Altbergbau in Ibbenbüren – der Püsselbürener Förderstollen

Glückauf, liebe Bergbauinteressierte... Wieder einmal beschäftigte uns die umfangreiche Bergbaugeschichte in Ibbenbüren. Ein interessantes Relikt aus der langjährigen Steinkohlenbergbautradition wurde von uns erneut besucht und in Bildern festgehalten. Die Rede ist von dem Püsselbürener Förderstollen, dessen Geschichte und heutigen Zustand wir hiermit dokumentieren.

 Kohlenniederlage

Das Stollenmundloch befindet sich in Ibbenbüren-Püsselbüren, auf dem Gelände der ehemaligen Kohlenwäsche und Kohlenaufbereitungsanlage, die im Jahre 1926 erstmalig in Betrieb ging. Zwischen 1952 und 1960 wurde die Kohlenwäsche neu konstruiert, erweitert und teilweise auch gänzlich neu errichtet. Neben dem Gelände befand sich ein Verladebahnhof mit Normalspuranschluss an das staatliche Eisenbahnnetz. Um die geförderte Anthrazitkohle der Eisenbahn zuführen zu können, wurde eigens eine Zechenbahnstrecke erbaut. Die Zechenbahn fuhr mehrmals täglich zwischen dem Oeynhausenschacht und dem Gelände der Kohlenwäsche hin und her. Zusätzlich wurden auch Lastkraftwagen der Firma Reichenbach zum Transport der Steinkohle, bzw. der Berge eingesetzt. Bis zur Stilllegung der Aufbereitungsanlage vor dem Püsselbürener Förderstollen im Jahre 1979, wurde die Anthrazitkohle in einem eigens neu entwickelten Wasch- und Trennsystem aufbereitet. Diese Aufbereitung galt als eine der Modernsten zu seiner Zeit. Leider wurde die Anlage schon ein Jahr später, 1980 komplett abgebrochen.

 Industrieruine

Geht man heute über das von einer hohen Mauer umgebenden Brachgelände, findet der Betrachter noch einige wenige Hinterlassenschaften aus einer Epoche, wo das schwarze Gold die Arbeiter wie Ameisen über das Gelände huschen ließ. Betritt man das Gelände durch den ehemaligen Hauptzugang, dessen seitlichen Säulen einst das Tor hielten, sieht man auf der rechten Seite das kleine Pförtnerhäuschen. Geht man nur wenige Schritte weiter über das von jungen Birken bewachsene Gelände wird der Blick automatisch auf das größte noch vorhandene Gebäude auf dem Grundstück gelenkt. Der große Gebäudekomplex auf der linke Seite war das ehemalige BML (Betriebsmittellager), oder umgangssprachlich auch Magazin genannt. In dem BML befinden sich noch die rundlaufenden Schmalspurgleise der Lorenbahn, die zum Materialtransport zwischen untertage und übertage hin und her pendelten. Der wirklich aufmerksame Betrachter kann einige Reste der Schmalspurbahn auch außerhalb des Betriebsmittellagers, im Gelände finden. Angegliedert an das Magazin erkennt man mehrere Transformatoren- und Kraftstromanlagen des Zechenbetriebes. Des weiteren existieren auf dem ehemaligen Platzbetrieb noch zahlreiche Hinterlassenschaften wie betonierte Schüttgutboxen, Lichtmasten, Teile der Kanalisation und natürlich Anthrazitkohle in Form von Eierkohle, Nusskohle bis hin zu tauben Gesteinsresten. Nur ein paar Schritte weiter, im Nordwesten des Geländes, am Fuße des Hügels befindet sich das wichtigste Objekt, nämlich der Namensgeber dieses Berichtes – das Mundloch des Püsselbürener Förderstollens. Das in Sandstein gefasste Stollenmundloch ist heute aus Sicherheitsgründen vermauert und ein Teil der Stollenstrecke wurde mit Sandzementschlämme verfüllt. Nur ein kleiner Einflugschlitz unterhalb der Stollenfirste ermöglicht seltenen Fledermausarten die geschützte Überwinterung unter Tage. Der Stollen hat eine Höhe von 2,51 Metern (96 Zoll), und eine Breite von 2,62 Metern (100 Zoll).

 Betriebsmittellager Püsselbüren

 das BML mit Gleiskörper

Kommen wir nun zur kurz zusammen gefassten Geschichte des Förderstollens in Ibbenbüren-Püsselbüren:

