Luftschutztürme der Bauart Winkel               

Vorwort

So, liebe untertage-übertage-Leser, diesmal gibt’s wieder eine Extraportion Beton für die Augen. Ohne jeden Zweifel gehören Luftschutztürme der Bauart Winkel für mich zu den interessantesten Luftschutzanlagen des zweiten Weltkrieges. Winkeltürme repräsentieren in meinen Augen Innovation, Design, und Anpassungsfähigkeit unter schwierigsten Bedingungen. Wahrscheinlich liegt meine Begeisterung an diesen Bauwerken, an den artverwandten Berufen zwischen mir und dem Erfinder Leo Winkel. Wie dem auch sei, da wir in den letzten Jahren zahlreiche Besichtigungen dieser Bauwerke unternommen hatten, habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein paar Zeilen zum Thema Winkelturm zu schreiben. Sollten sich trotz sorgfältiger Recherche Fehler eingeschlichen haben bitte ich um eine kurze Mail, um diese ausmerzen zu können.

Doch Vorsicht !!!
Ausnahmen bestätigen bei Winkeltürmen die Regel, da spezielle Kundenwünsche häufig Berücksichtigung fanden. Es gibt häufig bauliche Abweichungen von den hier dargestellten Versionen und Typen.

Kommen wir nun zu den Zahlen, Daten, Fakten dieser Luftschutzturm-Bauart.


Der Baumeister Ludwig Winkel

Ludwig Winkel wurde am 15.09.1885 in Köln geboren. Nach Abschluss seines Architekturstudiums, wurde L. Winkel bei der Gewerkschaft Deutscher Kaiser & Bergbau als Baumeister (heutige Berufsbezeichnung Architekt/Bauingenieur) beschäftigt. Dort arbeitete er unter anderem am Bau der „Agnes-Kirche“ zu Köln mit. Im Jahr 1916 sah Leo Winkel seine berufliche Perspektive bei der August Thyssen AG in Duisburg-Hamborn, wo er als Baumeister in der Bauabteilung des Unternehmens anfangen konnte. Als wichtiger Mitarbeiter des Unternehmens wurde Leo Winkel weder im ersten noch im zweiten Weltkrieg eingezogen. Ludwig Winkel starb am 12. März 1981, im Alter von 95 Jahren. Sein Grab befindet sich heute in Dinslaken.

Bedingt durch Winkels Einsatz bei der Entwicklung von Luftschutztürmen, verdankten viele Menschen ihm ihr Leben. Außerdem möchte ich auf die hervorragende zivile Arbeit in der Nachkriegszeit hinweisen, auf die ich hier nicht näher eingegangen bin.
 

  Winkeltürme Gießen

Planung und Entwicklung

Anfang der Dreißiger Jahre beschäftigte sich der Architekt mit der Möglichkeit, einen oberirdischen Luftschutzturm so zu konstruieren, dass alleine seine Form, Bombensicherheit gewährleisten sollte. Inspiriert wurde Leo Winkel dabei von Kirchen nach italienischen Design, bei denen der Glockenturm frei neben dem eigentlichen Kirchengebäude steht (sogenannte „Campanile“). Das bekannteste Bauwerk dieser Art stellt wohl der schiefe Turm von „Pisa“ dar. So entstand auf dem Zeichentisch ein freistehender Turm, gepaart mit der Überlegung durch die Form einen möglichst großen Schutz vor Bomben zu erzielen. Mit diesen Ideen betrat Leo Winkel im Schutzraumbau Neuland, da zu diesem Zeitpunkt Bunkeranlagen fast ausschließlich unterirdisch gebaut wurden. Beim Bau erdversenkter Schutzräume kam es jedoch immer wieder zu unplanmäßigen Verzögerungen aufgrund schwieriger Grundwasserspiegel oder Bodenbeschaffenheiten. Dies trieb die geplanten Kosten oft extrem in die Höhe. Die großen Vorteile eines oberirdisch angelegten Bunker-Bauwerks bestanden im wesentlichen in den genau zu kalkulierenden Kosten, sowie dem Zeitaufwand der Bauphase. Ein weiterer positiver physikalischer Effekt bei Hochbunkeranlagen bestand im Verdämmungseffekt von Detonationen. Durch die kinetische Energie einer fallenden Bombe, grub diese sich häufig tief in die Erde ein. Es folgte so ein mit Erde verdämmte Explosion. Da die Druckentwicklung bei einer solchen Explosion sich nicht frei entfalten konnte, wirken so erheblich größere Kräfte auf die Bausubstanz unterirdischer Schutzräume ein. So konnte bei Hochbunkern, trotz dünnerer Wände gleiche Schutzwirkung erzielt werden, da die Druckwelle einer Explosion sich oberirdisch frei in alle Richtungen ausdehnen konnte.

 Eismann

Der erster Entwurf

Das erste Patent eines Luftschutzturms von Leo Winkel wurde am 18. September 1934 im Reichspatentamt mit der Nummer 658344 registriert. In diesem Entwurf ging es um einen freistehenden spitzzylindrigen Luftschutzturm mit neun Etagen. Dieser etwa 20m hohe LS-Turm sollte den 200 Personen für die er ausgelegt war, allein durch seine Formgebung Bombensicherheit garantieren. In der Patentschrift heißt es wörtlich: „An der spitz auslaufenden Turmhaube müssen etwa aufschlagende Bomben wirkungslos abgleiten“.

Winkel trennte sich bei seinem ersten Entwurf nicht vollständig vom Gedanken der unterirdischen Bauweise von Luftschutzanlagen. So wurden bei Winkels Planungen, die ersten zwei Stockwerke unterhalb der Erdoberfläche angelegt. Die übrigen sieben Stockwerke des Winkelturms ragten in spitzer Kegelform aus der Erde. Ein klarer Fall von einer untertage-übertage-Version also!!! Um eine möglichst rasche Belegung zu erzielen, erhielt der Winkelturm zwei höhenversetzte Eingänge. Diese wurden gegenüberliegend voneinander konstruiert. Der untere Eingang konnte fast ebenerdig erreicht werden, zum oberen Eingang führte eine hölzerne Treppe. Durch den unteren Zugang sollten hauptsächlich die ersten drei Stockwerke des Winkelturms mit Schutzsuchenden belegt werden. Für die übrigen sechs Stockwerke, welche nach oben hin immer weniger Schutzplätze aufwiesen, diente hauptsächlich der obere Zugang. Die Gasschleusen in den Eingangsbereichen direkt hinter den Eingangstüren erhielten zunächst rechteckige Grundflächen. Die Treppenkonstruktion im Winkelturm selbst, sollte aus Holz gefertigt werden. Das Treppenhaus verlief übereinanderliegend an der inneren Turmwand im Winkelturmkern empor. Da Winkel diesen Turm ausschließlich für den Werkluftschutz konzipiert hatte, wurden die Treppen im Inneren eher schmal und steil gehalten. Die notwendige Belüftungs- und Filtertechnik (gegen chemische Kampfstoffe) sollte ihren Platz im zweiten Untergeschoss bekommen. Bei diesem Winkelturm-Patent bestand der gesamte Baukörper aus Stahlbeton. Ebenso die Zwischendecken als auch der äußere Betonmantel. Leo Winkel suchte nach weiteren Verwendungsmöglichkeiten zur Nutzung des Bunkers in Friedenszeiten. So bot er den als Luftschutzraum geplanten Winkelturm auch zur Verwendung als Wasserturm oder als Getreidespeicher an. Dies beweist aber eher, wie gedanklich unausgereift diese Turmversion zu diesem Zeitpunkt war.

