F



Altbergbau in Spanien - Minas de Ollin

Die Minen von Ollin im Mazizo de cinco Villas (Das Fünf-Dörfer-Massiv)

Da stand ich mal wieder mit offenem Haar und runtergelassener Hose irgendwo in den Spanischen (Baskischen) Pyrenaen und bewunderte diese grossartige Ruine eines alten Bergwerks. Alle Orangen waren sauber in Aseptische Flaschen verpackt worden und man gönnte sich einen kleine Spritztour im durch unzählige Überstunden erarbeiteten Sportwagen.

Nur mit Glück konnte ich diese, im Bruchteil von Sekunden auftauchende, Betongestalt aus dem Sportflitzer rechts am Strassenrand erkennen. Und dank guter Bremsen im Porsche 986 S konnte ich dann sogar noch rechtzeitig halten, um mir die Ruine etwas genauer anzusehen. Die an diesem Tag anliegende Rennstrecke lag zwischen Leitza, dem Pass von Wasa Kabi und der Kreuzung nach Goizueta in Richtung Hernani in Guipuzcoa, immer am kleinen Fluss Ollin entlang.
Da auch an einem Bergwerksgebäude der Verfall keinen halt machte, warum sollte es am Porsche besser funktionieren? Drei Monate Später war auch der nur noch Schrottwert. Reparatur genauso ausgeschlossen wie die Wiederaufnahme der Bergbautätigkeiten im Tal des Flusses Ollin.

Bergbauruinen

Die Minen von Ollin waren gemeinsam mit Denen von Modesta die ersten Bleiminen im “Mazizo de Cinco Villas?, welches sich im Nordosten von Navarra befindet. Abgebaut wurde dort ein Erzvorkommen von Blei (Pb), Eisen (Fe), Zinn (Zn) und Flour (F), eine bekannte Erzmischung, die auch im Umfeld, in anderen Minen abgebaut wurde. (siehe Minas de Bizkotx, Mina Frankio - anderer Bericht) Im Umfeld um das eigentliche Bergwerk von Ollin gab es unzählige kleinere Bergwerke, die in anderen Konzessionen vergeben wurden. Der Abbau erfolgte immer auf die oben genannten Erze.
Allgemein wird so der Name Bergrevier ?coto minero? Ollin für die gesamten Gruben der Region verwendet. Eine genauen Nachweis über den Bergbau vor dem 19. Jahrhundert existiert leider nur in Form von diversen Pingen und typischen Schürfgräben aus dem 17-18 Jahhundert.
Der Moderne Bergabu in Ollin (genau auf der Grenze der spanischen Gemeinden Goizueta, Ezcurra und Leiza) begann 1904 und wird auch als "Zweiter Anfang" bezeichnet. Wie in Spanien allgemein, war auch hier bis Anfang des 20.Jahrhunderts der Bergbau doch recht wild und konnte gut mit dem Wort "chaotisch" beschrieben werden.
Von 1904-1910 wurde die Grube von der französchischen Bergbaubetreibergesellschaft “La Navaressa? betrieben. In diesem Zeitfenster wurden in sechs Jahren 8.000 Tonnen bleihaltiges, hochgütiges Erz gefördert. Der durchschnittliche Bleigehalt nach der Erzwäsche betrug 58% und zwischen 1.000-2.500 Gramm Silber pro Tonne Roherz!

Die Hauptader und Gruben von Ollin befanden sich ca 7 km vom Dorf entfernt, direkt an der Haupstrasse Leitza-Hernani, einige Kilometer vor dem Zusammenfluss der beiden Flüsse Ollin und dem Rio Urumea. Geologisch gesehen sind/waren die Erzadern in Schiefer,- und Sandstein-Sedimente eingelagert, welche sich vor etwa 350 Millionen Jahren gebildet hatten. Die starke Tektonik (Erdverschiebung) der Pyrenaen hat die Erzadern teilweise zerissen und vertikal gestellt. Somit sind fast alle bauwürdigen und kleineren Erzgange stark einfallend im Gebirge anzutreffen.
Die Haupterzader besteht aus diversen einzelnen Erzgängen, welche zwischen 150 Grad nördlicher Richtung und 180 Grad östlicher Richtung ausstreichen.

