Eismann on tour: Altbergbau in Dortmund – Zeche Zollern

Irgendein Samstag im Herbst, eigentlich könnte ich heute mal ausschlafen, klappt aber nicht. Der Lorenz scheint in mein Zimmer, keine Wolke am Himmel, das Thermometer auf meinem Balkon zeigt 7Grad an, ein guter Tag um Fordergerüste und Tagesanlagen zu fotografieren. Altbergbautag! Übertage! Bewaffnet mit Kamera, Ticket 2000 und nem Sack voll guter Laune, vor allem weil ich heute mal wieder alleine unterwegs sein darf, mache ich ich mich auf den Weg zum Wuppertaler Hauptbahnhof. Ich steige in die S5/S8 und fahre mit. Dortmund, mittlerweile größte Stadt im Ruhrgebiet und zweitgrößte in NRW ist mein Ziel an diesem Tag. Neben meinem Lieblings-Plattenladen „Idiots-Records“ bietet die westfälische Metropole am Ostrand des Ruhrgebietes auch jede Menge Relikte aus dem Bereich Luftschutz und Bergbau im Ruhrgebiet. Wie euch die Überschrift bestimmt schon verraten hat, ist mein heutiger Exkursionspunkt die ehemalige Zeche Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen. Genau das Richtige für diese durch die Fledermausschutzzeit bedingte befahrungsarme Zeit. (übertage statt untertage)

    

Nachdem ich mir im Eingangsbereich ne Karte vom Grubengelände besorgt hatte, stand ich nun mit Selbiger vor dem Eingang und verschaffte mir einen ersten theoretischen Überblick von dem, was mich an diesem Tage erwartet. Ich war gerade noch am Überlegen, ob ich die Tagesanlagen im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigerinn erkunden sollte, als mich ein netter Herr im Grubenhemd ansprach: >Hömma Jung, inne Lohnhalle kannste grad nich, da is Hochzeit.< Alles Klar, dachte ich und nahm von meinem Vorhaben „dagegen“ zu laufen abschied. Also doch im Uhrzeigersinn. Ich tippelte los und wenn alles richtig läuft sehe ich folgende Sachen in folgender Reihenfolge: Eingang, Verwaltung, Pferdestall, Schacht Zollern 4, Alte Verwaltung, Maschinenhalle, Werkstätten, Umschlagplatz, Bahnhof, Schacht Zollern 2, Schachthalle, Lampenstube, Kaue, Lohnhalle, Magazin und wieder den Eingang, beziehungsweise dann Ausgang. Natürlich klappte mein Plan noch nicht mal bis zum Pferdestall. Das Fördergrüst über dem Schacht 4 rief mich telepathisch zu sich und wollte als erstes fotografiert werden. Danach lief ich von Schräg nach Quer über das Zechengelände, immer auf der Suche nach einem neuen und noch besseren Motiv. So vergingen die ersten Stunden auf dem Gelände wie im Fluge.

  Zechenhof / vlnr: Schacht 4, Verwaltung, Schacht 2

Pferdestall der Zeche Zollen II / IV

Hömma, unterwegs is mir ne Gruppe Jauster, komplett mit Pütthemd, Düppe auffe Omme, CEAG am Kerf und mit schwatte Schmiege entgegen gekommen. Ich sach dich, selbst die Kleinsten ham hier ne Menge Spass inne Backen bei die Bergwerksführung, woll?

Kinderteller "Unter Tage" - eine Grubenführung

Schachthalle mit Fördergerüst über Schacht 2

Störend waren nur die vielen Hochzeitsgruppen, welche ständig die Lohnhalle besetzten und somit mein Fotografierverhalten mächtig beeinträchtigten. Schön auch folgendes kleines Gespäch zwischen der Fotografin und der Braut: Fotografin: >Hier ist doch eine schöne Stelle mit prima Sonneneinfall für Foto.< Braut: >Nee, nicht mit dem Förderturm im Hintergrund, dass sieht total blöd aus...< Tja, ich frage mich, warum die dann überhaupt inner Zeche Zollern die Trauung durchziehen, wenn die Schnulle doch kein „Fördertum“ mag, der übrigens ein Fördergrüst ist, aber egal...

  Soundtrack: Himmelsrock von Revier-Express

Blick über Dortmund-Bövinghausen

Nach einer Weile verschlug es mich wieder zur Lohnhalle, um nun auch endlich diese zu besichtigen. Aber pustekuchen, im Inneren wurde schon wieder der Sektempfang für die nächste Gruppe der Ja-Sager vorbereitet. Naja, also wieder raus inne Sonne und weitere Außenaufnahmen machen. Nach einiger Zeit saß ich auf einer Bank, genehmigte mir einen Happen aus dem Gutelaunesack. Als ich die zirka 5te Hochzeitsgruppe beobachtete, stellte ich mir vor, dass die Zeche noch Aktiv wäre und die ganze Zeremonie inmitten dem Bergwerksbetrieb stattfünde. Die Braut ist gerade dabei „Ich Will!“ zu sagen, als jede Menge Kohlekumpel die Hängebank verlassen, sich vergnügt unter die Hochzeitsgesellschaft mischen und die ganzen pastell- und weißfarbenen Kleider und Kostüme so langsam aber sicher in Kohleoptik übergehen...