 Winkelturm in Herne bei Nacht

Erprobung

Um die Stabilität und Bombensicherheit von Winkels Theorien zu bestätigen, wurde Ende 1935 ein Exemplar des Luftschutzturms der Bauart Winkel in Rechlin am Müritzsee errichtet. Großangelegte Testreihen sollten Aufschlüsse über die gesundheitliche Sicherheit von Menschen während eines Luftangriffes geben. Die erste Bewährungsprobe fand bereits am 8. Januar 1936, unter der Leitung von Professor Theodor Kristen (Leiter des Instituts für Baulichen Luftschutz der Technischen Hochschule Braunschweig) statt. Beispielsweise sollte festgestellt werden, ob und in welcher Weise sich der Bombendruck einer Detonation im Turminneren auf das menschliche Gehör auswirkt. Zu diesem Zweck wurden in jedem Stockwerk des Winkelturms Ziegen an der inneren Außenwand des Turms festgebunden. Nach Ansicht der damaligen Veterinärmediziner kam das Gehör einer Ziege, dem des Menschen am nächsten. Um einen möglichst authentischen Eindruck zugewinnen, folgte eine Serie von Luftangriffen auf den Bunker. Im Tiefflug versuchten Ju 87 Sturzkampfbomber (Stukas) den Winkelturm mit 500 & 1000 kg Sprengbomben zu treffen. Dieses gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, da die meisten Bomben den spitzzulaufenden Luftschutzturm verfehlten. Um letztendlich doch noch zu fundierten Ergebnissen zu kommen, entschloss man sich die Bomben in drei verschiedenen Höhen anzubringen und sie elektrisch zu zünden. Bei diesen Explosionen wurde der Winkelturm zwar stark erschüttert, blieb aber ohne nennenswerte Beschädigungen. Lediglich die Ziegen im Turminneren, verloren bei den Sprengungen fast alle ihr Gehör, blieben aber körperlich unverletzt. Aus dem Versuch resultierte ein Sicherheitsabstand von 30cm, den die Schutzsuchenden während eines Angriffes zur Turmwand einhalten mussten um keine Gehörschäden zu erleiden. Für Ludwig Winkel waren die Versuche ein voller Erfolg, da sie die Standfestigkeit seiner Winkelturm-Konstruktion bewiesen hatten.

So und ich teste jetzt erst mal die Auswirkungen einer Tasse Kaffee auf meinen Magen!

 Luftschutz

Bauausführung

Am 30. Dezember 1936, gut zwei Jahre nachdem Leo Winkel den ersten Luftschutzturm hatte patentieren lassen, wurde die Geschäftsstelle der Firma „L. Winkel & Co.“ in Duisburg eröffnet. Zunächst bekamen sieben Deutsche Großunternehmen die Lizenz zum Bau von Luftschutztürmen der Bauart Winkel. Das waren folgende Firmen:
Hochtief AG
Franz Brüggemann
Dyckerhoff & Widmann
Wiemer & Trachte
Boswau & Knauer
Philipp Holzmann
Wayß & Freytag
Später wurde die Lizenzvergrabe auf zwölf Großbauunternehmen im Reichsgebiet ausgeweitet. Häufig erhielten Winkeltürme eine Hinweistafel neben dem Eingang, aus dem der Konstrukteur, die Vertriebsgenehmigung und der Bauunternehmer hervor ging.

 Hinweistafel

Im Gegensatz zu den Werkschutzbunkern oder den öffentlichen Luftschutzanlagen, galten Winkeltürme als Staatsgeheimnis im Sinne des § 88 Reichsstrafgesetzbuch. Dieses resultierte durch die Nutzung der Teilstreitkräfte der Wehrmacht, Heer und Marine. So wurde bei der Ausschreibung und Bauplanung eines Winkelturmes streng auf die Geheimhaltung geachtet. Beispielsweise durfte der Rohbaukörper nur in einer Position angeboten werden um das Konstrukt geheim zu halten. Jeder Bauunternehmer, der die Lizenz zum Bau von Winkeltürmen besaß, musste genaustens über den Verbleib der Baupläne Buch führen. Einmal im Jahr, unterlagen die Bücher der Unternehmen wiederum einer Vollständigkeitsprüfung.

 Fotograf Damica bei der Arbeit

Belüftung und Filter-System

Die Funktionsweise der Filteranlage ist vergleichbar mit der einer Gasmaske. Die angesaugte Außenluft strömt durch einen Feinkohlefilter und wird bei diesem Prozess von chemischen Kampfstoffen befreit. Die Lüftereinheiten wurden elektrisch, mit Not-Handkurbel oder nur mit Handkurbel betrieben ausgeliefert. Je nach Größe der Anlage, konnten bis zu 40m³ Luft pro Minute gereinigt und dem Bunker zugeführt werden. Die verbrauchte Luft wurde über Abluftöffnungen mit Rückschlagventilen aus dem Bunker geleitet. Um sicher zu gehen, das kein lebensbedrohliches oder gesundheitsschädigendes Gas in das Luftschutzgebäude eindringen konnte, erhielten alle Öffnungen die mit der Außenluft in Berührung standen einen gasdichten Verschluss. Außerdem wurde mit Hilfe der Belüftungsanlage ein Überdruck im Luftschutzbunker erzeugt, der deutlich höher war als der atmosphärische Außendruck. Nach einem Luftangriff konnten die Kohlefilter ausgekoppelt werden, und es war möglich ohne Zwischenschaltung der Filter, Frischluft in das Bunkerinnere zuzuführen. So wurde der Spitzbunker für den Fall eines erneuten Luftangriffs stets einsatzbereit gehalten. Für die natürliche Belüftung standen zahlreiche Öffnungen in den einzelnen Geschossen zur Verfügung, sie waren gasdicht und splittersicher konzipiert. Am häufigsten fanden die Belüftungssysteme von den Firmen „Dräger“ und „Auer“ bei Winkeltürmen Verwendung. Von der Auer-Gesellschaft kamen hauptsächlich drei Filtersysteme zum tragen.