Philipp und sein Fundstück

Die wichtigsten Hauptadern sind:

Santa Barbara (Subvertikal)
San Pedro (weniger Steil, viele Störungszonen, östlich davon Starke Pyritansammlungen)
San Benito (Subvertikal)
Erzgang Santa Barbara/San Pedro
Bleierz-Massen (Galenit) von Flourspat und Eisencarbonat.
(Das Erz wurde in beiden Ergängen mit einem Gehalt von 3-5% Blei und 1,5-2% Zink gefördert)
San Alfonso /San Benito

Die Erzgänge San Alfonso und Benito befinden sich im Süden und Osten der vorhergehenden Gänge und sind nicht von ganz so guten Erzen durchzogen. Teilweise sind es Abrisse der Hauptader, die als Satelliten bezeichnet werden. Die Erzgänge San Alfonso und Benito wurden auch als "Erweiterung Ollin" benannt.
Die Abbauarbeiten der hier beschriebenen spanischen Erzgruben fanden hauptsächlich im 19. Jahrhundert, sowohl rechtsseitig als auch linksseitig des Flusses Ollin, statt. Aber der größte Teil der Erzbergwerke befanden sich im östlichen Teil der Gemeinde Ezcurra, welcher sie auch angehörten.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Grube von La Navaressa an die R.C.A.M. (REAL-COMPAÑ?A-ASTURIANA de MINAS) übergeben. Die bis dahin bestehenden Grubenfelder umfassten 11 Erzbergwerke in den Gemeinden Ezcurra, Goiuzeta und Leitza.

Pesta Porcina...

Moderner Bergbau:

Mit der Übernahme der Erzgruben Mitte der 50er Jahre änderten sich auch die Abbaubedingungen. Die minderwertigen Erze der mittlerweile verlassenen Abbaufelder wurden nun ebenfalls mit Abgebaut, wohlwissend, dass die neue Metallerzufbereitungsanlage gute Reinheitsgrade erzielen würde. Die Erzgänge wurden bis unter den Fluss abbgebaut. Diese Abbauarbeiten zerst¨rten einen grossen teil der alten Grubenbaue stammen noch aus den Anfängen des Erzbergbaus am Ollin.
Im Feld San Pedro lagen die Erzgänge eingebettet in Schieferton und hatten einen Gehalt von 6-7% Blei, aufkonzentriert in der werkseigenen Aufbereitungsanlage auf 50% Roherz mit einem Gehalt von 700 Gramm Silber pro Tonne Konzentrat.


Die Schächte:

Der Erzgang im südlichen Teil im Feld "San Alfosno" und "Benito" mit nord-südlicher Gangrichtung hatte eine Mächtigkeit von 1,5 Metern und einen durchschnittlichen Gehalt von 3% Blei, eingelagert in Flourspat und Eisencarbonaten. Um an weitere Erzvorkommen zu gelangen wurde dann 1908 der Schacht "San Benito" abgeteuft. Der Schacht hatte einen Durchmesser von 3 mal 2,57 Metern und wurde neben der Förderung auch zur Wasserhaltung genutzt. Ein weiterer Schacht, der Schacht "Santa Barbara" diente zur Wetterhaltung und ebenfalls zur Förderung der Erze.

Erzwäsche und Aufbereitung:

Zur Aufbereitung und Weiterverarbeitung der Erze gab es zwei Erzaufbereitungsanlagen. Eine diente zur Verarbeitung der direkt anfallenden Erze und die Andere zur Weiterverarbeitung der Konzentrate. Anfangs wurde mit Hilfe von Schwebebecken nur das Blei abgesondert. Später wurde mit Verfeinerung und Modernisierung der Aufbereitungsanlage auch das anfallende Zink mitverarbeitet. Die Klassifizierung begann in einer Schwemmrinne um bis zu 5,5 mm grossen Erztrümmer zu sortieren.
Die 2-11 Millimeter grossen Trümmer wurden ausgesiebt. Grossere Trümmer und Erzbrocken wurden einer Kugelmühle zugeführt und anschliessend auf Vibrationstische, der sogenannten "Schwingenden Klassifizierung? ,zu Weiterverarbeitung geleitet. Die nicht Sortenreinen Erze wurden in der zweiten Aufbereitungsanlage, unter anderem mit einem "Wifley-Tisch" (Schwingtisch) klassifiziert, gewaschen und zum Verkauf verarbeitet.