Seilscheiben im Durchblick

Alte Verwaltung im Stil norddeutscher Backsteingotik

Preisfrage: Was wurde auffe Zeche Zollern wohl abgebaut?
Dat muss ich getz hier wohl nicht erleutern, oder doch? Nun ja, weiter unten im Text findet ihr die Antwort.
(wer uns als erstes die richtige Antwort per E-Mail schickt, gewinnt ne Schüppe Steinkohle, die er sich bei Bergmann in Ibbenbüren abholen kann)


Fördergerüst über Schacht 4 der Zeche Zollern

Grubenlüfter am Wetterschacht

Das „Schloss der Arbeit“, wie die Zeche Zollern auch genannt, wird befindet sich in Dortmund-Bövinghausen, also ganz im Westen der Ruhrgebietsmetropole. Erbaut wurde das Steinkohlenbergwerk zwischen den Jahren 1898 und 1904. Die Grube galt seinerzeit als Prestigeobjekt der Gelsenkirchener Bergwerks AG. (GBAG) Die Tagesanlagen bestehen aus Ruhrsandstein, gepaart mit prunkvollen Backsteinfassaden, Giebeln und Türmchen. Die im Jugendstil erbauten Gebäude passen auch hervorragend in die Elberfelder Nordstadt, so dass ich mich fast wie zu Hause fühlte. Stillgelegt wurde die Kohlengrube 1966 im Zuge der allerorts eintretenen Kohlenkrise. Sie sollte gegen Ende der 1960er Jahre zugunsten einer Schnellstraße abgerissen werden. Doch die Bürger waren dagegen, so dass die Zeche Zollern als erstes Industriedenkmal 1969 geschützt wurde. Das Bergwerk wurde ab 1981 vonm LWL (Landschaftsverband Westfalen Lippe) übernommen. Heute kommen hier Fotografen und Bergbaufreunde voll auf ihre Kosten, wenn sie die noch reichlich vorhandenen Tagesanlagen besichtigen, erkunden und fotografieren möchten. Hab ich schon erwähnt, dass man hier auch heiraten kann? 

Wettertüren aus dem Steinkohlebergwerk

Verlade- und Rangierbahnhof der Zeche Zollern

Wie ihr sicherlich schon gemerkt habt, ist dieser Bericht keine geschichtliche Abhandlung über die Zeche Zollern, Altbergbautechnisch gesehen, sonst wäre er auch unter der Rubrik Altbergbau zu finden, sondern nur eine reine Bilddokumentation des Bergwerks. Die Texte zwischen den Fotos könnt ihr getrost übersehen oder einfach ignorieren. Nun ja, da du dir ja anscheinend jeden Mist durchliest, habe ich eine kleine Information bezüglich der beiden Fotos, die gleich zu sehen sind. Der LSB (Luftschutzbonus) auf dem Zechengelände Zollern besteht aus zwei "Splitterschutzzellen", welche hier die Zeit überdauert haben. Die beiden Einmannbunker aus dem Zweiten Weltkrieg lassen das Herz eines Bunkersportlers höher schlagen, obwohl die Westermann-Zelle nicht zu begehen sind. Hier also die Fotos der beiden Splitterschutzzellen in Dortmund: 

Eine Splitterschutzzelle der Bauart Westermann

könnte Luftschutz sein...

Hömma, die Zeche Zollern in Dortmund ist wirklich eine Reise wert. Es gibt tausende von Altbergbau-Relikten zu bestaunen, das Fördergerüst über Schacht 2 kann bestiegen werden und die Aussicht ist wirklich atemberaubend. In den Gebäuden sind wechselnde Austellungen zu sehen, in den Kelleranlagen wird die Arbeit unter Tage in Wort, Bild und Ton verdeutlicht, der Zechenbahnhof ist eine Wucht und man kann hier sogar heiraten – ist das nicht toll? Natürlich gibt es hier neben Speis und Trank auch das ein oder andere Mitbringsel in Form eines Buches, T-Shirts oder Kohleklumpen zu kaufen. Dieses war mein erster Kontakt mit der Zeche Zollern und ich werde bestimmt, diesmal zusammen mit meinem Team, wiederkommen. Dann entsteht vielleicht auch ein Altbergbaubericht über die Steinkohlengrube.

  Grubenhandy an der Hängebank

Anschlägertafel für die Fördersignale am Schacht 2

Nach Zollern bin noch inne City von Dortmund getippelt um ne lecker Maskuline (Bratwurst) mit scharfe Sauce einzuschmeißen. (kommse vonne Schicht, wat Besseres gibbet nicht – als wie ne Currywurst...) Zum Abschluss des schönen Tages wurde noch das VRR-Gebiet durchquert und ich bin von Stollenhausen-Ost zurück nach Stollenhausen-Süd gefahren. Und mit diesen Worten endet auch dieser Bericht. Bis die Unter-Tage... 

Kreiselwipper am Füllort in der Schachthalle

Bergbau-Ausstellung in der Kaue

Lobet dem Bergbaumuseum:

Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II / IV
Grubenweg 5
44388 Dortmund-Bövinghausen
0231-69 61 111
www.lwl-industriemuseum.de


Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Fotos, Text und unterwegs im VRR: Eismann
Restarbeiten und Onlinestellung: Bergmännken Björn

© untertage-übertage, 2011

Glück Auf...