Untertage-Verlagerung in Wuppertal: Deckname "Trusche"

Glückauf zusammen! Das ihr diesen Bericht hier lesen könnt, verdankt ihr nur einem Zufall, welcher uns wiederfahren war. Denn die Untertage-Verlagerung "Trusche" hat echt beschissene Öffnungszeiten. Wir waren halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und das kommt sehr selten vor. Im Spätsommer 2007 wollten Schlufine und Ich die ersten Pilze des Jahres sammeln. Deshalb machten wir uns auf den Weg in die waldreichen Hügel im Wuppertaler Süden. Doch zum Pilze sammeln kamen wir an diesem warmen Spätsommertag nicht mehr. Wir entdeckten ein frisch aufgewältigtes Stollenmundloch. Schlufine wurde sogleich zur Sicherung des Mundlochs abgestellt, während ich im Laufschritt (schnellste Gangart) zurück nach Hause geflogen bin. Nachdem ich mein Körbchen und das Taschenmesser gegen Friwos, Helme, Stativ und andere Befahrerutensilien eingetauscht hatte, legte ich die gut drei Kilometer lange Strecke in gefühlten 10 Minuten zurück um endlich wieder unseren Untertage-Hobby fröhnen zu können. Zunächst gingen wir von einem der zahlreichen Luftschutzstollen in Wuppertal aus. Doch schon nach wenigen Metern unter Tage kam mir der geräumige Stollen doch sehr verdächtig vor. Ein LS-Stollen war es schon, nur nicht für die Zivilbevölkerung. Mein geschulter (U-Verlagerungs-) Blick und die betonierten Einbauten verrieten mir:
Hier wurde gearbeitet!

Zumal die Lage, beziehungsweise die Adresse des Stollens genau mit dem Standort übereinstimmte, in dem sich die U-Verlagerung mit dem Decknamen "Trusche" befinden sollte. Nach dieser ersten Befahrung der Stollenanlage wurde sofort telefoniert und eine zweite intensivere Befahrung, diesmal am darauf folgenden Wochenende und später am Abend, zusammen mit Bergmann und Elke geplant und natürlich auch durchgeführt. Die Zeit drängte, denn man weiß in Wuppertal nie, wie lange ein offenes Stollenmundloch unentdeckt bleibt. Und auf Bergmann kann man sich verlassen - pünktlich wie die Maurer stand er am Befahrungstermin auf meiner Schlägel & Eisen-Fußmatte. Bei unserer erneuten Befahrung der U-Verlagerung "Trusche" wurde auf das kleinste Detail geachtet, die Stollenanlage vermessen und einige neue Fotos geschossen. Und wie es der Zufall so wollte, direkt in der darauf folgenden Woche wurde der Eingang in die Unterwelt wieder zugemauert. An diesem Zustand hat sich bis Heute nichts verändert. Spätere Recherchen ergaben, dass wir nur ein Viertel der Untertage-Verlagerung "Trusche" befahren hatten, aber das war schon mehr, als andere Stollengänger jemals von dem Rüstungsstollen zu Gesicht bekommen werden. Der Stollengott (oder war es die heilige Barbara?) war uns also gnädig. So, viel Spass nun mit dem Bericht über die U-Verlagerung "Trusche" in Wuppertal...

Deckname "Trusche" - Unterirdische Rüstungsproduktion in Wuppertal

 Männer wie wir - Wicküler Bier...

