Die Reise zur Erdachse

Ahh, endlich gehts wieder in den wilden Osten – war mein erster Gedanke, als wir gegen Mittag Ibbenbüren verließen und auf die A30 in Richtung Berlin auffuhren. Es war ein warmer Sommertag und wir waren uns sicher, dass diesmal (endlich) kein Schnee in Pausa, unserem Reiseziel, liegt. Nicht so wie im letzten Jahr. Eigentlich müsstet ihr euch jetzt noch mal eben meinen Bericht über die letzte Tour, zu meiner Nummer 100 durchlesen (LINK), denn es gibt eine Menge Parallelen. Nicht nur, dass wir wieder die selbe Truppe wie im letzten Jahr waren, auch viele andere Sachen, wie zum Beispiel die Route, waren nahezu identisch. Ebenso verschwand auch wieder eine Person am Teutoburger Wald. Guckt euch doch mal das nächste Foto an. Kommt euch das irgendwie bekannt vor?




Genau, auf dem Parkplatz haben wir letztes Jahr auch schon Rast gemacht – sogar auf der selben Bank, hahaha... Das war wirklich Zufall, ehrlich. Doch weiter gehts.

Unaufhaltsam flitzte das Asphaltband unter unserer Karosserie hindurch und das Seitenfenster fungierte als Fernseher, wo mehrere Folgen der Serie "Bilderbuch Deutschland" hintereinander gezeigt wurden. Ein bisschen kälter wurde es von Bundesland zu Bundesland auch. Ebenso die Luftfeuchtigkeit nahm leicht zu, besonders in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Es kübelte zwischendurch so stark, dass wir uns wünschten, wir hätten ein Amphibienfahrzeug. Ein paar "Kölns" waren auch dabei, aber die sollten uns erst so richtig auf dem Heimweg ärgern, aber so weit sind wir hier in diesem Bericht noch nicht.

So gegen Abend maschierten die drei Westfalen im Vogtland ein und unser Gastgeber Axel erwartete uns schon freudig zusammen mit einer leckeren Kiste sächsischer Braukunst und einer Flasche Schmiere. (oder war es doch das Öl?) Siehe nächstes Foto. Zunächst bezogen wir noch unsere "neue" Hütte und begrüßten die anwesende Fauna, bevor wir zum gemütlichen Teil des Abends übergingen. Eines muss ich jetzt mal sofort loswerden: Axel und seine Frau Simone sind wirklich die besten Gastgeber in unserem Sonnensystem und ich freue mich immer wie ein Kleinkind auf Weihnachten auf unsere (leider viel zu seltenen) Treffen. Wie fühlten uns direkt Deutsch-Drahthaar-Wohl (ich mag keine Pudel) in Pausa. Nette Menschen, welche uns, obwohl kurzfristig geplant, sofort und ohne Komplikationen sofort bei sich aufnahmen und uns fürstlich bewirteten. Axel zauberte uns so einige leckere und ungewöhnliche Speisen aus seinem nicht vorhandenen Hut und Simone kümmerte sich wie immer um das leckere Frühstück. Das ist Freundschaft!
So, über nächsten Tage in Pausa und in Thüringen werde ich hier mal nicht viel schreiben, denn einige der von uns gesuchten und befahrenen Untertage-Verlagerungen werden in nächster Zeit hier auf dieser Seite noch genauer vorgestellt. Die Zeit verging mal wieder viel zu schnell. Jeden Tag hatten wir uns zwei U-Verlagerungen vorgenommen, so dass wir manchmal erst spät wieder in Pausa eintrafen. Danach folgte wie immer der "Hoizhakka-Pogo", damit wir es uns zum Abschluss des Tages wie immer bei einem leckeren Mahl und ein paar Bierchen am Feuer gemütlich machen konnten. Das Feuerchen hat Tradition – egal ob es warm oder kalt ist. Ich habe keine Ahnung, wieviel Kisten Bier diesmal drauf gegangen sind, aber nach einer Befahrung, oder zwei, gehört das im Urlaub einfach dazu, oder? Axel, Svenska, hat einer von euch gezählt? Ausserdem hat es bei der ganzen Schiefer-Kletterei ein paar Bergmannsschuhe von mir zerlegt, welche Axel auf der Abschlussparty als Erinnerung überreicht wurden. Egal, hier folgen nun erstmal ein paar Schnappschüsse von unseren Touren und Abenden. Danach geht es weiter mit einem Bericht über eine Tagestour und die Schmierung der Erdachse.



