Es war einer dieser schönen und warmen Sonntage im Spätsommer, die uns dieses Jahr reichlich beschehrte. Olly und meine Wenigkeit standen wieder einmal vor der Herausforderung, die grosse, unbeliebte Raubkatze loszuwerden, die uns seit dem Konzert am Abend zuvor (Rasta Knast @ AK47) irgendwie ungefragt begleitete. Und es sollte nicht das letzte Raubtier sein, dem wir an diesem Tag begegnen sollten. Los ging es erst einmal mit einem kleinen Snack italienisch-türkischer Köstlichkeiten (Pizza Sucuk und Margherita) von einem unserer Wuppertaler Lieblingsdönermännern und schon ging es los im Regionalexpress nach Ennepetal, vorbei an der kleinen U-Verlagerung “Falke“ in Schwelm. Im Film und in der Literatur würde man so etwas “Foreshadowing“ nennen, eine Andeutung auf eine später stattfindene Handlung...Angekommen in Ennepetal machten wir uns zu Fuß auf ins Hülsenbecker Tal. Unser Weg führte uns an etlichen Luftschutzbauten vorbei, von denen das kleine, aber industriereiche Städtchens eine ganze Menge besitzt.

Nach gut einer halben Stunde Fussmarsch erreichten wir dann unser Primärziel: das Meilerfest im Hülsenbecker Tal. Und irgendwie bot uns das knuffige Fest doch mehr, als wir erwartet hatten. Im Zentrum stand natürlich der qualmende Kohlenmeiler, der dort alle zwei Jahre zur Meilerwoche aufgebaut und angezündet wird um in alter Tradition Holzkohle zu köhlern. Aber nicht nur das: um den Meiler hatte sich an jenem Wochenende ein Bauernmarkt niedergelassen. Zu sehen gab es allerlei Handwerkskunst aus alter und neuer Zeit, vom Glasbläser bis zum Kettensägenkünstler. Ebenso hatte Siggi Gams von der Ennepetaler „Arbeitsgruppe Bergbau und altes Handwerk“ einen Schachtofen nach Vorlage Agricolas aufgebaut, dieser sollte im Laufe der Woche angestocht werden.



Und dann erwähnte ich ja bereits den Falken. Es war ein Falkner gekommen und hatte einen einen Bussard, einen Uhu und einen Falken mitgebracht. So nah sieht man diese U-Verlagerungs-Namensgeber nicht alle Tage!

 “Uhu-Verlagerungen einmal anders...?

Doch eines gab es nicht: einen Bierstand! Das ist besonders tragisch, wenn das Wetter und der Nachdurst den Wasserverbrauch in die Höhe schnellen lässt und sich der unbändige Wunsch nach einem eiskaltem Radler breit macht..... Also ließen wir das kleine Fest hinter uns und zogen weiter. Ein weiterer weisser Fleck auf der Landkarte wollte erkundet werden und so begaben wir uns auf eine Wanderung durch die Täler und über die Höhen des Ennepetaler Hinterlandes. Nach ein paar entspannten Kilometern durch Wald und Felder kehrten wir zurück Richtung Ennepetal. Es war schon spät geworden und die Mission lautete immer noch: Kater beseitigen. Unser Durst wurde immer größer, doch stellt einen ein Kleinstädtchen im bergisch-märkisch-sauerländischem Ruhrgrenzgebiet an einem Sonntagnachmittag vor gewisse Beschaffungsprobleme....

Unsere letzte Chance war daher der Kommerzschuppen eines grossen Mineralölkonzerns... aber immerhin: es gab Fiege Radler! Und das eiskalt! So kauften und verstauten wir das kostbare (bei den Preisen an der Tanke ist das durchaus wörtlich zu nehmen) Gesöff und zogen noch ein Stückchen weiter. Auf einer Bank vor der Kluterhöhle liessen wir uns nieder und dann kam der langersehnte Moment, das Ritual nahm seinen Lauf: die Hände umschlingen fest den Hals aus braunem Glas, an dem sich kleine Wasserperlen niedergelassen haben, und beide Daumen stossen den Bügel aus sanft gebogenem Stahldraht beherzt nach hinten, die fest anliegende Gummidichtung erhebt sich aus ihrem Sitz, ein sattes „Plöpp“ erklingt und perfektioniert die vom leise sauselnden Ennepebach, der da unten im Tal fliesst, und dem leisen Rauschen der Bäume im Wind geprägte Klangkulisse. Erste Spritzer suchen ihren Weg durch die sommerlich-warme, von frischem Fichten- und Blumenduft getränkte Luft und zarte Nebelschwaden steigen aus der sich grade geöffneten ebenmässigen Öffnung. Ein freundschaftliches „Klack“ leitet die nächste Phase des königlichen Genusses ein. Bald drauf berührt der Mund jenes zarte Loch, das Männerherzen höher schlagen lässt und schon fliesst der absolut perfekt temperierte, goldgelbe, ambrosiagleiche Göttertrank in die durstende Kehle. Als wäre es ihm die reinste Freude umspült die spritzig-frische, milde Symbiose aus feinherben, schwelm-bochumer Gerstensaft und edelster Zitronenlimonade die lechzenden Zungen....

Genug der Schwafelei.... fest steht: Der Kater ist besiegt und Fiege Radler bekommt im Biertest die Bestnote!



Nachtrag:

Am darauf folgenden Donnerstag machte ich mich noch einmal allein auf den Weg nach Ennepetal. Inzwischen hatte sich doch einiges getan. Der Bauernmarkt war weiter gezogen, die Raubvögel ausgeflogen, der grosse Meiler war ausgekohlt und wurde abgetragen. Insgesamt war es überschaubarer geworden. Und doch, das Meilerfest war noch nicht vorbei!


Neben dem ersten Meiler war ein zweiter, etwas kleinerer Meiler errichtet worden und qualmte munter vor sich hin. Es war eine Feldesse aufgebaut worden, auf der sich Interessierte im Schmieden probieren konnten. Das ruhige Treiben wurde kurz unterbrochen durch eine feurige Vorführung des Thermitschweissens.

 Nein, kein Feuerwerk, Thermit!

 Der große Meiler wird abgetragen.

Ausserdem hatten Siggi Gams und seine zwei fleißigen Helfer derweil den Schachtofen angesteckt, der nun noch mehr Blicke auf sich zog. Siggi erklärte allen Interessierten geduldig den Schachtofen und das Verhütten von Eisenerz.



Siggi Gams und die „Arbeitsgruppe Bergbau und altes Handwerk“ suchen interessierte Helfer, die bei der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der montanhistorischen Geschichte Ennepetals und bei Projekten wie dem Bau und Betrieb des Schachtofens tatkräftig mithelfen möchten. Interessierte können sich bei ihm melden unter dieser Telefonnummer melden: 02333 80860.

Vor Ort: Olly und Christoph
Bilder: Olly und Christoph
Bericht: Christoph