Die Burgbastion Tecklenburg...

Mittelalterliche Wehrbefestigung im Tecklenburger Land

Und wieder einmal entführen wir euch unter die Erdoberfläche von NRW. Soweit nichts Ungewöhnliches auf „untertage-übertage.de“, doch dieses mal bildet eine mittelalterliche Wehrbefestigung das Debüt auf unserer Seite. Starten wir unsere Exkursion geografisch. Die Stadt Tecklenburg liegt etwa 10 Kilometer süd-östlich von Ibbenbüren im Naturpark des Teutoburger Waldes. Auf dem 174 Meter hohem Burgberg in mitten des historischen Stadtkerns befinden sich die Überreste der Tecklenburg. Regional bekannt und mit Sicherheit erwähnenswert an dieser Stelle ist die Freilichtbühne im Zentrum des mittelalterlichen Bollwerks. Für Besucher des beschaulichen Luftkurortes Tecklenburg wurde eigens ein Rundwanderweg, der sogenannte Hexenpfad (weiße Hexe auf grünem Untergrund), entlang der Sehenswürdigkeiten angelegt. Auf dieser Route sind viele interessante Sachen wie zum Beispiel Höhlen, Ruinen usw. zu entdecken und es gibt immer wieder Stellen mit hervorragender Aussicht aufs Münsterland (im Süden) oder rüber zum Wiehengebirge (im Norden). 

    

Bismarckturm                                                                                                                Burgmauer der Tecklenburg

     

Burgruine                                                                                                                        Zugangsstollen zur ca. 15 Meter tieferliegenden Bastion

Kommen wir nun zu dem (für mich – und ich hoffe für euch auch) interessantesten Teil der Burg. Namensgeber der Festung und somit auch der heutigen Stadt war das Grafenhaus von Tecklen-Burg. Die gut 900-jährige Burggeschichte ist geprägt von zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen und dem damit verbundenen Umbaumaßnahmen an der Wehrsubstanz. Da es hier, speziell um die unterirdisch liegende Bastion geht, spulen wir die Geschichte etwas vor. Im 16. Jahrhundert kam es zu einer erheblichen Verstärkung der Wehrbefestigungen entlang der Burg. Aus historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass mit Aggressionen seitens der Spanier gerechnet wurde. Während dieser Umbauarbeiten entstand an der Tecklenburg ein vorgelagertes Festungswerk, die sogenannte Bastion. Sie erhielt ihre taktische Position am nord-östlichem Fuße der Burgbefestigung. Das kreisförmig angelegte Bauwerk war mit vier Kanonen bestückt und ermöglichte den Verteidigern ein frontal- sowie flankierendes Schussfeld. Mittels dieser Geschützausrichtung konnten folgende Bereiche bestrichen werden:

1. Beschuss des süd-östlichem Burggrabens.
2. Beschuss des Marktplatz in östlicher Richtung.
3. Beschuss des Taleinschnitt in nördlicher Richtung.
4. Beschuss der nord-westlichen Burgseite.

 das innere der Burgbastion

 grafische Darstellung des Bauwerks

Das aus Sandstein bestehende Brockenmauerwerk erhielt eine Wand- und Deckenstärke von bis zu 8 Metern. Die inneren Abmessungen der Bastion erreichen einen Durchmesser von ca. 9,5 Metern, der Scheitelpunkt der Kuppeldecke liegt bei ca. 6 Metern Höhe. Das mit länger andauernden Belagerungszuständen gerechnet wurde, zeigt sich in der weiteren Ausstattung. Als Trinkwasserversorgung der Burgbesatzung wurde in mitten der Geschützbastion ein Brunnen niedergebracht. Zur Notdurftbewältigung stand in einer Mauernische ein Abort in Form eines Plumpsklos zur Verfügung. Ein weiterer, besonders geschützt liegender Raum, stellt das Pulvermagazin für die Kanonen dar. Um den entstehenden Pulverdampf beim abfeuern der Geschütze abzuleiten, erhielt jede Scharte eine Abzugsöffnung oberhalb der Kanone. Erreichbar war die Bastion ehemals durch Wehrgänge, die mit den Mauerabschnitten der Burg im Norden und Osten verbunden waren. Auch gab, und gibt es immer noch, einen Zugangsstollen zur ca. 15 Meter höherliegenden Burg (-Ruine). 

    

Ehemalige Verbindung zum Wehrgang                                                                   Aufstieg zur Tecklenburg

Um der stetig voranschreitenden Waffentechnik entgegen zu wirken, übererdeten die Preußen im 18.Jahrhundert den nicht mehr zeitgemäßen Geschützstand. Das alte Bauwerk diente nunmehr als massives Fundament für die neu angelegte Erdbastion, auf der größere Geschütze zur Fernverteidigung ihren Platz einnahmen. So verschwand die Anlage von der Erdoberfläche und langsam aus den Gedächtnis der Bevölkerung. Erst im zweitem Weltkrieg entdeckten Arbeiter bei Bautätigkeiten für einen Luftschutzstollen die unterirdisch liegende Bastion am 04.07.1944 wieder. Vermutungen zur folge, könnte es im Bereich der alten Burgmauern eine zweite unterirdisch liegende Bastion geben. Ihr Standort konnte jedoch trotz zahlreicher Probebohrungen nicht ermittelt werden. Irrtümlicher weise wird das Mittelalterliche Bauwerk im regionalem Volksmund auch als „Burghöhle“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist in sofern falsch, da eine Höhle grundsätzlich natürlichem Ursprungs ist. Auf Grund der überwölbten Bauweise des mittelalterlichen Artilleriestandes ähnelt die Geschützbastion wohl eher an eine Kasematte. Wer sich selbst ein Bild machen möchte kann das Bauwerk, in der eine konstante Temperatur von 7 bis 8° herrscht, in den Sommermonaten besichtigen. In den Wintermonaten gilt der Fledermausschutz. Siehe Hier: 

    

heutiger Zugangsstollen                                                                                              links das Pulvermagazin...  rechts Aufstieg zur Burg...

    

Maul-Scharte für eine Kanone                                                                                    Abort

Besuchsmöglichkeiten:

vom 15. April bis zum 30 September.
Jeden Samstag und Sonntag zwischen 14,00 und 16,00 Uhr.
Gruppenführungen nach Absprache möglich.
Kontakt Tel: 05482 / 93 89 - 0
Der Eintrittspreis beträgt 1 €uro pro Person. (Anm. v. Olly: wenn das mal nicht günstig ist. Und wer schon mal in Tecklenburg ist, sollte auch das Rolandsloch und die Hexenkammer besichtigen...) 

Rechte:

Auf zeitgenössischer Spurensuche waren – Björn, Markus, und Olly
Fotodokumentation – Björn
Text und Recherche – Björn
Onlinearbeit – immer noch „ich“
Produziert, wie sollte es auch anders sein – © www.untertage-übertage.de

So ich bin weg, bis zum nächsten mal, Glück auf...