Okay, ein Tagesprogramm muss ich hier noch genauer beschreiben, denn erstens passte es nicht so ganz in unser normales Tourverhalten und zweitens soll (muss) hier in diesen Bericht noch etwas über die Erdachse und deren Schmierung geschrieben werden. Der besagte Tag war der Freitag. Am Vormittag fuhren wir zu fünft (mit Axel und Rene) nach Chemnitz. Es war die längste (Tages-) Strecke und mit Abstand die langweiligste Exkursion in dieser tollen Woche. Die Fahrt führte durch mein geliebtes "Klein-Wuppertal" – Plauen – und über unzählige Autobahnkilometer, bis wir endlich in Chemitz ankahmen. Dort stand eine Führung durch ein ehemaliges Kalkbergwerk an, in welchem damals auch die U-Verlagerung mit dem Decknamen "Seezunge" untergebracht war. (Rabensteiner Felsendome) Doch als uns der nette Herr an der Kasse erklärte, dass die Führung auf 30 Minuten Länge gekürzt wurde, denn es wurde ja gerade umgebaut und es wird ja alles noch schöner, und zudem neuerdings absolutes FOTOGRAFIERVERBOT in dem Stollensystem herrschte, sank unsere Laune auf mindestens 3. Tiefbausohle des Bergwerks, die wir eh nicht zu sehen bekommen. Toll! Es half alles nix, der netter Herr wollte einfach keine Ansnahme machen. Zudem kam noch, dass ungefähr 10 Minuten der eh schon viel zu kurzen Führung, uns noch der ach so tolle Klang in Form von irgendwelcher Orgelmusik in dem Trausaal des Bergwerks vorgeführt wurde. Okay, der Sound war echt klasse, und ich stellte mir vor, das Ganze mit "unserer" Musik und einem Kasten Bier zu genießen, aber die weite Fahrt für das bissken Stollenfeeling hatte sich echt nicht gelohnt. Also Abbruch und weg... Gut, dass wir die U-Verlagerung Seezunge schon mit einem Gastbericht von Axel auf unserer Seite haben. (LINK) Für die Minehunters war die Befahrung natürlich doppelt ärgerlich – keine (guten) Fotos für deren Bericht. Ups, wer hat denn da wieder heimlich fotografiert? Danach wollte ich gerne noch einen guten Plattenladen in Chemnitz besuchen um meinen musikalischen Akku wieder aufzuladen, doch dazu war komischerweise keine Zeit mehr, da ja noch ein weiterern Programmpunkt auf der heutigen Tagesliste hatten. Auf der Fahrt zurück nach Pausa unterhielten wir uns ausschliesslich übers Essen. Wir hatten auf dem Hinweg schon einige gute Stellen zur Nahrungsaufnahme aus dem Bilderbuch-Deutschland-Autofenster entdeckt, so dass wir uns auf nur noch über Curry-Würstchen und deren perfekte Zubereitung unterhielten. Uns lief schon das Wasser im Mund zusammen. Bei uns in NRW ist es ja wirklich kein großes Problem, eine leckere Curry-Wurst zu bekommen. Aber in Sachsen sieht das schon wieder ganz anders aus. Eine Pommesklatsche in Plauen ließen wir im wahrsten Sinne links liegen um einen guten Stand, irgendwo bei Syrau, zu besuchen. Axel erzählte uns von leckeren Frikadellen und Artverwandten, aber an dem besagten Stand angekommen gab es nichts mehr ausser Thüringer Roster. Schaschlik war auch aus. Egal, Svenska konnte es nicht mehr aushalten und hatte sich ne leckere Thüringer eingeschmissen. Danach fuhren wir zum nächsten Imbiss, welcher uns schon auf dem Hinweg aufgefallen war. Auf der Karte vor der Bude wurden uns die leckersten Speisen präsentiert, aber als wie die Pommesklatsche betraten, erklärte uns die nette Dame vom Grill, das irgendwer krank sei und sie in einer halben Stunde zu macht. Natürlich gab es NICHTS mehr von der Karte, da der Grill schon aus sei. Aaarrgh... Okay, es gab noch ne leckere Curry-Frikadelle ausse Mikrowelle, aber so haben wir uns das nicht vorgestellt. Danach sind wir nochmal zurück zu dem eben genannten Stand (hä, wart ihr gerade nicht schon mal hier?) und haben alle Thüringer Roster bis auf eine aufgefressen.




Foto oben: meine schiefergeschädigten Bergmannschuhe - RIP!

So unbefriedigend dieser Tag auch anfing, später wurde es viel besser, denn jetzt stand meine "Überraschung" auf dem Programm. Ich ahnte schon vorher, worum es ging, aber als wir uns zu Fuß, Simone war diesmal auch dabei, auf den Weg in das Zentrum, äh den Ortskern, von Pausa machten, waren alle wieder gut drauf. Nachdem noch einige Postkarten gekauft, bekritzelt und verschickt wurden, bewegten wir und zum Rathaus von Pausa, bekanntermaßen dem Mittelpunkt der Erde.