Abwasser:

Anfangs wurden die Abwässer der Grube direkt in den Fluss Ollin abgeleitet, später dann mittels Setzbecken vorgereinigt und dann erst dem Fluss zugeführt. Im Jahre 1983 kam es bei einem starken Unwetter zu einem Erdrutsch, der die alten Setzbecken zerstörte.Dies Fúhrte zu einer der grössten Umweltkatastrophen im Tal. Der Fluss Ollin war mehrere Jahre stark bleihaltig und somit verseucht.

Förderung:

Die Förderung Anfang des 20 Jahhunderts wurde immer komplizierter, da es zum Beispiel diverse Wassereinbrüche gab und die Erze immer tiefer abgebaut werden mussten. Der Bleigehalt nahm mit zunehmender Teufe ab, jedoch stieg gleichzeitig der Zinkanteil in dem Bergwerk. Diese Schwierigkeiten und auch die hohen Kosten des Transports bishin zu den Häfen von Pasajes erschwerten den Bergbau. Auch die Kohleversorgung wurde zunehmend problematischer. Bis Anfang der 30er Jahre wurde das Erzkonzentrat auf Eseln oder Pferden bis nach Goizueta gebracht. Von dort aus dann auf Wagen bis nach Hernani und von dort mit dem Zug nach Pasajes transportiert. Die Transportkosten in den 20er Jahren betrugen etwa 24-30 Peseten pro Tonne .Mit dem gleichzeitigen Preisverfall am Weltmarkt erschwerte sich die Lage. 1924 kam es zu einem Stop der Bergbauaktivität der Vereinigung La Navaressa. Nach einer kurzen Pause und der Übernahme durch die RCMA gab es wieder einen Aufschwung im Nordspanischen Bergbau. Es wurden neue Bohrungen im Bereich um Leitza durchgeführt. (Minas del Leitzaran im Bergrevier OLLIN) 1926 wurde die neue Erzwäsche fertigestellt, welche über eine neue, moderne Flotation verfügte. Die “schlechten? Erze konnten so wieder auf bis zu 50% Blei und 700-800 Gramm Silber konzentriert werden.
Die Arbeiten wurden bis 1931 durch die RCMA fortgeführt und es kam dann erneut zum totalen Erliegen der Bergbauarbeiten im Erzrevier. Im Jahre 1952 wurde die Grube dann von der "Compañia Vasca de Minas Sociedad Anonima" gekauft und mit dem Abbau im Tagebau-Verfahren, also oberirdisch, begonnen. Dafür wurde in den 50er Jahren eine Seilbahn bis zur Erzaufbereitung gebaut. Neben dem Blei wurde auch das Flour (Flourit) als Mineral wieder interessant. Bis 1963 wurde die Fördermenge immer wieder erhöht, und dann bis Ende 1963, mit 50-60 Tonnen Tagesförderung ausgebaut. Die Tagesausbeute der Erzgrube betrug zu dieser Zeit 2,5 - 3 Tonnen Bleikonzentrat mit 70% Bleigehalt und 1.000 Gramm Silber pro Tonne, sowie 1,5 Tonnen Zinkkonzentrat mit einem Zinkgehalt von 50-54%.
Ab 1963, bis 1970, kommt es zu einem langsammen Zusammenfall der Arbeiten im Tagebau. Bis 1975 wurden zwar weitere Bohrungen durchgeführt und ein Zukunftsplan erstellt, der von einer noch in den Erzgängen befindlichen Menge von 4.030 Tonnen Erz bestehend aus 20% Flour ,1% Blei und 1% Zink sprach, aber der Erzbergbau war leider dem Untergang gewidmet.
Seit Ende 1975 steht nun die Förderung komplett still. Der ehemalige Erzbergbau am Ollin wurde aufgegeben. Die Gebäude sind heute alle zerfallen und nur noch diverse Stollenmundlöcher und Ruinen zeugen von den Arbeiten in dem ehemaligen Erzrevier. Von der Seilbahn sind nur noch die Fundamente zu erkennen. 2013 sind wir in den obenliegenden Erzgängen der Grube Santa Barbara die ersten Befahrer seit mehr als 80 Jahren. Diverse Relikte sind noch zu finden. GLücklicherweise kann die Grube nur unter großen Schwierigkeiten befahren werden. Direkt nach 60 Metern Stollenstrecke muss ein ca 30 Meter tiefer Erzgang (Schacht) überwunden werden. Und dieses ist nur erfahrenen Montanhistorikern mit dementsprechender Ausrüstung möglich. So wird auch in Zukunft der Charakter der Abbaufelder und Stollen erhalten werden. Insgesamt waren wir 3 Tage vor Ort, um zu Suchen und mit alten Grubenrissen der Bergwerke die Stollen zu finden, den Schacht zu vermessen und diverse unvergessliche Fotos einzufangen.

