Altbergbau in Thüringen – Vereinigte Reviere Kamsdorf

Glückauf, zusammen. So manch einer von euch wird sich jetzt bestimmt denken, dass der „Eismann“ und seine Freunde nur noch in Thüringen unterwegs ist, denn auf dieser Seite werden kaum noch regionale Berichte publiziert. Das stimmt auch – aber nur zum Teil. Natürlich sind wir noch viel in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Aber das Bergische Land zum Beispiel liegt in einem Ballungsgebiet mit mehreren Millionen Einwohnern und wo viele Menschen auf engem Raum zusammen leben, gibt es neben dem Licht auch viel Schatten. Und der Schattenseite der Befahrer-Szene möchte kein Licht in Form von unbekannten Objekten erhellen, damit diese Stollen usw. nicht auch noch überrannt und somit zerstört werden. Um möglichst stressfrei und frei von negativen Überraschungen unserem Hobby nachgehen zu können, sind wir halt viel in Thüringen aber auch auch in anderen Bundesländern unterwegs. So war es eigentlich schon immer und so wird es in Zukunft auch bleiben. So, nach diesen kleinen erhobenen Mittelfinger noch ein paar eigene Worte zur Grube Vereinigte Reviere Kamsdorf. Wir waren jetzt schon ein paar mal in diesem töften Besucherbergwerk in Thüringen. Zwar war unser Primärziel fast immer die U-Verlagerung mit dem Decknamen Schneehase, welche an drei verschiedenen Stellen in dem Bergwerk untergebracht war, aber auch der Altbergbauteil, welcher immer von uns befahren werden musste um zu dem nächsten Teil der U-Verlagerung zu kommen, ist es wert hier eine eigene Vorstellung zu bekommen. Und das Bergwerk ist wirklich riesig. Von den gut 200 Kilometern Stollenstrecke unter Tage, haben wir bis heute noch nicht mal ein Viertel gesehen. Ich glaube, es gibt auch kaum jemand, der das gesamte Grubengebäude kennt, oder? Selbst einige der Betreiber von dem Besucherbergwerk hatten so manchmal ihre Schwierigkeiten mit der Orientierung, wie ich mich erinnern kann, hahaha. Okay, hier geht’s jetzt nach dem ersten Fotoblock weiter mit der Geschichte der Grube Vereinigte Reviere Kamsdorf. Ich will hier auch nicht zu viel schreiben, denn schließlich sollt ihr auch mal dem tollen Besucherbergwerk einen Besuch abstatten und euch die Thüringer Untertagewelt während einer Befahrung mit eigenen Augen anschauen. Ebenso über Tage gibt es noch eine Vielzahl von Bergbaurelikten zu entdecken.