...prangerte es einst auf vielen Plakaten, Autos, Bussen, Litfassäulen, Schwebebahnen und anderen Werbeträgern. Doch das bekannteste Bier aus Wuppertal ist heute Geschichte, genauso wie die Brauereien. Das herbe Bier gibt es zwar noch, aber heutzutage wird es von der DAB-Brauerei in Dortmund gebraut. Gegründet wurde der spätere Brauereikonzern im Jahre 1845 von Franz Ferdinand Joseph Wicküler als kleine Hausbrauerei in Elberfeld. Das Unternehmen etwickelte sich in den Folgejahren zur führenden Brauerei im gesamten Bergischen Land. Seit 1996 werden nur noch zwei Biersorten als Discount-Produkt in der Dortmunder Aktien Brauerei gebraut. Aus der ehemaligen Haupt-Brauerei in Wuppertal-Elberfeld ist mittlerweile ein Einkaufszentrum, der Wiküler-Park, geworden. Wenigstens wurden die alten Brauereigebäude nicht abgerissen, sondern mit in das Einkaufszentrum integriert. Der Brauereikonzern Wicküler hatte mehrere Aussenstellen, Bierkeller und Lager im gesamten Wuppertaler Stadtgebiet. Eine davon befand sich an der Ronsdorfer Straße in Wuppertal-Elberfeld. Dort wurde etwa Mitte des Kriegsjahres 1944 ein Arbeitslager errichtet. Und diese Zwangsarbeiter waren es auch, die zum Stollenneubau und Stollenausbau zur Untertage-Verlagerung eingesetzt wurden.

Man kann dieses kleine Arbeitslager nicht mit den großen Zwangsarbeiterlagern oder wohlmöglich mit einem Konzentrationslager vergleichen. Die dort lebenden Ostarbeiter, 180 an der Zahl, wurden verhältnissmäßig gut behandelt. Die U-Verlagerung "Trusche" ist wie so viele untertägigen Rüstungsanlagen auch, nicht komplett fertig gestellt worden. Trotzdem wurde in den Stollen schon produziert. Das Verlagerungsprojekt "Trusche" sollte aus vier parallel verlaufenden Stollen (Produktionskammern), welche mit einem großen Querstollen verbunden werden sollten, bestehen. Ein weiterer Durchhieb sollte der Wetterführung dienen. Die vier Stollen wurden weitesgehend voran getrieben, beziehungsweise ausgebaut, jedoch zum Verbindungsbau kam es aus zeitlichen Gründen nicht mehr. Zum einen wurden zwei bestehende Felsenkeller oder Eiskeller der Brauerei erheblich ausgebaut und zwei neue Stollenvortriebe in den Berg aufgefahren. Alle vier Pilotstollen gibt es zwar noch, doch zwei der Stollenmundlöcher wurden im Zuge von Baumaßnahmen im Jahre 2009 beseitigt, einer der Stollen ist mit einer Eisentür verschlossen und unserer besagter Stollen ist wieder durch eine Mauer im Eingangsbereich unbefahrbar geworden. Kein Fledermausschutz, keine Befahrungsmöglichkeit mehr. Aus den Augen, aus dem Sinn...

 Stollen in Wuppertal-Elberfeld

Nachdem der durch die örtlichen Behörden eingereichte Verlagerungsbescheid von der Bauleitung der OT-Einsatzgruppe III (Organisation Todt - Einsatzgruppe Hansa mit Sitz in Essen) abgesegnet und bewilligt wurde, begann man im September 1944 mit dem Ausbau und Umbau der Trusche-Stollen in Wuppertal-Elberfeld. Laufende Nummer der U-Verlagerung Trusche war die Nummer 1081. Die eigentliche Baunummer der OT-Anlage lautete 362, vergeben von der Rüstungsinspektion VI, welche für Westfalen und das nördliche Rheinland zuständig war. Da eine gute infrastrukturelle Anbindung an die Hauptstraße gegeben, und die energietechnische Versorgung zwischen der Wicküler-Brauerei und der Stollenbaustelle durch den kurzzeitigen Bau einer Oberleitung gegeben war, konnte schon nach sehr kurzer Zeit mit dem Stollenbau begonnen werden. Die allgemeinen Kosten zur untertägigen Verlagerung wie Planung, Transport, Abbau und Wiederaufbau der Maschinen wurden wie bei (fast) allen Untertage-Verlagerungen vom Deutschen Reich übernommen. (Sofern der Verlagerungsbescheid vorlag) Der komplette Eingangsbereich der Stollen wurde mit Beton gegen Hangrutsch ausgekleidet und diverse Einbauten zur Materiallagerung ausgestattet. Die Sohle im Stollen wurde zum Teil betoniert oder mit Pflastersteinen und Steinplatten kunstvoll ausgelegt. Der Stollen steht zum größten Teil im standfesten Gebirge, bestehend aus festem Plattensandstein.