Mein Besonderer Dank geht an Sabino (Felix Ugarte Elkarte) und Sergio (Otxola Espeleo), die mir bei der Installation und der Befahrung beigestanden haben.

Resümee:
Ein durchnässtes Portemonaie,30 Meter Speleoseil, die in der Grube installiert verbleiben, 1 Flasche Sidra (Apfelwein) kein Graffiti, Schmierereien und null Müll, eine sehr schöne Grube, (ähnlich Büchenberg) die durch sehr gute Verwahrungsarbeiten und wenig Dokumentation sicherlich noch viele Jahre in diesem Dornröschenschlaf bleibt.

Hinterlassenschaften der spanischen Kumpel

Heutiger Bewohner der Stollen

Es geht noch weiter...

Mineralvorkommen und Geologie in Leitza und Umgebung:

Das Mineralvorkommen in Gipuzkoa/Navarra in der Geologie als “Massiv de cinco villas? (5-Dörfer-Massiv) bekannt, das sich im nordöstlichen Teil von Guipuzcoa und im weiteren Umfang auch nach Nordwesten erstreckt.
Die Bergbautechnisch-Geologisch interessante Zone besteht hauptsächlich aus Schiefer, (dunkelgrau) zusammen mit abwechselnden Sandsteinen. Diese Materialien gehören zu den paläozoischen Formationen, insbesondere dem Zeitalter des Karbon. Es gibt hier einige kleine Einschaltungen von Konglomeraten und verschiedenen Kalken.
In diesen Bereichen gibt es eine Reihe von Primärerz-Vorkommen, die in Granit, so zum Beispiel die “Peña de Aia - Bergkuppe von Aia? eingeschlossen sind. In der Verlängerung sind folgende Erhebungen dieser Region von bergbaulichem Interesse und im Rahmen dieser Forschungsarbeit noch weiter von mir zu untersuchen:

- Lesaka
- Irun
- Oiartzun (Minas de Arditurri, Bericht vorhanden)
- Artikutza
- Goizueta (Minas Ollin, Bericht vorhanden - siehe oben)
- Berastegi
- Leitza. (Minas Plazaola"Frankio" Bericht vorhanden - siehe Altbergbau in Spanien)

Diese Hauptvorkommen von Mineraladern besteht aus Eisen-Carbonat, Bleiglanz, Sphalerit und Kupferpyrit. Bekannt sind auch auch einige Fluorspat-Bildungen.
Das Eisen bildet sich laminar in Form von Riffen zwischen den paläozoischen Schiefern. Sie haben im Allgemeinen beträchtliche Dicken/Stärken, mit einer Tendenz sich an den Enden stärker ausgeprägt zu haben, teilweise sind linsenförmige Massenkristallisationen zu beobachten. Das Eisenerz aus diesen laminaren Riffen ist einzugliedern in:

Eisen-Carbonat (Siderit):