Stollenmundloch Vereinigte Reviere Kamsdorf
Die Befahrer machen sich bereit

Bergbaurelikte im Freigelände

Stollenmundloch

Schachtgebäude

Stollenstecke mit Hunt

Schacht unter Tage

Förderstollen in Kamsdorf

Loren und Hunte

Gestänge im Stollen

Der Erzbergbau in der Gegend um Kamsdorf ist älter als im Erzgebirge. Schon im 13. Jahrhundert wurde hier nach Silber, Kupfer, Nickel, Kobalt und später nach Eisen gegraben. Entlang einer nahezu West-Östlich verlaufenden Linie, die von Gehren über Königsee, Rottenbach, Bad Blankenburg, Saalfeld, Goßwitz, Ranis, Oberoppurg nach Triptis und Weida verläuft, treffen zwei geologische Hauptstrukturelemente Thüringens aufeinander: vom Norden her das Thüringer Becken und vom Süden her das Thüringer Schiefergebirge. Die Saalfelder Region ist deshalb geologisch sehr vielgestaltig. Mit Ausnahme der Ablagerungen der Jura und Kreidezeit sind Gesteine aus allen geologischen Zeitaltern anzutreffen. Im Schiefergebirge sind das zum Beispiel Tonschiefer, Grauwacken, Alaunschiefer, Knottenkalke und Quarzite, allesamt während der variskischen Gebirgsbildung gefaltet und geschiefert. Das Thüringer Becken dagegen enthält Kalksteine, Schiefertone, Buntsandsteine, Dolomite und Gipsstufen, die überwiegend flach gelagert sind. Im Saalfelder Raum hat diese Vielfalt der anstehenden Gesteine immer Anlass für ihre Gewinnung gegeben. Hier wurde einfaches Baumaterial genauso gefördert, wie erzhaltige Rohstoffe zur Produktion von Metallen und Farbstoffen. Insbesondere trifft das auf die Gesteinsschichten des Oberperm zu, die die Basisfolge des Thüringer Beckens bilden und die wegen ihres Erzinhaltes immer bergbaulich interessant waren. Sie erhielten den bezeichnenden Namen „Zechstein“, der Stein, auf dem Zechen angelegt waren. Von allen Erzvorkommen im Umkreis von Saalfeld hatte das Erzfeld zwischen Saalfeld und Könitz über viele Jahrhunderte die größte Bedeutung, wenngleich der Abbau auch hier nicht ohne längere Unterbrechungen stattfand und zu verschiedenen Zeiten ganz unterschiedliche Rohstoffe Gegenstand des Bergbaus waren. Die Rohstoffgewinnung begann mit der Nutzung der Kupfererze ab etwa 1500 Jahre vor unserer Zeitrechnung, nachdem Bonze als Werkstoff für die Herstellung von Waffen und Werkzeuge eingesetzt wurde. Das natürliche Auftreten größerer Mengen metallischen Kupfers und die leuchtend grünen, blauen und roten Farben der Kupfersekundärminerale Malachit, Azurit und Cuprit haben dazu geführt, dass hier eine der wichtigsten Bronzeverarbeitungszentren auf dem heutigen Gebiet Deutschlands entstehen konnte und die frühen Bronzehüttenleute wichtige Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Kupfermetall und Kupfererze gewinnen konnten. Die typisch gefärbten Erze waren an der Oberfläche leicht aufzufinden und die Klüftigkeit des Zechsteins ermöglichte einen oberflächennahen Bergbau ohne nennenswerte Grundwasserprobleme.

