mörserstellungen (Regelbau)
Grundplatte aus mit Kies befestigtem Betonring zur Positionierung von 50mm oder 81mm Mörser (spanisch) mit angebundenem Unterstand und Munitionslager.

Flugabwehrstellungen (Regelbau)
Betonierter MG-Ringstand mit Kiesboden und angebundenem Gruppenunterstand und Munitionslager für Schweres MG (spanisch) auf Luftabwehrlafette.

Unterstand für PAK (Panzer-Abwehr-Kanone) (Regelbau)
Typischer PAK-Bunker der dem Deutschen Regelbau sehr ähnlich ist. Mit standardisierter Bauform des Kampfraumes und Munitionsnischen sowie teileweise in der Nähe befindlichem Gruppenunterstand.

Munitionslager:
Tunnelanlagen in den Fels getrieben mit betoniertem Eingangsportal, jedoch ohne Tür. Teilweise aber mit Betonplatte zum Eingangsschutz gegen Einschüsse von Luftangriffen .





 

Bericht von Philipp (Altbergbau)
Überarbeitung und Onlinestellung von Eismann

Unser erweitertes Team-Mitglied Philipp (Aussenstelle Spanien und die Welt) hat mal wieder ein klasse Bericht über eine doch recht unbekannte Bunkerkette geschrieben. Selbst ich hatte bis vor Kurzem noch nie etwas von der P-Linie in Spanien gehört. Aber man lernt nie aus, woll? Dir, Philipp, ein riesiges DANKE für den Bericht und betonierte Grüße ins sonnige Spanien aus dem kalten, verschneiten Wuppertal...

Eismann

 

...mehr Bilder demnächst...

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