Auch unter den bergmännischen Bezeichnungen Eisenkalk, Eisenspat, Spateisenstein und Stahlstein oder unter seiner chemischen Bezeichnung Eisencarbonat bzw. Eisen(II)-carbonat bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse „Carbonate" (und Verwandte). Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Fe[CO3] und entwickelt meist spätige oder derbe Massen, bzw. feinkörnige Dichte, kugelige und traubenförmige Aggregate, auch Sphärosiderit genannt. Eher selten sind rhomboedrische Kristalle mit bisweilen gekrümmten Flächen anzutreffen.
Siderit hat für gewöhnlich eine blassgelbe bis braune Farbe. Manganreiche Varietäten treten eher in schwarzer Färbung auf. Die Kristalle sind durchsichtig bis durchscheinend und glänzen glas- bis perlmuttartig. Bemerkenswert ist die sehr gute Spaltbarkeit nach den Rhomboederflächen.

Eisenoxid Fe 2o3:

Eisen(III)-Oxid kommt als Mineral in der Natur in zwei Modifikationen vor:

Hämatit (Blutstein) Fe2O3, trigonales (pseudohexagonales) Kristallsystem
Maghemit (Maghämit) Fe2O3, kubisches Kristallsystemen


Limonit:

Limonit, auch Brauneisenerz oder Brauneisenstein genannt, ist ein sehr häufig zu findendes, Eisen- und Wasserhaltiges Gestein, bestehend vor allem aus den Mineralen Goethit, Lepidokrokit und verschiedenen anderen hydratisierten Eisenoxiden. An einigen Fundorten werden auch Beimengungen von Hämatit gefunden.
Wie in den anderen Ländern so wurde auch in dieser Region die Ablagerungen desnachfolgend als “Leitzaran-Erz? benannten Minerals an der Oberfläche in kleinen Tagebauen oder Flachen Gruben als (Hämatit) und im Flussbett als Leseerz abgebaut. Diese Erz war auch das Hauptmineral das durch die im Tal ansaessigen Gießereien verwendet wurde.
Mit beginn der Industrialisierung und dem Aufkommen des modernen Bergbaues veraenderte sich auch die Ausbeute der Leitzaran Erzvorkommen stark. Die bis dahin mehr in kleinen Tagebauen und Pingen geförderten Erze erstreckten sich nun auch immer weiter in die Tiefe. Angefangen um ca. 1500 mit kleinen Handhaspeln, die man von Gregor Agricola kennt, erreichte man nun beachtliche Teufen von bis zu 80 Metern.

Knallerbsen? Feuerwerk? Zünder?

Der Abbau und seine Verfahren:

Der Abbau erfolgt bis ca. 1500 relativ chaotisch und veränderte sich erst später zunächst vom Strossenbau, (von der Sohle aus nach oben) später dann zum Firstenbau. (das Hangende wird abgebaut)
Beim Antreffen der Lagerstätten begann man mit dem weitern Aufbruch in die Oberflächennahen Vorkommen und arbeitete sich dann weiter nach unten vor.
Durch die reichen Holzvorkommen und die namentlich in einem alten Dokument erwähnten, vor Ort gewesenen Bergleute aus dem Harz, ist anzunehmen, dass auch das Feuersetzen in den alten Stollen angewandt wurde.

Feuersetzen, Georg Agricola, ca. 1530

Die industrielle Verarbeitung erfolgte dann ab ca. 1850 in grossen Brennoefen in denen die Erze für die weitere Vermarktung vorbereitet wurde. Dabei verlor das Erz ca. ein Drittel seines Gewichts und erreichte wesentlich höhere Güte.
Diese Rösterze hatten zwischen 40 und 50% Eisengehalt und 7% Mangan.

Diese Eisenerze aus Leitzaran waren denen der auf den Hütten von Somorrostro in der Bizcaya verwendeten Erze qualitativ unterlegen und wurden daher in den meissten Fällen für die Verarbeitungin den Hütten vor Ort verwendet.