Um die Steinkohlen des Ibbenbürener Westfeldes besser der Eisenbahn zuführen zu können, wurde der Püsselbürener Förderstollen 1856 in Angriff genommen. Er wurde Richtung Norden zur so genannten “Bentingsbank?, einem Steinkohleflöz unter dem Pommer- Esche- Schacht in Ibbenbüren-Bockraden, getrieben. Am 2. März 1860 kam der Stollen bei einer vorläufigen Länge von 1.136 Metern zum Durchschlag. Der Förderstollen wurde söhlig aufgefahren. Das bedeutet, dass er annähernd waagerecht in das Wiehengebirge auf der Höhe der Abbausohle Bentingsbank getrieben wurde. Die Höhe beim Durchbruch stimmte genau, allerdings war beim Stollenvortrieb eine seitliche Abweichung von etwa fünf Meter zur Tiefbausohle entstanden, welche aber durch eine Kurve wieder ausgeglichen werden konnte. Die Verladeeinrichtungen wurden ebenfalls 1860 erbaut, so dass der Püsselbürener Förderstollen am 3. November 1862 seinen Betrieb aufnehmen konnte. Der Stollen war eingleisig ausgebaut - nur an den Enden gab es zwei Gleise für den Rangierbetrieb. Etwa 100 Meter vom Stollenmundloch entfernt stand die dampfbetriebene Fördermaschine. Die Anthrazitkohle wurden mittels Kohlenwipper (eine Kipplorenart) per Seilförderung durch den Stollen gezogen. Das Vorderseil lief auf Rollen zwischen dem Gestänge (Schienen), während das Hinterseil über Leitrollen unter der Firste (Stollendecke) lief. Der Rangierbetrieb der Loren zwischen Stollenmundloch und Kippstelle wurde mit Hilfe von Pferden bewältigt. Einige Jahre später wurde der Püsselbürener Förderstollen weiter bis zum Buchholzflöz unter dem Rudolfschacht vorgetrieben. Die Stollenlänge betrug nun 2.143 Meter. Die Fördermaschine hatte bei dieser Entfernung die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit überschritten und musste dringend durch eine leistungsfähigere Zugmaschine ersetzt werden. Deshalb wurde eine neue Fördermaschine mit doppelter Leistung gebaut. Diese Zwillingsmaschine erhielt außerdem noch im August 1870 zwei neue Dampfkessel von der Firma Heyde aus Dortmund-Hörde. Am 2. September ging nun diese verstärkte Förderanlage in Betrieb. Ein weiterer Vorteil dieser Maschine war, der jetzt gleichmäßig laufende Gang der Kohlenwipper. Die neue Antriebsmaschine ermöglichte ein ruhigeres Fahr- und Zugverhalten der Lorenbahn. Es ruckelte nicht mehr so. Der Stollenbetrieb lief nun reibungslos bis zum 1. April 1879. Ab diesem Tage, an dem der Pommer-Esche-Schacht stillgelegt wurde, pausierte die Förderung durch den Stollen.

 Püsselbürener Förderstollen

Lange Jahre ruhte der Betrieb rund um den Förderstollen in Ibbenbüren-Püsselbüren. Die Fördermaschine und die Dampfkessel wurden im Jahre 1893 demontiert und verkauft. Als dann jedoch am 19. Juli 1894 der Oeynhausen-Schacht auf dem Ostfeld in Ibbenbüren einen starken Wassereinbruch erlitt und somit ersoff, erinnerte man sich wieder an den Püsselbürener Stollen. Der Rudolfschacht wurde 1896 nun bis auf die Stollensohle des Förderstollens abgeteuft, so dass der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Die Förderung der Ibbenbürener Anthrazitkohle erfolgte nun mühselig per Hand oder Pferd durch den Stollen. Dies geschah so lange, bis der Von-Oeynhausen-Schacht auf dem Schafberg im Jahre 1898 seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte. Da die Schäden der Zeche Oeynhausen wieder beseitigt waren, kam folglich der Betrieb im Püsselbürener Förderstollen abermals zum erliegen.

 Stollenmundloch und Lumenmann

Erneut gingen Jahre ins Land. Erst als die Firma A+K Sommerkamp eine Ockerbrennerei erbaute und die Steinkohle zum anfeuern ihrer Öfen benötigte, kam der alte Püsselbürener Förderstollen wieder zurück ins Spiel. Die Brennerei hatte ihren Sitz in der Nähe des Stollenmundlochs, so dass die Förderung durch den Förderstollen unerwartet 1911 wieder auflebte. Zunächst noch sehr schwach, aber der Förderbetrieb stieg stetig und erreichte im Jahre 1914 die beträchtliche Menge von 16.435 Tonnen Anthrazitkohle. Im Jahre 1924 wurde die Anlage sogar renoviert und neue Maschinen erbaut. In dem alten Gebäude neben dem Stollenmundloch wurde nun eine Mannschaftskaue errichtet. Zur gleichen Zeit wurde auch der Stollen noch erweitert bzw. verlängert. Zum Einen wurde ein Querschlag nach Westen zum Bernhard-Schacht vorgetrieben, welcher nach 488 Metern auch erreicht wurde, zum Anderen wurde der Stollen um weitere 1.020 Meter zum so genannten Gegenortsschacht, ebenfalls auf dem Flöz Buchholz, verlängert. Ab dem Jahre 1935 wurde der Stollen mit Benzol- und Dieselloks befahren; ab den 50er Jahren wurden Fahrdrahtloks mit Oberleitung genutzt. Die Kohlenförderung durch den Püsselbürener Förderstollen erfolgte noch bis zum Jahre 1979, in dem das Westfeld stillgelegt wurde. Der letzte Kohlenzug verließ am 29.6.1979 den Förderstollen.

 Stromversorgung links des Stollens

 Birkenpilzpfanne !!!

© Eismann Juli 2004 // überarbeitet von Bergmann und Eismann im Februar 2010 // Fotos in Zusammenarbeit von Lumenmann und Bergmann // Pilzpfanne inklusive.