Raumfilter Typ
R 600 mit 0,6m³ pro Minute
R 1200 mit 1,2m³ pro Minute
R 2400 mit 2,4m³ pro Minute
Dazu kamen
Schutzraumbelüfter Typ
MR 600
MR 1200
MR 2400
Jeweils mit oder ohne Elektrogebläse

Derartig gute Belüftungssysteme brachten allerdings nicht nur Vorteile mit sich. So kam es zu unvorhergesehenen Problemen in Frostperioden, wie zum Beispiel im Winter 39/40. Trotz Heizöfen mit einer Leistung von vier KW, war es nicht möglich den Winkelturm frostfrei zu halten. Bei Innentemperaturen von zum Teil –6 bis –8° war es für Schutzsuchende während eines Luftangriffes direkt gefährlich im Turm stillsitzen zu müssen. Ein weiteres Problem stellte die Turm eigene Wasserversorgung dar. Um dem entgegen zu wirken, entwickelte „Dräger“ eigens einen Lufterhitzer der sowohl bei laufendem, als auch bei stehendem Betrieb der Anlage eingeschaltet werden konnte.

 Markenzeichen Draeger

 Draeger Typenschild, RL-N: 4 / 38 / 30

Werbung

In verschiedenen Werbeprospekten vermittelte der Erfinder dem Kunden die größten Vorteile eines Luftschutzturmes der Bauart Winkel in einzelnen Stichpunkten:

1) Absoluter Schutz vor Sprengbomben, Brandbomben und chemischen Kampfstoffen.
2) Geringe Bau und Unterhaltungskosten.
3) Bauliche Unabhängigkeit vom Grundwasserspiegel so wie Bodenbeschaffenheit.
4) Unproblematische Bauweise im Bergschadengebiet.
5) Geringer Platzbedarf ca. 25 m².
6) Leichte Auffindbarkeit.
7) Gute natürliche als auch künstliche Belüftung.
8) Schnellstmögliche Belegung.
9) Variable Ausstattung möglich (z.b. Beobachtungsstand auf Kundenwunsch).

 Brandwache im Winkelturm

Winkelturm - erste & zweite Version

Stahlbeton-Ausführung

Bei dieser Bauausführung wurde die gesamte Bausubstanz des Winkelturms stahlarmiert. Verwendung fand der 1929 entwickelte Baustahl (St 52) mit einer Mindestzugfestigkeit von 520 N/mm². Die Armierung nimmt die auftretenden Zugkräfte im Beton, in der Außenwand und auch in den Zwischendecken auf. Dieses ermöglichte eine grenzenlose Formgebung des Baukörpers, und minimierte die Wandstärken auf ein Maximum. So betrugen die Wandstärken auf Erdniveau 1,10m, die Verjüngung je steigenden Meter lag bei 3cm. In 10,00m Höhe war eine Mindeststärke von 80cm noch Vorschrift. Ebenso durfte die Abschlussdecke das Maß von 1,40m nicht unterschreiten. Die innere Raumhöhe (lichtes-Maß) musste mindestens 2,00m betragen. Um Korrosionsschäden an der Betonarmierung zu vermeiden, musste der Baustahl von mindestens 5 cm Beton überdeckt werden. Die Betonkonsistenz beim Betonieren lag im plastischen Bereich (K2 Gießfähig). Um Hohlräume (sog. Nester) im Beton zu vermeiden wurde der Beton durch Rütteln oder Stochern verdichtet. Die Zementmenge wurde auf 300kg pro m³ Beton festgelegt.

Im Vergleich mit dem ersten Patent veränderte sich das äußere Erscheinungsbild eines Winkelturms zunächst kaum. Von der Mittelachse aus betrachtet, winkelt die Facette des Turmes identisch mit dem ersten Entwurf nur einmal ab. Erst durch eine Modifikation im Fußbereich des Winkelturms änderte sich die äußere Form leicht. Um einen noch höheren Schutz zu erzielen, erhielten Winkeltürme eine massive Stahlpanzerhaube an der Turmspitze und einen Panzergürtel im Gründungsbereich. Diese Neuerungen sollten folgende Gefahren minimieren: Die Panzerhaube sollte eine direkt auf die Spitze auftreffende Bombe abwehren. Der Panzergürtel sorgte für mehr Schutz im unmittelbaren Sockelbereich des Winkelturms, wo eine abgeprallte Bombe ihre tödliche Wirkung entfaltete. Auch wurde dem Kunden die frei wählbare Ausstattung mit einem Blitzableiter angeboten.

 Panzergürtel

Die größte Veränderung der zweiten Winkelturmgeneration liegen viel mehr im Untergrund des Spitzbunkers versteckt, da auf die zwei unterhalb der Erdoberfläche befindlichen Stockwerke verzichtet wurde. Gegründet wurde der Turm nun ausschließlich auf Fundamenten mit einer Breite von 2,30m und einer Tiefe von 1,00m. Daraus resultierend änderte sich die Anordnung der Bunkereingänge. Um weiterhin eine reibungslose und schnelle Verteilung der Schutzsuchenden zu gewährleisten, blieb das Konzept der höhenversetzten Zugänge erhalten. Zu den beiden Eingängen des Winkelturms führten nun Holztreppen, da die Eingänge je um ein Geschoss nach oben verschoben worden waren. Auch lagen die Zugänge nicht mehr gegenüberliegend voneinander. Sie wurden um 110° versetzt neu angeordnet. Für den Fall, dass die Holztreppen während eines Luftangriffes beschädigt oder zerstört wurden, erhielt jeder Eingang eine Notleiter aus Stahl neben der Haupttreppe. So wurde sichergestellt, daß nach einem Angriff der Winkelturm gefahrlos verlassen werden konnte. Die Luftschutztüren wurden von den verschiedensten deutschen Firmen hergestellt und geliefert. So gab es zum Beispiel Angebotsanfragen bei der Kölner Firma Mauser, der Berliner Marcus-Metallbau, der Berliner Hazet-Werkstätten und der Düsseldorfer Peltz-Geldschrank-Werke.