Dort wo Störungszonen vorhanden sind, wurde der Produktionsstollen zusätzlich im Halbtonnengewölbe mit roten Klinkern gegen Verbruch ausgebaut. Da die Stollenstrecke im Berg leicht ansteigend aufgefahren wurde, war eine natürliche Entwässerung durch eine Mini-Rösche gegeben. Durch den Notwetterschacht an der Ortsbrust war eine natürliche Luftzirkulation in dem Stollen gegeben. Der Wetterschacht war lediglich ein Behelf, damit die Produktion rasch beginnen konnte. Das originale Wetteraustauschsystem kam demnach nie zum Einbau im Stollen, da die Anlage nie fertiggestellt wurde. Der eigentliche Produktionsbereich der Untertage-Verlagerung "Trusche" hatte eine bombensichere Überdeckung von 40 Metern festen Felsgestein. Also zehn Meter mehr, als vorgeschrieben. Im Inneren der Produktionsstätte wurde die Firste mit einem Tropfwasserschutz, bestehend aus Wellblechplatten, abgehangen. Die Haken zur Aufhängung sind heute noch vorhanden. Auch die Isolatoren der Starkstromleitungen unter der Stollenfirste sind noch zu sehen. Am Stollenort, der Ortsbrust, zeugen noch die Bohrlöcher im Felsen davon, dass die Anlage "Trusche" nicht fertig gestellt wurde. So und jetzt folgt die genau Beschreibung des Rüstungsstollens "Trusche" 1/4, so wie wir ihn vorgefunden haben:

 Untertage-Verlagerung "Trusche"

Eine kleine heute ungenutzte Straße führt zum Stollenmundloch der U-Verlagerung "Trusche 1". Befährt man die Anlage, befindet man sich zunächst in dem "kleinen" Eingangsstollen. Dieser im Halbtonnengewölbe ausgekleidete Zugang hat eine Breite von 2,20 Metern und eine Höhe von 2,30 Metern. Nach 2,50 Metern vergrößert sich das Stollenprofil auf 3,00 Metern Breite und 2,50 Metern in der Höhe. Dieser exakt 10 Meter lange Teil der U-Verlagerung ist ebenfalls im Halbtonnengewölbe ausgemauert und anschließend verputzt worden. Das Deckgebirge hat hier eine Mächtigkeit von 5 - 10 Metern. Danach steigt das oberirdische Gelände steil an, so dass in dem nächsten Bereich unserer U-Verlagerung, dem Lagerstollen, eine Bombensicherheit durch das hier etwa 30 - 40 Meter starkes Deckgebirge gegeben ist. Der 13,50 Meter lange Lagerbereich der Stollenanlage "Trusche" besitzt ebenfalls eine Firstenhöhe von 2,50 Metern. Das Materiallager der unterirdischen Fabrikationsanlage hat eine Breite von 5,20 Metern und ist in Rundbogenform errichtet. Der Stollen ist hier komplett mit Beton ausgekleidet worden.

