Altbergbau in Ibbenbüren - die Steinkohlenzeche "Von der Heydt"


Hömma...

Der Kalender zeigte den dritten April des Jahres 2009, als Bergmann und Eismann (der ich bin) von dem Ruf der Berge des Wiehengebirges nach draußen gelockt wurden. Strahlender Sonnenschein und T-Shirt-Wetter veranlassten uns einen kleinen Spaziergang durch Klein-Stollenhausen zu unternehmen. Die frische Luft auf dem Schafberg und der Bergbaurundweg 4 erschienen uns als best geeignetes Mittel um die Knautschzonen, welche das 3.Wahl-Konzert am Vortag in unsere Gesichter gezaubert hatte, wieder auszubügeln. Den Bergbaurundweg 4 in Ibbenbüren sind wir zwar abgelaufen, aber dazu gibt es demnächst noch einen eigenen Bericht - wie zu den anderen drei Bergbaurundwanderwegen auch. Nun ja, wie es ja schon in der Überschrift steht, stellen wir euch in diesem Bericht den ehemaligen Von-der-Heydt-Schacht in Ibbenbüren vor. Die Fotos, die diesen Bericht zieren stammen von uns beiden. Der Text ist von mir. Genug geschwafelt, jetzt geht`s los mit der Geschichte von der Zeche "Von der Heydt" im Ibbenbürener Ostfeld. Glückauf, euer Untertage-Übertage-Team NRW. ©2009 - Dank und Gruß an Hans Röhrs...

 Bergmann und Grubenhund "Kira" vor der Bergbaurundweg-Karte

Namensgeber von dem Schacht war der damalige Staatsminister und Minister für Gewerbe und Handel: Von der Heydt. Baubeginn war Mitte 1851. Die Schachtgebäude wurden, wie zu der Zeit üblich, aus Bruchsteinen errichtet. In den Schachtgebäuden der Zeche Von der Heydt waren die Fördermaschinen, die Steigerstube, die Maschinenwärterwohnung sowie eine Fahrkleiderkammer untergebracht. In einem Anbau war das Kesselhaus untergebracht. Neben dem Kesselhaus befand sich der 28 Meter hohe, aus Ziegelsteinen gemauerte Schornstein der Steinkohlenzeche. In dem nördlichen Teil des Gebäudekomplexes befand sich das Kommissionszimmer. Im westlichen Teil, am Giegel befand sich eine Uhr und auf dem Dach des Gebäudes war die Schichtglocke der Bergmänner. Nördlich von dem Hauptgebäude waren die Ställe für die Grubenpferde errichtet.

Die Schachtgebäude sind heute leider nicht mehr komplett vorhanden. Weiter unten im Tal, westlich vom Schachtgebäude befindet sich das ehemalige Zechenhaus des Von der Heydt-Schachts. In dem Zechenhaus waren einst die Schmiede, die Kaue, die Steigerwohnung, die Materialienkammer und das Geldempfangslokal untergebracht. Das Zechenhaus ist heute noch vorhanden und wird als Wohnhaus genutzt. Maurermeister Heinrich Bruno Ölde war für den Bau aller Gebäude der Zeche Von der Heydt verantwortlich. Neben den imposanten Sandsteingebäuden gab es ferner noch drei Sammelteiche zur Aufnahme des Kesselspeisewassers und eine Berghalde für den Abraum der Zeche. Die Halde ist heute auch noch zu erkennen.

passender Straßenname

Die Abteufarbeiten des Schachts "Von der Heydt" gingen zunächst sehr schleppend voran. Immer wieder auftretende Wassereinbrüche erschwerten die Arbeiten. Je tiefer der Schacht wurde, desto stärker wurde auch der störende Wasserzufluss. Irgendwann reichten die herkömmlichen Mittel zur Wasserhaltung (Handpumpen usw.) nicht mehr aus, so daß die Zeche Laura in Minden hilfestellung geben sollte. Man lieh sich im Jahre 1854 von der Zeche Laura eine Abteufpumpe, so daß die Schachtteufe weiter problemlos von statten gehen konnte. Eine 16 PS starke Doppel-Förder- Maschine von der Firma "Prinz-Rudolf-Hütte" aus Dülmen trieb die Pumpe an, welche die Wassermassen bis auf die angeschlagene Stollensohle des Bockradener Stollens anhieb, so daß das Grubenwasser durch den Wasserlösestollen abfließen konnte. Doch mit zunehmender Teufe wurde auch bald die Abteufpumpe der Zeche Laura zu schwach, so daß die Arbeiten kurzzeitig zum erliegen kamen. In der Auszeit wurde eine neue, dampfgetriebene Hochdruck-Wasserhaltungsmaschine auf der Schachtanlage erbaut. Diese trat ihren Dienst am 18.Januar 1856 an. Zeitgleich zum Abteufen des Hauptschachts wurde auch ein tonnlägiger Schacht bis auf das Steinkohlenflöz "Glücksburg" niedergebracht. Dieser war nötig, da es am Hauptschacht der Zeche "Von der Heydt" immernoch Probleme mit der Wasserhaltung gab, man aber möglichst schnell mit der Kohlenförderung beginnen wollte.