 Typenschild der Firma Peltz, Düsseldorf

Typenschild

Peltz
Düsseldorf-Neuss
Kenn Numm. RL 3-36/105 RL 3-37/38
RL 3-38/28 RL 3-38/29 RL 3-38/129
Vertrieb Gemäss § 8 Luftschutzgesetz genehmigt

 Typenschild der Firma GHH, Oberhausen

Typenschild

GUTEHOFFNUNGSHÜTTE
GHH
OBERHAUSEN, RHLD.
Vertrieb gemäß § 8 des Luftschutz-
Gesetzes genehmigt.
Kenn-Nummer RL 3-39 / 300

 Detailaufnahme einer Winkelturmtür

Schildaufschrift unten: Das richtige Einsetzen der Türdichtungen in die Gasschutztür:

Bei Luftgefahr

1. Dichtung aus Verpackung herausnehmen, mit der blanken Seite auf eine saubere Fläche legen und Papierstreifen entfernen.
2. Senkrechte Dichtungsstreifen einzeln auf die linke Hand legen und mit der rechten Hand von oben nach unten anheften.
3. Ohne Druck auf die eingebetteten Schüre auszuüben, die Dichtungsstreifen mit Daumen und  Zeigefinger fest von oben nach unten andrücken.
4. Waagerechte Dichtungsstreifen in gleicher Weise von links nach rechts anheften und andrücken. An allen 4 Ecken müssen sich die Streifen überdecken. Tür schließen und nach einigen Minuten öffnen. Sie ist nun in geschlossenem Zustand gassicher.
5. In der kalten Jahreszeit ist die Binde vor dem Ankleben auf etwa 18° zu erwärmen.

Die Größe von Winkeltürmen der zweiten Version variierte je nach Schutzplatzkapazität. Angeboten wurden vier Typen mit unterschiedlichem Fassungsvermögen. So kam ein Winkelturm mit 400 Schutzplätzen auf eine Höhe von 23m und einem Durchmesser von ca. 10,00m.

Typ 1 für 400 Personen
Typ 2 für 315 Personen
Typ 3 für 247 Personen
Typ 4 für 168 Personen

     

 Winkeltürme in Gießen 1 & 2

     

 Winkeltürme in Gießen 3 & 4

     

 Winkelturm in Gießen 5                                                                                                 Winkelturm in Herne

        

 Winkelturm in Ibbenbüren (ohne Spitze)                                                                    Winkelturm in Hannover

Neben der oben beschriebenen baulichen Veränderung der Gründung des Winkelturms, veränderte sich auch das innere Belüftungssystem. Der Technikraum, der die Belüftungs- und Filtertechnik beherbergt, wurde vom Untergeschoss in die Turmspitze verlegt. Ebenso wurde die Gasschleuse platzsparend umkonstruiert. Sie erhielt nun eine dreieckige Grundfläche. So konnten mehr schnell zugängliche Schutzplätze im unteren Turmbereich geschaffen werden. Die Sitzbänke im inneren des Winkelturms wurden ringförmig an der Außenwand, sowie um den Treppenaufgang aufgestellt. Der Treppenaufstieg ansich wurde rechts und links des mittig verlaufenden Versorgungsschachtes integriert. In den einzelnen Stockwerken sorgten Wandbeschriftungen für die notwendige Orientierung ob ein Stockwerk zu 100% mit Schutzsuchenden ausgelastet war oder nicht (Stockwerk & Schutzplatzanzahl). Jeder Sitzplatz auf den Luftschutzbänken erhielt ebenfalls eine Nummer. So konnte einer Überbelegung vorgebeugt werden um die notwendige Ordnung während eines Luftangriffes zu gewährleisten. 

Luftschutzbänke

 Belüftungsverschluss im Inneren

 Sitzbank und Lüftungsrohre

 Treppenaufgang

 Wandbeschriftung

 Teile der Drägerbelüftungsanlage

     

Winkelturm - dritte Version

Stampfbeton Ausführung (Kenn-Nummer RL 3-40 / 5)

Resultierend aus der sich zuspitzenden Rohstoffknappheit wurde L. Winkel im Mai 1937 vom Reichsminister der Luftfahrt (RMDL) dazu veranlasst, den Stahlbedarf seiner Luftschutztürme um 50% zu reduzieren. Diese Aufgabe machte eine entsprechende Umkonstruierung des ersten Patents und deren Typen notwendig. Der neue zweite Winkelturmentwurf wurde am 22 Februar 1938 im Reichspatentamt mit der Nummer 702711 registriert. Die widerrufliche Bau- und Vertriebsgenehmigung der verbesserten Winkelturmausführung, wurde vom Reichsminister der Luftfahrt am 26.07.1937 erteilt.

Da die Vertriebsgenehmigung der Stahlbetonausführung (zweite Version) weiterhin ihre Gültigkeit behielt, konnte der Kunde zwischen Stahlbeton- oder Stampfbetonausführung wählen. Unterschieden wurden die Bauweisen in Typ 1 bis 4 (Stahlbeton) und Turm 1 bis 5 (Stampfbeton) Ausführungen. Der neue stahlarme Winkelturm (Kenn-Nummer RL 3-40 / 5) wurde in fünf Größen geplant, entworfen und angeboten.

Turm 1 für 500 Personen
Turm 2 für 391 Personen
Turm 3 für 305 Personen
Turm 4 für 220 Personen
Turm 5 für 164 Personen

Die Kosten für einen Luftschutzturm der Bauart Winkel in stahlarmer Ausführung, variierte je nach Schutzplatzkapazität zwischen 57.000 Reichsmark (Turm 1) und 28.000 Reichsmark (Turm 5). Extras in der Ausstattung wie z.b. ein Beobachtungsstand in der Turmspitze oder Sonderwünsche in der Inneneinrichtung wurden separat mit Preisaufschlag abgerechnet.