Am rechten Stoß befinden sich einige abgemauerte Nischen. Jede Nische hat eine Breite von 1, 06 Metern, eine Tiefe von 1,53 Metern und eine Höhe von 1,60 Metern, wobei die Zwischenwandstärke jeweils 25 Zentimeter beträgt. Neben den kleinen Kammern befinden sich noch zwei Betonwannen mit den Maßen 1,20 x 2,10 Metern und einer Tiefe von 50 Zentimetern in dem unterirdischen Lagerraum. Eine in die Stollenstrecke hineinreichende Mauer an beiden Stößen bildet die Grenze zwischen dem Materiallager und dem eigentlichen Produktionsstollen der Untertage-Verlagerung. Die Mauer hat eine Stärke von 86 Zentimetern. Hinter der Mauer führt der Stollen weitestgehend ohne Ausbau, also im standfesten Gebirge, in den Berg hinein. Dabei macht er eine leichte S-Kurve. Der bombensichere Rüstungsstollen hat nun eine Breite von 6.00 Metern und eine Höhe von knapp 3,00 Metern, wobei sich das Maß anhand der ungleichmäßigen Stollenfirste nicht exakt ermitteln läßt. Die Sohle der Stollenstrecke ist im vorderen Bereich mit Kopfsteinpflastern und Sandsteinplatten belegt, im mittleren Bereich eben betoniert, und im hinteren Bereich nur leicht mit Sand und Geröll verdichtet worden.

Folgt man dem Stollenverlauf in Richtung Ortsbrust, stößt man am Ende der S-Kurve auf eine Gebirgsstörung. In diesem Teil der U-Verlagerung "Trusche" wurde der Stollen komplett mit Klinkern ausgebaut um ein Einbrechen des Hangenden zu vermeiden. Der geklinkerte Bereich des Stollens hat eine Länge von 13 Metern und eine Breite von 5,70 Metern. Der Rundbogen erreicht eine Scheitelhöhe von 2,80 Metern. Die letzten 20 Meter des Blindstollens stehen wieder im standfesten Gebirge. Hier hat der Stollen eine Breite von 6,70 Metern und eine vermittelte Höhe von 3,20 Metern. An der Ortsbrust zeuge die schon vorhandenen Bohrlöcher vom abrupten Ende des Stollenvortriebs. Ein ebenfalls mit roten Klinkern ausgekleideter Wetterschacht führt etwa zwei Meter vor der Ortsbrust nach oben. Der Wetterschacht wurde nachträglich vermauert. Auch oberhalb im Gelände konnten wir keinerlei Anzeichen auf die Tagesöffnung des Schachtes finden. Insgesamt macht der Trusche-Stollen einen soliden Eindruck. Keinerlei Firstenbruch oder andere Verbrüche waren auf der gesamten Stollenstrecke zu entdecken.

 Vermessung der Stollenanlage (Eismann) 

Saubere bergmännische Arbeit!

Unter der Firste sind noch die Haken zur Verankerung der runden Wellblechplatten zum Tropfwasserschutz zu sehen. Auch die Isolatoren samt einiger Kabelreste hängen noch unter der Firste. An beiden Seiten im Produktionsstollen befindet sich ein betonierter Sockel, oder besser gesagt eine Betonleiste, welche sich durch den kompletten Stollen zieht. Auf dieser befanden sich die Arbeitsgeräte wie Nähmaschinen der Arbeiter, beziehungsweise Arbeiterinnen. (So ganz ist uns der Sinn der Betonleisten noch nicht klar geworden. Da die Betonleisten eine Art Führungsschiene besitzt, könnte sie eventuell auch für eine fahrbare, verschiebbare Gestellkonstruktion zum Auf-, und Abwickeln der Seidenfäden für die Fallschirme gedient haben. Aber gab/gibt es sowas?) Während unserer Befahrung der U-Verlagerung "Trusche" fanden wir viele kleine Relikte aus der kurzen Epoche der unterirdischen Rüstungsproduktion in dem Wuppertaler Stollen. Neben Stoffresten, Knöpfen und Schnüre wurden auch einige rostige Werkzeuge und Reichspfennige entdeckt. Zu den kuriosisten Funden zählten einige Keramikkugeln, wofür die auch immer gut waren. (Jetzt seid ihr dran: Die Keramikkugeln haben einen Durchmesser von 2-3 Zentimetern und sind nicht ganz rund. Wir haben sie jetzt schon in einigen Stollen in Wuppertal gefunden. Wofür waren die Kugeln? Hat jemand ähnliche Funde gemacht? Infos bitte an uns, E-Mail-Adresse steht weiter unten. Danke...)

