U-Verlagerung „Rotfeder“

Im schönen Thüringer Schiefergebirge, nahe der Stadt Probstzella, befinden sich zahlreiche stillgelegte Schieferbergwerke. Mehrere dieser Bergwerke sollten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs noch in eine untertägige Rüstungsfabrik umfunktioniert werden. Nach derzeitigem Stand der Recherche sind uns 24 verschiedene Untertage-Verlagerungen im Thüringer Schiefergebirge bekannt, welche alle schon einen Decknamen hatten und die Verlagerungsmaßnahmen mehr oder weniger weit vorangeschritten waren. Die hier vorgestellte U-Verlagerung „Rotfeder“ sollte unter der laufenden Konstruktionsnummer 140 in das Schieferbergwerk „Kirchberger Glück“ untergebracht werden. Der Deckname „Rotfeder“ wurde passend laut dem Decknamen-Schema vergeben. Ein Fischname für ein Bergwerksstollen. Im Thüringer Schieferbergbau gab es zwei unterschiedliche Verfahren der untertägigen Schiefergewinnung. Zum einen gab es den sogenannten "Rheinschen Versatz", bei dem die großen unterirdischen Hallen sofort wieder mit dem Abraum versetzt wurden. Das Abbauverfahren arbeitete sich also von unten nach oben durch das Gebirge. Dabei entstanden zum Teil über 100 Meter hohe Hallen, welche allerdings komplett verfüllt waren und somit für die unterirdische Rüstungsproduktion nicht geeignet waren. Das zweite Abbauverfahren war der sogenannte "Thüringer Hohlbau". Beim Thüringer Hohlbau wurde der Schiefer in vielen, aber kleineren Hallen abgebaut. Die Hohlbaue hatten hierbei einen Grundriss von 20 mal 30 Meter und konnten eine Höhe von 25 Metern erreichen. Der Abraum wurde hier nur selten in die Hohlbau versetzt und meistens auf die Halden vor den Stollenmundlöchern gekippt. Bei diesem Verfahren blieben (nach der Stilllegung des Bergwerks) in der Regel viele große Kammern unter Tage zurück, welche natürlich auch für die Rüstungsindustrie interessant waren. So auch bei dem Schiefer-Bergwerk "Kirchberger Glück". Das im Jahre 1937 stillgelegte Bergwerk hatte 8 Tagesöffnungen (Stollen A – H) und drei Sohlen. Die unterste Sohle diente zur Schiefer-Förderung "untertage-übertage", haha. Die oberste Sohle diente vornehmlich der Wetterhaltung und zum Abraumtransport. In der mittleren Sohle fand der (größtenteils) der eigentliche Schieferabbau statt. Hier sollte auch die U-Verlagerung "Rotfeder" eingerichtet werden. Die erste Untertage-Verlagerung in der Grube "Kirchberger Glück" sollte der Firma Reinecker zur Verfügung gestellt werden. Das Bergwerk wurde zu diesem Zweck am 20.07.1944 gesperrt. Die Firma Reinecker A.G. aus Chemnitz sollte auf 3.000 Quatratmetern Produktionsfläche Schleifmaschinen für das Jägerprogramm herstellen. Doch die Firma Reinecker lehnte ab, so das Verlagerungsobjekt "Rotfeder" wieder frei wurde. Die zweite Verlagerung in das Bergwerk wurde im Oktober 1944 beschlossen. Der Wehrmachtführungsstab sollte in die Schiefergrube wichtige Akten und Dokumente einlagern. Doch auch dazu kam es nicht, obwohl das Bergwerk und die Hohlbaue vollkommen trocken und somit bestens geeignet waren. Infolge dessen wurde die Sperrung der Grube "Kirchberger Glück" am 13.01.1945 zunächst aufgehoben und am selben Tag wieder erneut beschlagnahmt. Die dritte und endgültige Verlagerung in die Schiefergrube war dann für die Firma Klöckner-Deutz-Feinbau GmbH vorgesehen, welche auf 4.000 qm bombensicherer unterirdischer Produktionsfläche Regler und Einspritzpumpen für das Triebwerk TL 003 herstellen sollte. Die Firma Klöckner-Deutz-Feinbau GmbH war auch bei uns in der U-Verlagerung "Schlammpeitzger" und unter Anderem auch in der Kaligrube in Salzungen. (Deckname Hyäne) Die U-Verlagerung "Rotfeder" sollte im westlichen Lager 2 und 3 eingerichtet werden. Das "Westliche Lager" der Schiefergrube bestand aus den 10 Hallen (Hohlbaue 6 – 15) und hatte ein standfestes Deckgebirge von gut 70 Metern. Zudem waren alle Hohlbaue mit einer untertägigen Schmalspurbahn miteinander verbunden. Auch Strom war vorhanden. Der nächste Anschluss an die Reichsbahn lag nur einen Kilometer entfernt. Die Vorraussetzungen zur U-Verlagerung waren also mehr als günstig, zumal sich noch 3 weitere Untertage-Verlagerungen in unmittelbarer Nähe befanden und bereits im Bau waren. Doch bis auf die Planung und einige untertägigen Vorarbeiten ist hier nicht mehr viel passiert. Keine U-Verlagerung "Rotfeder" in der Schiefergrube "Kirchberger Glück". Bleibt uns also nur noch ein wunderschöner Altbergbau in Thüringen... Glückauf!


Die Befahrer: (von Links nach Rechts) Axel, Martin, Axel, Eismann, Lori und Rene... (Svenska macht das Foto)


Die Fotos stammen diesmal von meinem Freund Svenska – Vielen Dank dafür!

Danke auch an Axel vom Team Bunkersachsen – Glückauf!

Grüße auch an alle weiteren Mitbefahrer in meiner Nummer 100...

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© Eismann / untertage-übertage.de / 2014, 2015