Die Aufgabe, den Stahlbedarf um 50% zu senken, ohne die Bausubstanz zu schwächen, machte eine vollständige statische Überarbeitung der Winkelturmkonstruktion notwendig. Ludwig Winkel nutzte bauphysikalische Grundgesetze um dieses Ziel in die Tat umzusetzen. Teilbereiche wie zum Beispiel die inneren Geschossdecken oder Treppenkonstruktionen wurden sofort aus dem Sparpaket ausgeklammert. In derart sensiblen Bauabschnitten war es aus statischer Sicht indiskutabel auf den Armierungsstahl zu verzichten, oder ihn zu schmälern. So blieb nur die Alternative, den Stahl in der Turmaußenwand einzusparen. Um die gewohnte Stabilität der Außenwand trotz fehlendem Bewährungsstahl sicherzustellen, musste diese möglichst schwingungsarm neu berechnet werden. Die Lösung zog drei Neuerungen bei stahlarmen Winkeltürmen nach sich.

 zugewachsener Zugang des Winkelturms in Limburg

1) Die Wandstärke
Die Außenwand wurde deutlich verstärkt, auf Erdniveau von 1,10m auf 2,00m Dicke. Die Mindestwandstärke in 10,00m Höhe wurde von 0,80m auf 1,50m erhöht. Die Abschlussdecke musste von 1,40m auf ebenfalls 2,00m verstärkt werden. Im Bereich der Gasschleusen wurde die Betonstärke von 40cm auf 50cm angehoben. Alle Vergleiche beziehen sich auf die Wandstärken zwischen Winkeltürmen in Stahlbetonausführung zur neuen Stampfbetonausführung. Notwendig wurden diese Maßnamen, da Beton zwar extreme Druckkräfte aufnehmen kann, aber so gut wie keine Zugkräfte verträgt. Bei Stahlbetonbauwerken werden die auftretenden Zugkräfte vom Baustahl absorbiert.

2) Die Betonkonsistenz
Wie der Name schon vermuten lässt, änderte sich die Betonkonsistenz beim Betonieren von ehemals plastischen Beton auf steifen Beton (Stampfbeton). Die Unterschiede der Konsistenzbereiche lagen in den Eigenschaften der Verarbeitungsfähigkeit und Härtebereiche. Während plastischer Beton gießfähig und somit leicht zu verarbeiten ist, muss Stampfbeton lagenweise in die Schalung eingebracht und durch Stampfen verdichtet bzw. komprimiert werden. Der Vorteil: Stampfbeton wird erheblich härter und abriebfester als Beton mit höherem Wassergehalt, da der Grundsatz besteht, je weniger Wasser desto druckfester der Beton. Natürlich spielen auch Faktoren, wie zum Beispiel die Art des Betonzuschlags, die Zementart und Zementmenge oder aber korrekte Sieblinien eine entscheidende Rolle mit. Auf die im Beton entstehenden Prozesse und Molekülverkettungen gehe ich hier mal nicht näher ein. Zurück zum Thema !!!

3) Die Form
Wie könnte es bei Winkeltürmen auch anders sein, wieder einmal spielte die Formgebung eine nicht unwesentliche Rolle. Um dem Turm eine natürlichere Stabilität zu verleihen wurde die Bunkerabschlusswand leicht nach außen gewölbt. Ähnlich wie bei einem Ei können so große Druckkräfte auf das Baugefüge einwirken ohne den Körper zu beschädigen. Die charakteristische Winkelturmform blieb nahezu erhalten. Sie ähnelte nun einem Zuckerhut oder einer Beton-Zigarre. Auch immer wieder gerne genommen: der Vergleich mit einer aufrecht stehenden Granate.

     

 Winkelturm in Lingen                                                                                                     Winkelturm in Köln

     

 Winkelturm in Solingen                                                                                                 Winkelturm in Düsseldorf

     

 Winkelturm in Hannover                                                                                                Winkelturm in Lehrte

      

  Winkelturm in Düsseldorf                                                                                            Winkelturm in Minden

         

  Winkelturm in Limburg                                                                                   Winkelturm in Meiderich

Auch die innere Raumaufteilung von Winkeltürmen wurde neu überdacht. Winkel entwarf ein neues, revolutionäres Raumkonzept, in dem er segmentbogenartige Zwischenpodeste, je um ein halbes Geschoss versetzt zueinander, mit Treppenläufen verband. Es entstand das sogenannte „Sitzstufen-Konzept“, welches das alte, aus einzelnen Geschossdecken und steilen Treppenaufgängen bestehende Innenleben von Winkeltürmen ablöste. Eine weitere Neuerung stellte der mit Aborten (WC`s) ausgestattete Versorgungsschacht dar. Er verlief rechtwinklig um die Turmachse nach oben. Das neue Innenkonzept dieser Winkelturm-Version glich nun einem Treppenhaus, in deren Mitte ein Fahrstuhlschacht verläuft. Den Schutzsuchenden wurden Sitzplätze auf den Zwischenpodesten, als auch auf den Treppenläufen bereitgestellt. Winkeltürme dieser Bauweise erhielten in den meisten Fällen drei oder vier Eingänge. Diese wurden in unterschiedlichen Höhenlagen angeordnet und um je 120° zueinander versetzt eingebaut.

Luftschutztürme der Bauart Winkel, erhielten auf Kundenwunsch hin Beobachtungsstände in der Turmspitze. (Turmbeobachterstand) Ein solcher Ausguck diente hauptsächlich als „Brandwache“ während eines Luftangriffes. Er diente zur Meldung von Feuern im Stadtgebiet oder auf dem werkseigenen Gelände. Der Turmbeobachter besaß aus dieser erhobenen Position einen hervorragenden Rundumblick über das Gebiet, in dem der Winkelturm stand. Im Falle eines Brandes wurde die Feuerwehr per Telefon über die Größe, das Verhalten und dem Standort des Brandes informiert. In manchen Fällen erhielt der Telefonanschluß sogar eine Direktleitung zur Luftschutzzentrale (Feuerwehr), um schnellst möglich Informationen über das Feuer austauschen zu können.

Auch bei Winkeltürmen mit Beobachtungsstand gab es Untergruppierungen. Diese Winkeltürme wurden hauptsächlich in Bauarten nach „1C“ und „2C“ unterschieden. Das „C“ stand für die dritte, stahlarme Winkelturmversion, die Zahlen 1 und 2 standen für die jeweilige Untergruppierung der Bauweisen. Einen Turm nach Ausführung „1C“ glich äußerlich der normalen dritten Winkelturm-Version, allerdings erhielt er im Bereich unterhalb der Turmspitze Aussparungen mit Seeschlitzen. Die Bauart „2C“ hebt sich im wesentlichen durch die hervorstehende Turmabschlussdecke mit Dachtraufe von „1C“ ab. Es wirkt einwenig so, als wäre dem Turm eine Mütze aufgesetzt worden. Der Vergleich zwischen den Varianten 1C & 2C wird an Hand der folgenden Fotos deutlich.
 

