Altbergbau in Ibbenbüren - Der Pommer-Esche-Schacht 

 Infotafel am Schachtgebäude der Zeche Pommer-Esche in Ibbenbüren

Ein Kleinod der Bergbaugeschichte findet man im Nordwesten von Ibbenbüren. Zwischen dem Dickenberg und dem Schafberg, an der Recker Straße befindet sich ein Teil der Tagesanlagen von der Steinkohlenzeche Pommeresche. Darum soll es auch in diesem kleinen Bericht gehen: Der Pommer-Esche-Schacht war einer von etwa 120 alten Steinkohlenzechen im Ibbenbürener Westfeld. Unter dem Ibbenbürener Westfeld ist übrigens das Grubenfeld westlich des Bockradener Grabens zu verstehen. Das Ibbenbürener Westfeld wurde im Jahre 1979 stillgelegt, während im Ostfeld heutzutage noch Anthrazit-Kohle abgebaut wird.

 Schachtgebäude

Doch nun zu den einzelnen Daten und Fakten der ehemaligen Zeche Pommeresche in Ibbenbüren-Bockraden:

Aufgefahren wurde der Pommer-Esche-Schacht am 25 Juli 1856. Er erhielt seinen Namen von dem damaligen Oberfinanzrat "von Pommer-Esche" aus Ibbenbüren. Der seigere Schacht erhielt zwei Fördertürme, doch die Abteufarbeiten wurden wie so oft im Ibbenbürener Revier von den starken Wassereinbrüchen behindert, was die Arbeit nur langsam voran kommen ließ. Zunächst versuchten die Bergleute dem einfallenden Wassermassen noch mit Kübeln und Haspeln entgegen zu wirken. Doch die Versumpfung der Schächte war mittlerweile so stark, dass nur noch maschinelles abpumpen der Wassermassen helfen konnte.

Das heutzutage nicht mehr vorhandene Gebäude zur Wasserhaltung wurde kurz nach dem Abteufen erbaut. In den Jahren 1858 bis 1859 wurden weitere Zechengebäude wie die Steigerstube, die Kaue, die Stallung der Grubenpferde, die Gebäude für die Fördermaschinen, Wasserhaltungsmaschinen, das Kesselhaus, der Schachtraum an sich, sowie die Wohnräume und das Geldempfangslokal der Bergleute fertig gestellt. Eine Saugpumpe kümmerte sich um die Wassereinbrüche, doch mit zunehmender Teufe nahm auch der Wasserzufluss immer stärker zu, so dass noch zwei weitere Saugpumpen zum Einsatz kamen. Am 6. Oktober 1861 soff der Pommer-Esche-Schacht in folge eines Pumpenschadens das erste mal ab. Im Dezember 1861 erhöhte man nochmals die Pumpenanzahl zur Entsümpfung des Schachts.

Zur gleichen Zeit erreichte man in 136 Meter Teufe das Flöz Glücksburg. Genau sechs Meter tiefer auf 142 Meter wurde die erste Tiefbausohle angesetzt und voran getrieben. Doch nur zwei Meter unterhalb der Tiefbausohle fuhr man eine sehr wasserreiche Steinkohleschicht an, was zur Folge hatte, dass der Pommer-Esche-Schacht am 2 März nach einem weiteren Pumpenschaden erneut ersoff. Die erste Tiefbausohle ist übrigens die Sohle, die mit dem Püsselbürener Förderstollen am Südhang des Wiehengebirges wieder zu Tage tritt. Nach zwölf Tagen intensiven Sümpfungsbetrieb war der Schacht einigermaßen frei von Wasser und konnte den Betrieb wieder aufnehmen. Am 16 Mai 1862 wurde eine neue Wasserhaltungsmaschine in Betrieb genommen, welche nun die Grubenwasser in die Rösche vom Püsselbürener Förderstollen ableitete. Zur selben Zeit wurde auch der aus Sandstein gemauerte 38 Meter hohe Schornstein errichtet.

 übertage...

Doch die Steinkohlenförderung durch den Pommerescheschacht stand unter keinem gutem Stern, denn am 17. August 1862 soff der Schacht erneut ab. Diesmal lag es an den Druckventilen der Pumpen, die einen Schaden erlitten. Die Sümpfung der Schachtanlage dauerte diesmal bis zum 23. September an. Am Ende des Jahres wurde die Wetterführung der Grubenbauten durch den Schacht Glücksburg ausgebaut, dann konnte es endlich voran gehen. In den Jahren 1863 bis 1865 wurde der Schacht tiefer abgeteuft. In 169 Meter Teufe erreichte man das Steinkohlen-Flöz Bentingsbank. Eine zweite Tiefbausohle wurde aufgefahren.

Im Jahre 1866 wurden zusätzlich ein Wetterschacht und ein Blindschacht zwischen den Flözen Bentingsbank und Glücksburg geteuft. 1871 hatte die zweite Tiefbausohle schon eine beachtliche Ausdehnung von 363 Meter in Richtung Westen und 440 Meter in Richtung Osten, außerdem wurde nun auch das Flöz Buchholz angefahren. Die Stollenstrecke bis zum Flöz Buchholz betrug nun stattliche 1.020 Meter, so das der Bernhardschacht, der auf dem Flöz Buchholz stand, stillgelegt wurde und die Kohle jetzt von unten angefahren und abgebaut werden konnte. In den folgenden Jahren wurde die Steinkohle (Anthrazit) durch den Püsselbürener Förderstollen zu Tage gefördert. Doch da das ertragreiche Flöz Buchholz zusätzlich noch von anderen Schächten in Ibbenbüren angefahren wurde, rechnete sich der Vortrieb irgendwann nicht mehr, so dass der Pommer-Esche-Schacht am ersten April 1879 stillgelegt wurde.

So endete auch dieser alte Bergbaubetrieb in Ibbenbüren. Die erste Stollensohle wurde überwölbt und zugefüllt. Die viel zu hohen Wasserhaltungskosten und die Ausbeute an Steinkohle standen zum Aufwand in keinem Verhältnis. Die Maschinen aus der Grube wurden zum Theodorschacht (der heute noch als Wetterschacht dient) gebracht. Das Zechenhaus blieb der Nachwelt zum Glück erhalten und diente lange Zeit als Steigerwohnung. Noch heute ist das 150 Jahre alte, aus Sandstein erbaute Gebäude im Originalzustand zu besichtigen. Da es weit von der Innenstadt von Ibbenbüren steht, ist es im zweiten Weltkrieg nicht beschädigt worden...

 Seilscheibe vor dem Sandsteingebäude

Text: Eismann, 2004/2008
Fotos: Bergmann / Sensemann

 

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