Und hier an dieser Stelle füge ich mal zum besseren Verständnis ein Zitat aus der Stadtchronik ein:

Nach einer alten Überlieferung wurde Pausa schon vor Hunderten von Jahren scherzweise als "Mittelpunkt der Erde" bezeichnet.Diese Bezeichnung blieb bis auf den heutigen Tag bestehen und ist im Lauf der Jahre auch über das Vogtland hinaus bekannt geworden.
In der Chronik von Pausa steht geschrieben, dass Pausa ungefähr im Mittelpunkt, aber nicht der Erde, sondern des alten Vogtlandes liege. Wenn man nämlich den Zirkel da absetze, wo Pausa auf der Karte liegt und bis an die Grenze des früheren Fürstentums Reuß, jüngerer Linie (ungefähr auf die halbe Strecke zwischen Gera und Zeitz) ausspanne und damit einen Kreis beschreibe, so wird man im allgemeinen die Grenzen des alten Vogtlandes haben.Für den sprichwörtlichen Mittelpunkt gab es im Laufe der Jahrhunderte noch andere Deutungen. Erst war es ein auf dem Markt stehender Wasserkasten, der den Fremden, die vor vielen Jahren den Ort besuchten, gezeigt wurde. Später, als der Wasserkasten abgebaut war, stellte ein gelber Knopf in der Ratskellerwirtschaft und etwa um die Jahrhundertwende eine in die Diele der Rathauswirtschaft eingelassene Messingkapsel den Mittelpunkt dar. Diese wurde bald als "Erdachse" bezeichnet und der Stammtisch im Ratskeller als "Erdachsenschmierausschuss". Beim Rathauserweiterungsbau ging der so oft bestaunte Messingknopf verloren. Aber ein Herr aus Dresden schickte Geld für eine neue "Erdachse".Auf dem Dach des Rathauses befindet sich das Wahrzeichen der Stadt Pausa, der ca. 3m im Durchmesser und 1200 kg schwere Globus mit der Aufschrift "Mittelpunkt der Erde".Bis heute hat es an Freiwilligen, die sich des wichtigen Erdachsenschmiergeschäftes annahmen, nie gefehlt.Viele Besucher von Pausa lassen es sich nicht nehmen, die neu gefasste Erdachse im Keller des Rathauses anzuschauen und selbst zu schmieren. Spezielle "Erdachsenschmiere" befindet sich vor Ort. Wer die Legende um die "Erdachse" und die Tradition des Schmierens nachvollziehen möchte, wende sich bitte an:
die Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission zu Pausa e.V.,
Neumarkt 1, 07952 Pausa
Herrn Peter Hahn, Tel. 037432/21594, http://erdachse-pausa.de/








In dem kühlen Rathauskeller erzählte uns eine nette Frau im traditionellen Gewand die Geschichte zur Erdachse in Pausa, wärend wir immer und immer wieder die Erdachse schmierten und ölten. Irgendwer gab immer einen aus. Danke! Als wir die Gewölbe wieder verließen, traf uns der Hammer des Sommers. Wie die geölten Erdachsen liefen wir wieder zurück zum Basislager, setzten uns in den Schatten und ließen den Tag mit abermals ein paar Bierchen ausklingen. Irgendwie vertrage ich dat Zeug nicht, denn am nächsten Tag hatte ich nen Kopp wie ne Dreikantfeile, ich konnte aus einem Meter Abstand noch kratzen. Mein Schädel glich einem angezündeten Kubischen Kanonenschlag und stand kurz vor der Explosion. Ich sagte die heutigen Exkursionen ab und versuchte bis zum Abend wieder einigermaßen fit zu werden. Ich half Axel bei den Vorbereitungen für die Abschlussparty, wo viele Befahrer aus den verschiedensten Bundesländern nebst Familie zusammen treffen sollten. Und so war es auch. Es gab lecker Spanferkel, viel Bier und die Bunkersportler feierten bis spät in die Nacht...



Am nächsten Tag dann hieß es: Abschied nehmen! Es war eine tolle Woche mit euch. Vielen Dank an Axel und Simone für ALLES! Grüße und Glückauf auch an die anderen Befahrer. Wir kommen wieder. Die Heimfahrt ist immer das Schlimmste. Die ganzen Befahrungen und das Bier steckt noch in den Knochen. Zudem gab es noch einen Riesenköln bei Hannover, so dass wir erst gegen Abend wieder im bergischen Land ankamen. Aber egal, es hatte sich gelohnt...

© eismann, 2015 // untertage-übertage // minehunters

Auf der Partnerseite Minehunters gibt es ebenfalls einen Bericht über unsere Tour zu lesen. (LINK) Schaut doch auch da jetzt mal rein... Tüs...