 Bauart 1c  

 Bauart 2c

Eine Abwandlung des Winkelturm-Typs „1C“ entstand 1940 auf Wunsch von Heinrich Dräger. Um das Luftschutzgebäude den örtlichen Bedachungen anzupassen, skizzierte Dräger den Turmkopf nach seinen Vorstellungen um. Nach Genehmigung der Firma L. Winkel & Co entstand auf dem Dräger-Werksgelände in Lübeck eine abgeänderte Variante des „1C“. Eine weiterer Winkelturm dieser seltenen Variante wurde auf dem Firmengelände der Lübecker Maschinenbaugesellschaft errichtet. Beide Winkeltürme waren vollkommen baugleich. Auch nach dem Krieg teilten sich beide Türme das gleiche Schicksal der Entfestigung. Das bedeutete, in die Außenwand des Winkelturms wurde eine vertikale Öffnung von 2m Breite und 13,5m Höhe gesprengt. Sie verlief von unten nach oben über alle Stockwerke und sorgte dafür, daß die Nutzung als Luftschutzraum unmöglich wurde. Nach dem Willen der Siegermächte, sollten im Zuge der Demillitarisierung alle Luftschutzbauten in Deutschland entweder gesprengt oder entfestigt werden. Angesichts der Massen an Luftschutzbauten in Deutschland wurde dieses Ziel allerdings bald verworfen. Der entfestigte Winkelturm auf dem Dräger-Werksgelände in Lübeck diente bis Ende der 60iger Jahre als Ausstellungsraum für die Dräger-Produkte. Aus Gründen des Platzes für einen Neubau, besiegelte eine Hamburger Abrissfirma am 23.04.1971. um Punkt 17 Uhr per Sprengung das Ende des Spitzbunkers. Der zweite Lübecker Winkelturm dieser seltenen Variante ist meines Wissens noch erhalten.

Der stahlarme Winkelturm, Kenn-Nummer RL 3-40 / 5 mit samt der 1C und 2C Ausführung war der erfolgreichste in Serie erbaute Luftschutzturm während des Zweiten Weltkrieges. Von dieser Version entstanden in der Zeit von 1937 bis 1941 mehr als 100 Exemplare. Die genaue Zahl der erbauten, dritten Winkelturm-Version zu ermitteln, ist so gut wie unmöglich, da die Unterlagen als geheime Reichssache galten, und viele der seltenen Dokumente zum Kriegsende verschwanden. Hinzu kommt das 70% von allen je gebauten Winkeltürmen abgerissen wurden. 

Notleiter

Kölner Winkelturm-Museum

Und noch eine Sahneschnitte haben wir für Euch! Wie schon in der Einleitung beschrieben, gibt es bei Winkeltürmen häufig Abweichungen von den Normversionen und Typen. Der Kölner Winkelturm repräsentiert einen dieser besagten Kunden. Unter der Obhut des Cologne Research-Institute of Fortification Architecture e.v. kurz “CRIFA?, werden kostenlose Führungen durch den Luftschutzturm Bauart Winkel angeboten. Die sehr locker gehaltenen Führungen werden von fachkundigen Mitgliedern der “CRIFA? in gewohnt hoher Qualität gehalten. Eine gut gemachte Bunkerführung, bei der es sich wirklich lohnt einige Kilometer Anfahrt zu investieren. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Euch am Kölner Winkelturm erwartet, erhaltet Ihr nun anhand von Bildern und unserem Text. Viel Spaß dabei !

Bei diesem einmaligen Winkelturm, handelt es sich um die stahlarme Bauausführung Kenn-Nummer RL 3-40 / 5. Das äußere Erscheinungsbild besticht dem interessierten Betrachter durch die aufwändige Verkleidung und Größenverhältnisse. Der äußere Betonmantel wurde mit rotem Klinker im Kreuzverband verblendet. Die Turmspitze erhielt eine Verkleidung aus Schiefer. Diese Eigenschaften ließen das Luftschutzgebäude einst mit der Umgebung des Industriegebietes verschmelzen. Eine Eigenschaft, die eigentlich mit allen Luftschutzbauten in Deutschland geschehen sollte, aber nur in den seltensten Fällen wirklich umgesetzt wurde. (z.B.: Lazarettbunker, Münster) Leider sind die alten Fabrikhallen, in deren Produktionszentrum der Winkelturm einst stand, dem Abriss zum Opfer gefallen.

Eine weitere Besonderheit stellt die Größe und Schutzplatzkapazität dar. Geplant und erbaut wurde der Winkelturm in Köln mit 600 Schutzplätzen und einem Beobachtungsstand - entsprechend gewaltig fallen auch die äußeren Abmessungen aus. Der untere Durchmesser im Sockelbereich beträgt 18,60m, die Wandstärke in diesem Abschnitt liegt bei 2,70m. Mit zunehmender Höhe verjüngt sich die Wandstärke stetig bis auf 1,10m am Technikraum im obersten Stockwerk. Die Höhe des Winkelturms erreicht 29m. Erbaut wurde der Winkelturm in der Zeit von April bis Juli 1940, Bauherr war die Firma „Glanzstoff-Courtaulds“ GmbH.
 

 Winkelturm der CRIFA 

Die„Glanzstoff-Courtaulds“ GmbH

Vertraglich gegründet wurde die Firma „Glanzstoff-Courtaulds“ GmbH 1925 von den Firmen „Glanzstoff-Fabriken AG“ in Wuppertal-Elberfeld und der englischen Firma „Courtaulds Ltd“. Anfang des zweiten Quartals 1928 nahm der neu gegründete Betrieb die Produktion von Kunstseide (Viskose) später auch Zellwolle, in Köln-Niehl auf. Im Dritten Reich, wurde die „Glanzstoff-Courtaulds“ GmbH als kriegswichtiger Betrieb eingestuft, da Deutschland möglichst unabhängig von ausländischen Importen werden sollte. In diesem Zeitraum wurden etwa 3.000 Menschen bei der „Glanzstoff-Courtaulds“ GmbH beschäftigt. Ein Drittel der Arbeitskräfte stellten Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Fremdarbeiter aus Osteuropa dar. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Österreich. 

Winkelturm mit 600 Schutzplätzen

Im Inneren des Luftschutzturms sind zahlreiche Teile der mehr als 60 Jahre alten technischen Einrichtung erhalten geblieben. Die Schutzraum-Belüftungsanlage der Firma Dräger mit samt Filtersystem ist zum größtem Teil noch vorhanden. Ebenso sind Teile der alten elektischen Einrichtung, wie zum Beispiel Sicherungskästen, alte Lampenfassungen oder Reste der Verkabelungen im Originalzustand im Winkelturm erhalten geblieben. Interessant ist das Kommunikationssystem für die Verständigung innerhalb des Bunkers. Zwischen Turmbeobachter (Turmspitze) und Bunkerwart (Erdgeschoss) wurde ein Sprachrohr durch den Beton verlegt. Diese Technik dürfte dem einen oder anderen Spezi aus Kampfbunkern des Westwalls, Ostwalls oder auch dem Atlantikwall bekannt sein. Für die externe Verständigung diente ein Telefonanschluss mit Direktleitung zur Feuerwehr. Die inneren, historischen Wandbeschriftungen des Kölner Winkelturms, haben die Jahrzehnte der Nachkriegszeit gut überstanden. Heute bieten sie dem Besucher eine gute Orientierung und zeigen damalige Verhaltensregeln auf. Die originalen Sitzbänke aus Holz sind leider nicht mehr vorhanden. Um dem Besucher dennoch Winkels "Sitzstufen-Prinzip" nahe zu bringen, wurden Bänke nach dem altem Vorbild neu gebaut und auf einem Treppenlauf aufgestellt. Mehr will ich an dieser Stelle aber nicht verraten, schaut doch einfach selbst mal vorbei.