 Isolatoren samt Kabelresten unter der Firste

Die U-Verlagerung "Trusche" in Wuppertal, zumindest der von uns erkundetet Teil hatte eine Produktionsfläche von 600 m². Davon fallen 100 m² auf den Bereich "unteririsches Lager" und 500 m² auf den Produktionstollen. Wie groß die gesamte Untertage-Verlagerung werden sollte, oder wie groß der bereits fertig gestellte Teil der Anlage "Trusche" war, wird sich wohl erst exakt ermitteln lassen, wenn wir die restlichen drei Stollensysteme befahren und vermessen haben. Und das erweist sich wie oben schon beschrieben als sehr schwierig...

 Vermessungsarbeiten unter Tage

Firma J.P. Bemberg AG:

Das Wuppertal ein bedeutender Textilstandort war, ist hinreichend bekannt. Einer der größten Firmen befand sich zwischen Heckinghausen und Langerfeld direkt an der Wupper an der Öhder Straße. Fährt man heute in Richtung Beyenburg oder Ronsdorf, kann man schon von weitem den rot gekinkerten Schornstein mit der Aufschrift "J.P.Bemberg" erblicken. Im Jahre 1792 gründete der Kaufmann Johann Peter Bemberg aus Elberfeld, einem Teil des späteren Wuppertal, eine Garnfärberei. Der Ehemann seiner Enkelin Therese, Friedrich Platzhoff, gründete 1865 eine neue Fabrik in der Öhde, einem Ortsteil in Langerfeld. Das Unternehmen expandierte weiter, so wurden Fabriken in Barmen, Krefeld und Augsburg gegründet bzw. übernommen. Die Umwandlung zur Aktiengesellschaft unter der Firma „J. P. Bemberg AG“ erfolgte im Jahre 1903. Gegen 1900 wandte sich die Produktion vermehrt der Kunstseidenherstellung zu. Dies gipfelte in der Produktion von Kupfer-Kunstseide in den 1920er Jahren. Internationale Niederlassungen, unter anderem in Italien, Frankreich, Japan, im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten, erfolgten. Danach, im Jahre 1925 wurde die Aktienmehrheit von der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG übernommen.

Zu diesem Zeitpunkt waren rund 4.000 Mitarbeiter bei der Bemberg AG beschäftigt. Seit 1927 fokussierte sich das Unternehmen auf die Kunstseidenproduktion. Im Zweiten Weltkrieg überwog die Herstellung von Fallschirmseide. Am 13. März 1945 wurden bei einem Luftangriff 70% der Produktionsanlagen zerstört und die ausländischen Niederlassungen gingen verloren. 1946 erfolgte eine Neugründung mit ca. 300 Angestellten. Die Produktion florierte (Perlon, Nylon, Cuprophan, Bemberg-Lavabel), gegen 1969 waren wieder etwa 3.800 Angestellte beschäftigt. 1971 fusionierte Bemberg mit der Glanzstoff AG, das neue Unternehmen firmierte unter Enka Glanzstoff AG. Ein Teil der alten Gebäude sind heute immernoch vorhanden. Im Berghang, gegenüber der ehemaligen Firma Bemberg, befand sich der werkseigene Luftschutzstollen. Auch dort in der bombensicheren Großstollenanlage wurden kriegswichtige Güter produziert. Doch die unterirdische Waffenproduktion in Wuppertal soll hier nicht das Thema sein. Weiter gehts mit der untertägigen Produktion von Fallschirmen, Bändern und Rucksäcken.

