Ein Steinbruch im Oberbergischem Land

Ein Steinbruch? Sowas ist doch übertage? Ja richtig, aber auch hier gibt es interessante Dinge zu entdecken! Zum Beispiel diesen alten Steinbruch im oberbergischem Kreis: unweit meines Heimatdorfes gelegen, kenn ich den schon seit vielen Jahren. Versteckt im Wald liegt ein Loch von 200m Länge und 80m Breite. Zwei Sohlen gibt es im Steinbruch, die unterste ist bis zu 46m tief, die obere liegt ein paar Meter höher. Im Vergleich zu den anderen großen Steinbrüchen im Oberbergischen ist dieser aber noch einer der Kleinen. Dennoch: das Loch ist faszinierend, die Umgebung, von Menschenhand völlig umgestaltet ist aber auch nicht zu verachten!

 "topographische Karte"

Unterlagen über den Steinbruch sind mir nicht bekannt, also bleibt nur etwas Detektivarbeit. Indizien suchen, beschreiben und versuchen, diese zu interpretieren. Bevor es losgeht, ein Blick in die Historika 25: Auf Luftbildern von 1927 scheint er noch in Betrieb gewesen zu sein. Eine Schleppbahn ist noch bis in die 60er in den topographischen Karten eingezeichnet. Schonmal interessant.

Macht man sich auf den Weg, findet man zunächst eine Gebäuderuine, das am besten erhaltene Bauwerk auf dem Gelände. Das Gebäude besteht aus ein paar Schütten aus Beton und einem Anbau aus Ziegelsteinen. Vermutlich handelt es sich dabei um die Klassierung, hier wurde Schotter der Größe nach sortiert.

 "Die Ruine der Klassierung"

Ein paar Meter nördlich dieser Ruine zieht sich ein Graben in nord-östliche Richtung, beinahe parallel zur westlich gelegenen Schleppbahntrasse, den Hang hinunter. Dieser endet an einem Betonfundament an der ehemaligen Trasse der Wippertalbahn. Diesen Graben war wohl auch einmal Teil einer Förderanlage für Schotter zur Bahn.

 "Fundamente am oberen Ende der Schlappbahn"

 "Maschinensockel der Schleppbahn"

 "Hangabstützung an der Schleppbahntrasse"

Jetzt geht es die Schleppbahntrasse entlang den Berg wieder herauf. Deutlich ist der Verlauf der Trasse zu erkennen: teilweise aufgeschüttet, teilweise durch Halden gegraben. Wo notwendig, wurde der Hang links und rechts durch Bruchsteinmauern befestigt. An ihrem oberen Ende befinden sich Maschinenfundamente. Auch Steinkohle lässt sich dort noch finden, so dass man wohl eindeutig feststellen kann: hier war mal eine Dampfmaschine am Werk.

 "senkrechte Felswand"

 "Beton im Wald"

Durchs Dickicht und über etliche Halden geht am oberen Rand des Steinbruchs entlang auf dessen südliche Seite. Höhenangst sollte man nicht mitbringen, wenn man sich der ungesicherten, nahezu senkrechten und bis zu 46m hohem Wand nähert... Hier oben befindet sich im Waldboden ein kleiner Bunker oder Keller, sowie mehrere Gräben. Das gesamte Gelände um den Steinbruch herum ist sehr schwierig und steil, der Boden besteht zu großen Teilen aus mehr oder weniger grobem Abraum.

 "Versteinerungen, vermutlich Brachiopoden"

 "Versteinerte Stengelreste von Seelilien"

Der Weg durch einen Steinbruch ist auch immer ein Gang durch die lange Geschichte unseres Planeten. Vor vielen Jahrmillionen lag unser Fleckchen Erde noch tief unter dem Meer. Nach und nach lagerte sich eine Sandschicht nach der anderen auf dem Boden ab und begrub dabei auch Muschelschalen und Pflanzenreste. Im Laufe der Zeit versteinerte dieses Sediment und hob sich durch die Bewegung der tektonisches Platten. Ein Steinbruch durchschneidet nun dieses Erdgeschichtsbuch: An den senkrechten Felswänden erkennt man gut den schichtweisen Aufbau des Gesteins. In den Schichten eingelagert findet man immer wieder Fossilien, die Versteinerungen der Muschelschalen und Pflanzenreste. Durch den Steinbruch werden diese Zeugnisse vergangenen Lebens freigelegt und sichtbar.

Irgendwie wieder heruntergekommen geht es nun endlich rein in das große Loch. Im Sommer wird der Weg hinein zu einem Kampf gegen eine natürliche Barriere aus Brennesseln und Gestrüpp. Erst seitdem ein Geocache dort platziert wurde, hat sich ein kleiner Trampelpfad herausgebildet. Hat man das Dickicht überwunden, muss man ein paar Meter über Geröll auf die tiefste Sohle des großen Lochs klettern.

 "Geröll mit Moos überwacksen"

 "Pionierpflanzen"

 "Korallenpilze"

Hier erwartet einen eine ganz eigentümliche Vegetation: Unter einigen hohen Fichten wachsen nur niedrige Moose und Farne auf großen Felsbrocken und umgestürzten Baumstämmen. Dort unten ist es sehr feucht und kaum Licht fällt hinein, der ideale Ort für diese Pionierpflanzen. Schlendert man durch dieses Tal der Stille fühlt man sich um Jahrmillionen zurückversetzt, hinter jedem Baumstamm erwartet man einen Dinosaurier! Hier zeigen sich aber auch die Nachteile des Geocaching: durch die vielen suchenden Besucher ist der urtümliche Bewuchs deutlich niedergetrampelt.

Und so sollten manche Orte, so schön und faszinierend sie auch sein mögen, doch lieber in Ruhe gelassen werden...

© Christoph ("DrKlöbner") für www.untertage-übertage.de 2010