Der Luftschutzstollen „Feldstraße“ in Osnabrück.

Glück auf liebe untertage übertage Freunde! Dieses mal stellen wir Euch eine der Osnabrücker „Großstollenanlagen“ für die Zivilbevölkerung im zweiten Weltkrieg vor. Zum Jahreswechsel 2009 / 10 bekamen wir die Möglichkeit, den in der „Wüste“ (süd- westlicher Stadtteil von Osnabrück) gelegenen Luftschutzstollen an der Feldstraße zu dokumentieren. Ermöglicht wurde diese Exkursion nach Verhandlungen des Buchautors „Andreas O’Brien“ (Die Verbunkerte Stadt), und dem verantwortlichen Inhaber der Anlage. Nach dem die Interessengemeinschaft grünes Licht zur Begehung des historischen LS-Stollen erhielt, trafen wir uns einige Tage später vor dessen Zugängen. Gut vorbereitet war es dann so weit. Mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ verabschiedete sich das Expeditionsteam in die dunkle unterirdische Welt des Osnabrücker Kalkhügels. Zunächst stand die Ausklammerung jeglicher Gefahren auf dem Programm. Eine erste vollständige Befahrung des Stollensystems gab Auskunft über den Allgemeinzustand der unterirdischen Luftschutzanlage. Mit Hilfe eines Gas- und Sauerstoffmessgeräts stellten wir sicher, das der Sauerstoffgehalt der Atemluft ausreichend vorhanden war, und das sich keine giftigen oder explosiven Gase im Stollen gebildet hatten. Bereits nach wenigen Metern Stollenstrecke war ein deutlicher Wetterzug spürbar. So verwunderte es auch nicht, das die angezeigten Werte auf unserem Messgerät im grünen Bereich blieben. Nach dem wir uns einen ersten Überblick verschafft hatten, folgte im direkten Anschluss eine zweite ausgedehnte Begehung des Stollensystems an der Feldstrasse. Dieses mal jedoch, zur Fotodokumentation, Vermessung und geschichtlicher Spurensuche.

 Die Feldstraße in Osnabrück

Kommen wir nun zu den baulichen und geschichtlichen Fakten der ehemaligen Luftschutzeinrichtung im Osnabrücker Kalkhügel. Auftraggeber für den Schutzraum war die Stadt Osnabrück, unter der Leitung des Luftgaukommando XI. Der in der Zeit von 1943 / 44 begonnene Luftschutzstollen Feldstraße, besaß eine Schutzplatzkapazität von 2.400 Personen. Das gitterförmig angeordnetes Stollensystem ereichte nicht wie geplant den vollen Größenumfang von 600 Metern. Teilbereiche befanden sich immer noch im Bau, als das Kriegsende die Bautätigkeiten vorzeitig beendigte. Trotzdem wurde bei Luftalarm jeder aufgefahrene Quadratmeter Stollen schnellstmöglich der schutzsuchenden Osnabrücker Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Die erreichte und vorhandene Stollenstrecke des Systems, umfasst heute eine Gesamtlänge von 350 Metern. Das Stollensystem verfügt über zwei begehbare Eingänge mit unterschiedlichem Höhenniveau. Die Stollenanlage wurde bergbausprachlich als „flach fallend“ (leichte Schräglage um 15°) in den Untergrund des Osnabrücker Kalkhügels getrieben. Diese Begebenheit begünstigt unter anderem die natürliche Bewetterung, und begründet die unterschiedliche Höhenlage der zwei Zugänge. Die Verbunkerung der Eingangsportale, die wir häufig in Form von massiven Bunkervorbauten kennen, wurde an der Feldstraße dezent gelöst. In einer ca. 4 Meter hohen, aus Klinkern bestehenden Stützwand, wurden die Stollen- Zugänge integriert.

Grundriss der Anlage

Geplant waren ehemals drei bzw. vier Zugangsmöglichkeiten in die Luftschutzeinrichtung. Etwas westlicher der heutigen Tagesöffnungen wurde mit dem Bau eines dritten Zugangsstollens begonnen. Die Bautätigkeiten endeten jedoch nach ca. 30 Metern blind im Fels. In der Nachkriegszeit wurde dieser Blindstollen wieder verfüllt aus Gründen der Bergsicherung. Auch die zwei existierenden Haupteingänge der Luftschutzeinrichtung sind nicht im Originalzustand erhalten geblieben. Im Jahr 1948 sprengten britische Einheiten die Stollenzugänge, um eine weitere Verwendung der Anlage als Luftschutzraum auszuschließen. Ein Schicksal, dass vielen LS-Stollen und Bunkern im Zuge der Demilitarisierung Deutschlands wiederfuhr. Erst in den 80er Jahren erfolgte die erneute Aufwältigung des historischen Stollensystems an der Feldstraße. Die Gründe hier für dürften Zustandsanalysen bzw. Sicherungsmaßnamen gewesen sein, um die oberirdische Bebauung oder derartige Planungen vor möglichen Bergschäden zu schützen. Zumindest deuten viele Spuren in den Eingangsbereichen so wie im Stolleninneren auf derartige Aktivitäten hin. Einen weiteren Grund lieferte die Möglichkeit den alten Stollenbunker für den Katastrophenschutz im kalten Krieg einzubinden. Doch widmen wir uns lieber der Baugeschichte...