Philipp in seinem "neuen" Revier

Die Bergbaukonzessionen für Leitzaran:

Im Jahre 1868 wurde eine neues Bergrecht eingeführt, welches die Strukturen der Gruben veränderte. Es schien schon immer Sinnvoll, wenn man nicht arbeitete, sich ein Beibrot in den Erzgruben zu verdienen. Oder sich nun selber eine Konzession zu erbeten. Das Bergrecht erklärt somit den staatliche Eigentum an jedem wirtschaftlich vorkommenden Mineralien und diese so gegründeten Nutzungsrechte wurden von diesem ehemalig freien Abbau fortan klar geregelt. Von da an gab es in Spanien den "genehmigten" Bergbau. Dem Inhaber solch einer Konzession wurde somit genehmigt die Mineralien in einem von Ihm vorgeschlagenen Grundstück, in freier Teufe abzubauen. Auch war durch den Stollenbau keine weitere Grenze, vor Allem Unterirdisch zu finden. Eine Besonderheit diese Gesetzes war, dass zum ersten Mal eine einheitliche Regelung der Bergbau-Aufzeichnungen, und somit die entsprechenden Randbedingungen und Grundlagen für die Topographie begannen.
Jede Bergbaukonzession wurde einen Namen zugewiesen. Mit wenigen Ausnahmen hatte der Name nichts mit dem Besitzer oder dem Grubenfeld zu tun, eine einmal aufgegebene Grube konnten zu einem späteren Zeitpunkt im gleichen Grubenfeld unter anderem Namen wieder erschlossen (Gemutet) werden. So zum Beispiel die Grube “Zufall? im Grubenfeld Bizkotx, die später trotz Verwendung der gleichen Stollen und Tagebau in die “Calvo Sotelo? umbenannt wurde.
Die Namen der Vergebenen Leitzaran-Konzessionen war zu dieser Zeit sehr einfallsreich und frei. Hier einige Beispiele der Grubennamen aus dem spanischen übersetzt. Man beachte die Ähnlichkeit der in Deutschland zu dieser Zeit auftretenden Gruben im hessischen Wetzlar: (siehe auch: Grube Fortuna)

- Grube Hoffnung
- Grube Zufall
- Grube Gottessegen
- Grube Gotteswunsch
- Grube Maria Luisa
- Grube Marianna
- Grube Vorgesehenes Glueck
- Grube Heiliger Luis
- Grube Jungfrau Carmen

Unterbau einer Kipplore

Holzgestell im Altbergbau

Recherche:

Es ist sicherlich keine leichte Aufgabe diese alten Referenzen, die in den Archiven lagern, auszuwerten. Die alten Konzessionsnummern und die dann entsprechenden Dokumente, die in den Archiven zu finden sind, sind ein grosser Aufwand an Arbeit. Das Bergamt in Madrid verfügt über einige Kataloge an Konzessionen, die aber keineswegs bedeuten müssen, dass diese auch jemals exploriert (oh-jeje mein Deutsch wird immer mieserabler) wurden.(Das musste ich jetzt aber mal drinne lassen, hömma... Glückauf, Eismann) Es gab eine ganze Menge an erbetenen und vergebenen Konzessionen um einfach für einen eventuell schlechte Zeit gewappnet gewesen zu sein. Es wird dann insofern schwer dort etwas zu interpretiern was in diesen Aufzeichnungen zitiert wurde. Die Namen der Gruben in die heutige Topographie einzufügen erweisst sich insofern schwierig, da die Namen oft doppelt verwendet wurden. Dies erfordert eine akribische Feldsuche vor Ort. Dadurch kann dann teilweise durch örtliche Gegebenheiten ein weiterer Zusammenhang geknüpft werden.
Der Mangel an Präzision in den damaligen Ämtern tut hier sein Übliches. Viele der alten Namen sind über die Jahrzehnte verloren gegangen und werden sicherlich auch nicht mehr gefunden werden. Es verdankt wenigen Menschen die sich mit Skizzen und Zeichnungen zur Aufgabe gemacht haben dieses alte Wissen zu erhalten. Ich freue mich, dass wir ein Teil der wenigen Menschen, die am Bergbau, vor allem in Spanien, interessiert sind, diesen Bericht präsentieren können. Glückauf...

Glückauf...


Text, Befahrungen und Fotos:
Philipp Weigand // untertage-übertage, 2013
Übersetzung und Bearbeitung:
GG Ollin (vielen Dank!)

best Kennzeichen ever - Altbergbau rules...