Zur Kohlenförderung durch den tonnlägigen Schacht wurde eine 10 PS starke Dampffördermaschine an der
Tagesöffnung istalliert. Diese stammte auch von der Prinz-Rudolf-Hütte in Dülmen. Die vorläufige Steinkohlenförderung wurde am 20.Februar 1856 aufgenommen. Der tonnlägige Schacht wurde gut vier Jahre lang zur Förderung genutzt, ehe er im Jahre 1869 wieder stillgelegt wurde. Die Fördermaschine wurde demontiert und fand daraufhin am Von-Oeynhausen-Schacht auf dem Schafberg erneute verwendung. Die einfallende Strecke des tonnlägigen Hilfschachts wurde unter Tage weiter bis auf die erste Tiefbausohle des Von-Oeynhausen-Schachts vorgetrieben und diente noch lange Zeit als Fahrschacht der Kumpel der Zeche Oeynhausen. Da auch die Grubenpferde der Steinkohlenzeche "Von Oeynhausen" durch den Schacht ein- und ausfuhren, wurde der Hilfsschacht "Pferdestrecke" genannt. Die Pferdestrecke wurde noch viele Jahre befahren, zuletzt als Pachtgrube, ehe der Schacht im Jahre 1923 aufgegeben und verfüllt wurde. Ebenso das alte Maschinenhaus wurde abgrissen, so daß heute keinerlei Zeugnisse von dem Hilfsschacht der Grube Von der Heydt mehr vorhanden sind. Doch nun wieder zum Hauptschacht:

Das Zechenhaus

Der Von-der-Heydt-Schacht nahm die Kohlenförderung am 21.Oktober des Jahres 1857 auf. Im darauffolgenden Jahr wurde ein Wetterschacht auf dem östlichen Grubenfeld der Zeche Heydt abgeteuft. (Ein weiterer Wetterschacht folgte im Jahr 1864) Als der Dickenberger Tiefenstollen 1861 den Von der Heydt Schacht erreichte, war auch die Ableitung der Grubenwässer gewährleistet. Geplant war, den Dickenberger Tiefenstollen noch bis zur Zeche Schafberg weiter vorzutreiben. Doch der Plan wurde wieder verworfen, so daß der Wasserlösestollen seine Endlänge von 7,5 Kilometern bis zum Stollenmundloch erreicht hatte. (siehe auch: Dickenberger Tiefenstollen) Im westlichem Querschlag wurde eine untertägige Maschinenkammer mit hydraulischer Pumpenvorrichtung zur Wasserhaltung installiert. Der Von der Heydt Schacht hatte im Jahre 1871 eine Teufe von 34 Lachtern. Die Abbausohle befand sich zunächst im Steinkohlenflöz "Bentingsbank", wurdeaber in der Folgezeit bis zur östlichen Verwerfung im Rochusberg erweitert. Im Jahre 1874 wurde der Schacht weiter abgeteuft. Bei einer Teufe von 47 Lachtern wurde ein Querschlag in nördlicher Richtung aufgefahren.

Schachtgebäude

Dieser erreichte erneut das im Norden tiefer liegende Steinkohleflöz Bentingsban in einer Teufe von 51 Lachtern. Die geförderte Steinkohle wurde mit einer Kohlenbahn zum Bahnhof Ibbenbüren transportiert. Da das Gelände stark abfiel, wurde das Bremsberg-Verfahren zum Landabsatz gewählt. Die Kohlenbahnstrecke endete direkt neben dem Mundloch des Ibbenbürener Förderstollens, am Kohleumschlagplatz neben dem Hauptbahnhof in Ibbenbüren. Nach und nach wurden die Grubenbaue der Zechen "Von der Heydt" und "Von Oeynhausen" unter Tage durchschlägig, so daß man von einem Tieferteufen des Von-der-Heydt-Schachts absah und alle unterirdischen Strecken und Flöze nur noch durch den Oeynhausen-Schacht anfuhr. Deshalb wurde das Steinkohlenbergwerk "Von-der-Heydt" in Ibbenbüren auch im Jahre 1885 wieder stillgelegt. Der größte Teil der Tagesanlagen wurde abgerissen. Die noch erhalten gebliebenen Gebäude, wie zum Beispiel das Zechenhaus, werden heute als Wohnhaus genutzt und sind Teil des geschichtlichen Bergbau-Rundwegs Nummer 4 und können von außen besichtigt werden...

Zeche Von der Heydt in Ibbenbüren