 Elke untertage in Wuppertal 

In unserem Teilbereich der U-Verlagerung "Trusche" wurden zwischen Ende November / Anfang Dezember 1944 und März 1945 Fallschirme, Fallschirmbänder, Fallschirmschnüre sowie Rucksäcke und Taschen für die Soldaten der Wehrmacht hergestellt, beziehungsweise zusammen genäht. Die Stoffteile der Taschen und Rucksäcke wurden in verschiedenen Produktionsabschnitten, ähnlich wie am Fließband hergestellt und zum Schluss zum fertigen Produkt zusammengenäht. Der Stollenvortrieb wurde in reiner Handarbeit, dass heißt bohren, sprengen, Ausbruch verladen und abtransportieren, bewerkstelligt. Der Abraum wurde oberhalb und neben die Stollenmundlöcher gekippt. Noch heute sind im Gelände die ehemaligen kleinen Halden auszumachen. Neben Neuzeitmüll findet man auf den Halden noch hier und dort die Reste von entsorgten und kaputt gegangenen Arbeitsgeräten sowie etwas Metallschrott. Getarnt war die Baustelle mitsamt der Abraumhalden durch natürlichen Baumbewuchs. Erwähnen sollte man noch, dass die vorgeschriebene Stollenvortriebsgeschwindigkeit von 2 Meter pro Tag wegen dem relativ harten Sandstein oft nicht erreicht wurde. Die Ostarbeiter mussten täglich die gesamte Strecke zwischen Lager und Stollenbaustelle zu Fuß zurücklegen.

 Schlufine (WUT) im Truschestollen

Eine Besonderheit der kleinen U-Verlagerung in Wuppertal war, dass im unterirdischen Produktionsbereich keine Zwangsarbeiter oder Häftlinge eingesetzt wurden. Die gesamte Belegschaft im Produktionsstollen bestand aus deutschen (Fach-) Arbeitern, beziehungsweise überwiegend aus Arbeiterinnen. Die Frauen stammten allesamt aus dem Stammwerk in Wuppertal-Langerfeld. Dementsprechend gab es auch keine Aufseher, lediglich vor dem Stollenmundloch war eine kleine Wachmannschaft positioniert, welche auf die U-Verlagerung in Elberfeld aufpasste. Der Transport der Materialien wurde von werkseigenen Fahrern mittels Lastkraftwagen zwischen dem Hauptwerk Bemberg, dem Bahnhof und dem Ausweichwerk Trusche bewerkstelligt. Die fertigen Untertage-Produkte wurden zunächst zum Bahnhof Wuppertal-Elberfeld gebracht, von wo aus sie weiter zum örtlichen Bekleidungsamt und/oder zur Front bzw. zum jeweiligen Einsatzort mit der Reichsbahn transportiert wurden. Später, ab Januar 1945 wurde der Bahnverkehr zu gefährlich, einige Stecken im Reichsgebiet waren durch die stetigen Bombenangriffe unpassierbar geworden, so dass die Güter direkt mit dem LKW zum Einsatzort gebracht wurden. In dem Truschestollen wurde alles mit einem Handkarren transportiert.

 Versorgungsschacht...

In der U-Verlagerung "Trusche" gab es auch keine parallelen Vortriebsarbeiten während der Produktionsphase. Umgekehrt auch nicht. In dem letzten Kriegsmonat (März-April 1945) wurde die Anlage "Trusche" zusätlich von Luftschutzsuchenden aufgesucht. Sie fugierte also auch als Luftschutzstollen für die Wuppertaler Bürger. Eine echte Seltenheit in sonst schwer bewachten und vor allem geheimen Untertage-Verlagerungen. Kurz vor Kriegsende wurde die U-Verlagerung wieder geräumt. Da das Werksgelände der Bemberg AG ja nun größtenteils zerstört war und einem Trümmerhaufen glich, viel dieses Areal zur Materiallagerung aus. Die Maschinen und Geräte wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Die Eingänge wurden vermauert, so dass selbst den Allierten diese kleine unterirdische Produktionstelle verborgen blieb. Theoretisch wusten sie zwar von der Anlage "Trusche", doch der genaue Standort blieb ihnen geheim. Und an diesem Zustand hat sich bis heute nicht viel geändert. Die U-Verlagerung Trusche in Elberfeld war bis auf wenige Ausnahmen für niemand mehr zugänglich. Wir hatten halt Glück (-auf). Heute ist der Stollen wieder fest verschlossen, selbst die Fledermäuse haben keinen Zugang - schade eigentlich. Zum Schutz der kleinen Untertage-Verlagerung gibt es auch in diesem Bericht keine Außenaufnahmen vom Stollenmundloch. Ebenso der genaue Standort der U-Verlagerung "Trusche" wird nicht (an Jedermann) verraten, woll?