 Sitzstufenkonzept nach Bauart Winkel

 Elektroinstallation

 Schieber der Dräger Belüftungsanlage

 Filteranlage

 Wandbeschriftung (Geschoss & Platznummer)

 Filtersystem der Firma Dräger

     

 Sprachrohr                                                                                                                       Luftschutztür

     

 Belüftungsverschluss & Treppenaufgang                                                                 Abort (Toilettenanlage)                                

Besuchsmöglichkeiten

Kölner Festungsmuseum Außenstelle Winkelturm
50735 Köln-Niehl, Neusser Landstraße 2

Führungen jeden dritten Samstag im Monat von 14.00 bis 16.00 Uhr:
Gruppenbesuche sind nach Absprache möglich:
Hinweis: Der Winkelturm ist nicht behindertengerecht konstruiert:
Telefon 0162 / 7399505:

Einen Hinweis oder besser noch, einen Besuch wert sind auch die zahlreichen anderen Objekte der “CRIFA? in Köln und Umgebung.
Ein Dankeschön gilt Uwe Kopp, für die Infos und die tolle Führung durch den Winkelturm.

Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder keine Frage. Grüße vom untertage-übertage-Team...

Winkelturm - Vierte Version

Zivilschutz Sektor (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1)

Die wohl unbekannteste Version stellt der für den zivilen Luftschutz konzipierte Winkelturm (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1) dar. Der für 500 Personen entwickelte Luftschutzturm ähnelt äußerlich eher einen Zombeckturm als einem Turm der Bauart Winkel. Wahrscheinlich wird aus diesem Grund auch immer wieder in diversen Foren gepostet, daß es sich hierbei um einen Zombeckturm handelt, obwohl aus der Hinweistafel am Luftschutzturm hervorgeht, daß der Kontrukteur eindeutig L. Winkel hieß.. Ein weiterer Irrglaube ist, daß nach 1941 keine Winkeltürme mehr gebaut wurden. Uns sind gleich mehrere Winkeltürme bekannt, die in der Zeit von 1942 bis 43 gebaut worden sind. Allerdings handelt es sich ausnahmslos um Türme für den zivilen Luftschutz (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1). Diese Infos lassen sich mühelos in folgenden Stadtarchiven einholen (Duisburg, Solingen, Wuppertal). Nicht weniger interessant sind die folgenden technischen Daten zur Bauausführung dieser Version:

Die auch als Typ „1D“ bezeichnete vierte Winkelturm-Version, besitzt am Turmfuß einen Aussendurchmesser von 12,00m, der sich bis unter die Dachtraufe auf 11,00m verjüngt. Die Gesamthöhe des Winkelturmes beträgt ca. 21,50m. Das kegelförmige Stahlbetondach weist eine Neigung von etwa 50° auf. Die Oberkante des Fußbodens im Untergeschoss liegt von der äußern Geländeoberkante etwa 1,00m tiefer. Der innere Durchmesser in diesem Abschnitt beträgt 8,00m. Er wird bis zum fünften Geschoss beibehalten. Die Verjüngung von unten nach oben vollzieht sich in diesem Bereich allein in der Außenwand. So misst die Wandstärke am Turmfuß 2,00m und in Bereich des fünften Geschosses noch 1,50 Meter. Im Übergang zum Dach erhöht sich die Wandstärke unterhalb der Traufe auf 1,75m. Das Widerlager des Daches wurde mit 2,00m bemessen, um dann fließend in die 1,40m starke Dachschräge über zu gehen. Die Abschlussdecke erhielt im Scheitelpunkt eine Dicke von 3,00m. Die einzelnen Etagen erhielten eine lichte Raumhöhe von etwa 2,25m.

     

 Winkelturm in Solingen                                                                                                 Winkelturm in Wuppertal      

Der Kunde konnte zwischen zwei Bauarten der Turmaußenwand wählen, sie wurde stahlarmiert oder in stahlarmer Stampfbetonausführung angeboten. Das Dach und die innenliegende Treppenkonstruktion mussten aber in jedem Fall in stahlarmierter Bauweise ausgeführt werden. Zur Armierung des Kegeldachs waren ca. 14,5 Tonnen Baustahl notwendig. Auch bei dieser Bauausführung wurde das Sitzstufenprinzip angewandt. Anders als bei der dritten Winkelturmversion erhielt die vierte Bauart zwei gegenläufige Treppenaufgänge mit Viertelkreis-Podesten. Sie verliefen rund um den mit Toiletten- Anlagen ausgestatteten rechtwinkligen Turmkern empor. Der innere Turmkern bestand in den meisten Fällen aus Mauerwerk. So kam bei dem in Solingen errichteten Luftschutzturm dieser Bauart Bimsstein zum Einsatz. Das Obergeschoss besitzt eine waagerecht verlaufende durchgängige Decke. Der Zugang dorthin wird durch eine steile Holztreppe ermöglicht. Vier höhenversetzte Eingänge standen dem 500 Schutzsuchenden zur Verfügung. Jede Gasschleuse hatte einen Treppenaufgang, der die beiden Eingänge der Schleuse miteinander verbunden hat. Wer wissen will, wie tückisch gegenläufige Treppenhäuser sein können, setzt sich am besten mit Schlufine in Verbindung - sie hat da so ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Lach !!!

 (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1)

Wie sicher ein Winkelturm dieser Variante (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1) war, musste der in Solingen errichtete Luftschutzturm unter Beweis stellen. Er erhielt einen Volltreffer durch eine von den Alliierten abgeworfende Sprengbombe auf dem Dach. Die durch die Bombeneinwirkungen entstandenen Schäden im Außenbereich sind in Form von kleinen Rissen bis in die Wand des Erdgeschossen noch heute erkennbar. Innen blieb das Konstrukt weitgehend unbeschädigt. Spuren der Explosion lassen sich im Inneren nur durch fachkundige Personen feststellen. Verletzungen der Schutzsuchenden oder gar Tote waren in diesem Bunker nicht zu beklagen.

