Altbergbau in Witten – Zeche Turteltaube 

Folgt man dem wunderbaren bergbaugeschichtlichen Rundwanderweg im Muttental, begegnet man zwangsläufig auch den Überresten der ehemaligen Stollenzeche Turteltaube. Das Stollenmundloch der Zeche Turteltaube befindet sich etwa 120 Meter nordwestlich des Bethauses im Muttental, direkt am Muttenbach. (Link zum Bethaus) Als Station Nummer 4 des Bergbaurundweges wurde 2006 das Stollenmundloch der Zeche Turteltaube vom Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. wieder hergestellt und präsentiert sich heute dem Besucher in liebevoller Aufmachung, komplett in Sandstein gefasst, mit Türstock und Schlägel und Eisen über dem Stollenmund. Ein verzinktes Tor schützt heutzutage die untertägigen Räumlichkeiten. Zuvor war das originale Stollenmundloch der Zeche Turteltaube verfallen. Nur ein Betonrohr führte bis 2005 durch den eingefallenen Hang in die Zeche, da sie immer noch eine wichtige Funktion zur Bewetterung der unterirdischen Grubenbaue des Muttentals übernahm. Auch heute ist noch ein deutlicher Wetterzug zu vernehmen, wenn man sich vor das Stollenmundloch postiert.

 Stollenmundloch der Zeche Turteltaube

Das Grubenfeld der Zeche Turteltaube wurde im Jahre 1731 durch das preußische Bergamt verliehen. Nachdem der 355 lange Förderstollen Turteltaube durch das Gebirge getrieben wurde, konnte das Flöz Mausegatt abgebaut werden. Das Flöz Mausegatt war ein 1,40 Meter mächtiges Steinkohlenflöz im Muttental. Vom Stollenmundloch aus wurde 1972 ein mit Brettern ausgelegter Schiebeweg bis hin zur Kohlenniederlage an der Ruhr angelegt. Der Schiebeweg für die Karrenläufer war etwa einen Kilometer lang. Von der Steinkohlenniederlage nahe der Burg Hardenstein an der Ruhr wurden die Kohlen mittels Ruhraaken in Richtung Duisburg-Ruhrort verschifft. Im Jahre 1811 waren 5 Bergleute auf der Kleinzeche Turteltaube beschäftigt. Diese förderten rund 600 Tonnen Steinkohle zu Tage. Ab dem Jahre 1817 wurde das kleine Bergwerk über den östlichen Tagetrieb Frielinghaus durch den 13 Meter unterhalb der Abbausohle verlaufenden Sankt Johannes Erbstollen, dem zentralen Wasserlösestollen des Bergreviers Muttental, entwässert. Danach, im Jahre 1829 wurde mit dem Bau der Muttentalbahn begonnen. Neben anderen Kohlenzechen beteiligte sich auch die Grube Turteltaube an dem Bau der übertägigen Schmalspurbahn.

 Förderstollen der Zeche Turteltaube

Die Steinkohlenförderung der Zeche Turteltaube stieg nun stetig. 1830 wurden 2.500 Tonnen Steinkohle gefördert. Sieben Jahre später erreichte sie ihre höchste Fördermenge von gut 3.000 Tonnen des begehrten schwarzen Goldes. Der Bergbaubetrieb der Zeche Turteltaube bestand noch bis 1837, ehe sie wegen Erschöpfung der Kohlenvorräte schließen musste. Danach wurde die ehemalige Zeche Turteltaube noch um zwei Förderorte erweitert. (Turteltaube-Nordflügel und Turteltaube-Südflügel). Diese wurden allerdings nicht mehr durch den Förderstollen, sondern untertägig durch die beiden Tiefbauzechen Nachtigall und Louisenglück angefahren. Die letzten bergmännische Aktivitäten in dem Grubenfeld Turteltaube erfolgten im Jahre 1945, als letztmalig in Notzeiten die Steinkohlen im Nachleseverfahren aus den alten Stollen gefördert wurden.

Auf dem oberen Bild ist schön zu sehen, wie der Karrenläufer die Steinkohle über den mit Brettern ausgelegten Schiebeweg transportiert.

© stollenolly // untertage-übertage, 2010