Pfeiler-Kammer-Bau unter Tage
Eismann im Altbergbau

Im Kupfererzbergbau

Klöbi und das Huthaus

Versatz im Abbaufeld

Abortkübel

Eisenerzbergbau in Thüringen

unterirdischer See im Bergwerk

Bergmann, Lampe und Loren

Grubenbahn

Auch die Nutzung des Brauneisensteins im Revier Kamsdorf und Könitz begann schon in prähistorischer Zeit. Im Gegensatz zum Kupfererzbergbau hatte die vormittelalterliche Eisenerzeugung aus Kamsdorfer Erzen wesentlich geringere Bedeutung, weil Eisenerze, die sich mit dem einfachen Rennverfahren verhütten ließen, sehr viel häufiger auch an anderen Orten vorkamen als Kupfererze. Nachdem spätestens zur Völkerwanderungszeit die Kupfer- und Eisengewinnung im Saalfelder Gebiet wieder in Vergessenheit geraten war, lebte der Bergbau im hohen Mittelalter in der Phase des Landesausbaues wieder auf. Nun fiel dem Vorkommen von Silbererzen eine vorrangige Rolle zu, weil die sich in dieser Zeit verstärkt entwickelnde Geldwirtschaft in der Hauptsache auf dem Währungsmetall Silber beruhte. Die im Saalfeld-Kamsdorfer Revier auftretenden Silbererze ohne nennenswerte Kupferbeimengungen, die damals allein für die Gewinnung von Währungsmetall nutzbar waren, sind nur auf wenigen Gängen des Roten Berges südlich von Gorndorf und Röblitz, bei Könitz und am Wachserz am westlichen Stadtrand von Saalfeld gefunden worden und waren im Spätmittelalter weitgehend erschöpft. Der Aufschwung im Saalfeld-Kamsdorfer Bergrevier im 16. Jahrhundert wurde von einer technischen Neuentwicklung, dem im 15. Jahrhundert erfundenen Saigerverfahren, getragen. Mit diesem Verfahren gelang es erstmalig Kupfer und Silber im metallurgischen Prozess zu trennen und münzfähiges Kupfer herzustellen. Der Eisenabbau hat vor allem den Bergbau um Kamsdorf, Goßwitz und Könitz geprägt. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Abbau von Brauneisenstein, ab 1828 auch Spateisenstein, immer bedeutsamer. Die Eisenhütten, die sich um 1300 beginnend, vor allem aber im 15. und 16. Jahrhundert in den Tälern des Thüringer Waldes und des Frankenwaldes unter Nutzung der Wasserkraft und des Holzreichtums entwickelt hatten, setzten das phosphorarme Kamsdorfer Eisenerz verstärkt ein. Der Transport erfolgte mit Pferdefuhrwerken über den Thüringer Wald bis nach Suhl, Zella und Mehlis. Die Kuxe (Kux = Bergwerkanteilschein) der unter preußischer Leitung im 19. Jahrhundert entstandenen Gewerkschaft „Vereinigte Reviere Kamsdorf“ wurden neben vielen anderen Gruben und Bergwerksfeldern von der bayrischen Eisenwerkgesellschaft Maximilianhütte erworben. Der Abbau der Erze und später des eisenschüssigen Kalksteins erfolgte von 1869 – 1949 unter Tage. Seit 1949 wurde verstärkt zur Förderung im Tagebaubetrieb unter Anwendung moderner Abbautechnologien übergegangen. Kamsdorf war bis ins späte 19. Jahrhundert Sitz eines königlich-preußischen Bergamtes, das sich in einem jetzt nicht mehr vorhandenen Gebäudes am Bergamtsplatz befand. Die Grubenverwaltung war im so genannten Revierhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ersatzschacht 04 untergebracht. Beide Baulichkeiten bilden den Revierhauskomplex. An dieser historischen Stelle hat der Verein sein Domizil aufgeschlagen. Durch umfangreiche Aufräumarbeiten ist das Umfeld wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt worden. Kernstück des Ensembles bildet das Besucherbergwerk, das am 06.10.2001 offiziell eingeweiht worden ist. Oberirdisch gibt es einen etwa 5 Kilometer langen Bergbaulehrpfad. Anfang und Ende befinden sich nahe der Straße am Ortsausgang von Kamsdorf in Richtung Könitz unterhalb vom Revierhaus. Es gibt auch einen Parkplatz. An wichtigen Stationen des Lehrpfades sind Informationstafeln mit Erläuterungen zur Geologie, zum Bergbau und zur Montangeschichte aufgestellt. Eine Führung unter Tage dauert ca. 70 – 90 Minuten und gewährt Einblicke in 300 Jahre Erzbergbau auf Kupfer-, Silber- und Eisenerz. Die letzte Epoche der untertägigen Eisensteinförderung, die unmittelbar mit der Errichtung der Maxhütte in Unterwellenborn im Zusammenhang stand, ist ebenso erlebbar wie Gangbergbau auf Kupfererz, die Schachtförderung mittels Handhaspel oder Maschinenschacht. Der untertägige Rundweg führt auch durch die Grubenbaue, die im 2. Weltkrieg zum Rüstungswerk ausgebaut wurden...

U-Verlagerung Schneehase (Link)

Splitterschutzzelle
Im Schachtgebäude

Stollen zwischen zwei Erzabbaufeldern

Stollenhausen

Halle mit Pfeiler im Erzbergwerk

Thüringen-Untertage

Haspel-Winde im Bergwerk

einige Befahrer - Glück Auf

noch mehr Befahrer - Glück Auf

Der leckere Kaffee nach der Befahrung

(Quelle: Holznagel - Mai, 2007 – Danke und Glückauf)

http://www.besucherbergwerk-kamsdorf.de

© untertage-übertage, 2015

Fotos von diversen Befahrungen:
© Bergmann und Eismann

Danke und Glückauf an:
Helmut, Axel, Kamsdorfer Verein zur Pflege der Bergbautradition und alle, die dabei waren...

Ge-Tippen-Tappen-Tönchen: Eismann