 Verhaltensregeln im Luftschutzbunker

 Toilettenanlage

 Treppenaufgang

 Auer Belüftungsanlage

 Wandbeschriftung

Winkelturm - Mischversion

Rechtsstreit
Der Ingenieur Paul Zombeck versuchte 1938 die jeweiligen Vorzüge von Winkeltürmen (Kenn-Nummer RL 3-40 / 1) und Zombecktürmen (Kenn-Nummer RL 3-39 / 114) in einem Luftschutzturm zu vereinen. So entstanden aus Zombecks Feder Blaupausen eines Luftschutzturmes, der Winkels patentierte Form sowie Zombecks inneres Wendelflächenprinzip (Gewinde- oder Schneckenhausprinzip) erhalten sollte. Ein weiterer Entwurf zeigte einen Turm, der die Form nach Bauart Zombeck und Winkels inneres Sitzstufen-Konzept beinhaltete. Winkel sah seine Patentrechte verletzt und klagte. Bei dem in Düsseldorf geführten Prozess wurde Zombecks Versuch, zwei verschiedene Patentrechte miteinander zu vermischen als rechtswidrig erklärt. Zur Bauausführung kam es entgegen einiger Behauptungen nicht mehr.

 Luftschutztür

Das Ende von Luftschutztürmen Bauart Winkel 1941

Bedingt durch das Führersofortprogramm vom 10 Oktober 1940, wurde der Bau von Luftschutzanlagen reichsweit neu geregelt. Hauptsächlich sollte das Sofortprogramm dem Schutz der gesamten Zivilbevölkerung dienen. Dies umfasste allerdings nicht nur Bunkeranlagen des Selbstschutzes, sondern auch alle Arten von Sonderkonstruktionen fielen in dessen Bereich. Mit Anrollen der ersten Bauwelle von Bunkern (November 1940 bis Ende 1941), begann das größte Bauprojekt der Menschheitsgeschichte und auch die damit verbundenen Probleme des chronischen Rohstoffmangels. Um dem Problem einigermassen Herr werden zu können, wurden vom Reichsluftfahrtministerium Richtlinien zum Betonverbrauch pro Schutzplatz erlassen.

Winkel & Co versuchte zunächst aus der neu entstandenen Bauwelle von Luftschutzanlagen Profit zu ziehen. So warb und berief sich die Firma Winkel & Co auf das Bezugsschreiben C (GB Luz 99/30/40) vom 23,11,1940, wonach die Bauart Winkel bevorzugt Verwendung finden sollte. Das Reichsluftfahrtministerium beendete jedoch plötzlich den weiteren Bau von Luftschutztürmen nach Bauart Winkel und entzog der Firma Winkel & Co sämtliche Bau- und Vertriebsgenehmigungen. Als Begründung wurde dem Unternehmen der viel zu hohe Betonverbrauch pro umbauten Schutzplatz genannt. In den Bestimmungen der Fassung von November 1940 wurde ein Betonbedarf von ca. 3m³ pro zu schützenden Kopf festgelegt. Alle Arten von Bunkern, die einen höheren Betonbedarf aufwiesen wurden verboten.


 

Dieser Beschluss bedeutete das faktische Aus für alle Arten von Winkeltürmen, da keine der Versionen die vorgeschriebenen 2,92m³ Beton pro Schutzplatz ereichte, bzw. unterschritt. Der Bedarf an Beton lag bei manchen Typen zum Teil fast doppelt so hoch. Erst durch bauvorschriftliche Änderungen während der zweiten Bauwelle von Bunkeranlagen für den Zivilschutz, kam die Firma Winkel & Co wieder zurück ins Spiel. Im Zuge der zweiten Bauwelle reagierte das Oberkommando des Reichsluftfahrtministeriums auf die immer stärker werdenen Bomben der Alliierten, indem die Abschlussdecken und Wandstärken von Bunkern deutlich erhöht wurden. So erlangte die Firma Winkel & Co die Vertriebsgenehmigung der vierten Version (1D) zurück, da die benötigte Betonmenge von ca. 3,50m³ pro Schutzplatz, die neue Höchstgrenze nicht überschritt. Diese Winkelturmausführung sollte jedoch nur dann Verwendung finden, wenn aus Platzgründen keine Alternative bestand, da das innere Sitzstufenkonzept für „Mutter und Kind“ keine optimale Lösung darstellte.

Insgesamt wurden ca. 200 Winkeltürme der verschiedenen Bauarten und Typen im Reichsgebiet errichtet. Der größte Teil ist in der Nachkriegszeit gesprengt bzw. dem Abriss zum Opfer gefallen. Die nicht genau betitelte Zahl an noch vorhandenen Türmen dieser Bauart beläuft sich auf geschätzte 70-80 Exemplare. Oder weniger....


 Tschüss, bis zum nächsten mal...

So jetzt kommt das alte, und hoffentlich bekannte Lied!!!
Untertage-Übertage distanziert sich ausdrücklich vom Rechtsradikalismus in jeder Form. Uns geht es in unseren Berichterstattungen hauptsächlich um die Aufbereitung der Geschichte in hoher Qualität, und nicht um irgendeine Form der Kriegsverherrlichung !!!


Infos

Waffen-Arsenal Band 175, Die Luftschutztürme der Bauart Winkel in Deutschland 1936 bis heute, Michael Födrowitz, ISBN 3-7909-0632-8 (der Klassiker)
Luftschutztürme und ihre Bauarten 1934-1945, Michael Födrowitz, ISBN 3-89555-096-5
DAWA Nachrichten 52, Uwe Kopp, ISBN 978-3-931032-52-4 (sehr guter Bericht)
Besuch des Kölner Festungsmuseum Außenstelle Winkelturm
Neusser Landstraße 2, - 50735 Köln-Niehl (ein Muss für jeden Interessierten)
Stadtarchive: Duisburg, Solingen, Wuppertal

Rechte

Vor Ort an verschiedenen Winkeltürmen - Altbergbau, Björn, Elke, Markus, Micha, Olly, Schlufine
Fotos - Altbergbau, Björn, Markus, Micha, Olly, Schlufine,
Text - Björn
Handgezeichnete Bunkerrisse 1 : 100 - Björn
PC Riss Bearbeitung - Micha
Online gestellt - Björn, Markus, Olly

Solltet Ihr Besitzer oder Mieter eines Winkelturms sein, würden wir uns sehr über eine Einladung zur Besichtigung freuen.
Wenn Ihr uns sucht, wisst ihr ja, wo ihr mich findet.
Glück auf…..Bergmann…………..


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