 Stollenausbau der U-Verlagerung "Trusche"

Falls jemand noch Fragen hat, oder uns weitere Informationen zukommen lassen will, dann wendet euch bitte an: eismann@stollenhausen.de - In diesem Sinne: Glückauf und bis bald... 

© untertage-übertage.de

Recherche und Text: Eismann
Exkursion und Befahrung: Bergmann, Elke, Eismann und Schlufine
Fotos und Beleuchtung: Bergmann und Eismann (auch auf anderen Seiten...)
Wichtig: Layout und Onlinestellung: Bergeismann / Eisbergmann
Auch noch wichtig: Schwelmer Bernstein, Cola und viel Kaffee...
Die Vermessung wurde an irgendeinem Juli-Tag in Stollenhausen durchgeführt.

Danke an alle Beteiligten...

 Laufspur für behelfsmäßige Webstühle

PS: Wenn jemand alte Fotos aus den Trusche-Stollen besitzt, sind wir sehr an Diesen interessiert - vielen Dank...

PPS: Deckname Trusche:

Da mir der Begriff "Trusche" zunächst völlig fremd war, gab ich den Begriff zunächst in eine Suchmaschine ein und schnell festigte sich meine Vermutung: Die Trusche ist ein Fisch. Ein befreundeter Angler betätigte mein frisch angeeignetes neues Wissen. Aha, dachte ich mir - aber folgt man dem Deckname-Vergabeschema, handelt es sich hierbei um eine Stollenanlage aus dem Bergbau. Und mit Bergbau hat die U-Verlagerung Trusche ja nun garnichts am Hut. Nun gut, streng genommen sind fast alle Stollen bergmännisch aufgefahren und abgebaut wurde in diesem Fall allerdings nur der Ausbruch, aber kein gewinnbringende Mineralien oder Bodenschätze. Egal, vor allem hier in Wuppertal stimmen so manche Decknamen von U-Verlagerungen nicht mit dem Vergabeschema überein. Meine zweite Überlegung war, dass es sich bei dem Namen "Trusche" eventuell um einen Frauennamen, also einem Eiskeller, handeln könnte. Das dürfte zumindest teilweise passen. Aber Fehlanzeige, diesbezüglich spuckt die Suchmaschine keinerlei verwertbare Informationen aus. Lange Rede - kurzer Sinn: Ähnlich wie die U-Verlagerung "Makrele" in Halberstadt, oder "Sardelle", ebenfalls in Wuppertal, erhielt der Felsenkeller / Stollenneubau in Stollenhausen-Elberfeld eben einen "falschen" Decknamen. Das wollte ich nur noch kurz loswerden. Glückauf, bis zur U-Verlagerung "Trusche" Teil zwei...  den es leider nicht mehr geben wird.

Nachtrag, Dezember 2012: Die Stollenmundlöcher der U-Verlagerung Trusche wurden bei Umbaumaßnahmen von einem bekannten Discounter vollkommen beseitigt und leider für immer zugeschoben. U-Verlagerung Trusche in Elberfeld wird ab jetzt für immer verschlossen und unbefahrbar sein...

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