 Zugangsstollen innen

Der von Laien auch als „Höhle“ bezeichnete Luftschutzstollen Kalkhügel wurde mit bergmännischem Sachverstand aufgefahren und ausgebaut. Um den Stollenvortrieb möglichst rasch zu gestalten, kam das im Bergbau bewährte Schiessverfahren (Sprengen) zum Einsatz. Der dabei endstehende Ausbruch wurde mit Hilfe von Loren auf einem Schmalspurgleises aus der Strecke gefördert. Im zweitem Schritt folgte die Sicherung und der Ausbau des Rohstollens. Dies geschah durch eine fachmännisch erstellte, 38 Zentimeter dicke Stollenausmauerung. Als Baumaterialien wurden gebrannte Mauerziegel im Reichsformat (25 x 12 x 6,5 Zentimetern) und Zementmörtel verwendet. Das so entstandene segmentbogenartige Gewölbe, wird als „Tonnengewölbe“ bzw. im Streckenkreuz „Kreuzgewölbe“ genannt. Zu guter letzt erhielt das Mauerwerk einen vollflächigen Zementputz um die eindringende Feuchtigkeit zu mindern. Mit einer Streckenbreite von 2,20 Metern war der Schutzraum für zwei Bankreihen ausgelegt. Die meist aus Holz bestehenden Sitzbänke wurden links und rechts entlang der Stöße (seitliche Stollenbegrenzung) aufgestellt. Oberhalb der ehemaligen Sitzplätze sind zahlreiche Haken und Nägel aufzufinden, wahrscheinlich dienten sie zur Aufhängung von leichtem Handgepäck oder ähnlichem. Desweiteren verfügte die Anlage über zwei Latrinenanlagen, von denen heute nur noch Reste zeugen. Die ursprünglich im Stollen installierte elektrische Einrichtung so wie die Belüftungs- und Filtertechnik wurden nach dem Krieg fast vollständig demontiert. In fertiggestellten Teilbereichen der LS-Anlage, wurde die Stollensohle mit Sand ausgeglichen und gepflastert.

 Stollenausmauerung

Auch hier wechselten die Pflastersteine in der Not der Nachkriegszeit den Besitzer, zurück blieben nur wenige Quadratmeter Pflaster und der gelbe Füllsand. Im allgemeinen macht der LS-Stollen fast schon einen ausgefegten Eindruck, es gibt weder Schutt noch Müllansammlungen in den unterirdischen Gängen. Ein Zustand den wir leider nur noch Selten vorfinden. Zwar sind kaum noch originale Einrichtungsgegenstände vorhanden, und dennoch findet man beim genauen Hinsehen immer noch Spuren jener Zeit. So befindet sich unweit des unteren Eingangs, ein mit Phosphorfarbe gestrichener Luftschutzpfeil in der Stollenstrecke. Derartige Markierungen dienten zur leichteren Auffindbarkeit von Luftschutzeinrichtungen bei Verdunklung im Stadtgebiet, so wie zur Orientierung der Schutzsuchenden bei Stromausfällen durch Bombenwurf. In einigen Stollenabschnitten sind die Abdrücke der ehemals zum Stollenvortrieb genutzten Schmalspurgleise noch heute sichtbar. Genau in diesen Bereichen kommen bei genauer Betrachtung der Stollensohle viele verloren gegangene Dinge zum Vorschein. Es sind sicherlich keine Reichtümer, aber sie zeugen vom Bombenterror und Wahnsinn des zweiten Weltkrieges. Zu Tage kamen die charakteristischen Gegenstände wie zum Beispiel, Haarspangen, Haarkämmchen, Knöpfe, Teile von Gasmasken, aber auch besonders interessante Kinderspielzeuge. Alle gefundenen Spielzeuge greifen das Thema Krieg auf, mal als Zinnsoldat mal als kleines Kriegsschiff. Ist das Zufall ? Oder sollte der Nachwuchs den ersten Schliff für Hitlers zukünftige Armeen bekommen ??? Wie auch immer, Krieg bringt nur Leid, Zerstörung und Tod. Es liegt in unserer Hand aus der Geschichte zu lernen...

 Luftschutzstollen Kalkhügel

Alles zum Thema Luftschutz in Osnabrück und Umland, wird unter den folgenden Web Links behandelt. 

Luftschutzbunker Osnabrück: hier
Osnabrücker-Unterwelten:
hier

Sehr zu empfehlen, sind auch die Bücher...

Die Verbunkerte Stadt (Luftschutzanlagen in Osnabrück und Umkreis)
Autoren: Andreas O’Brien & Holger Raddatz
ISBN 978-3-8370-7545-8 

  & Neu 

Der Luftschutzstollen am Kalkhügel (Ein ehemaliger Luftschutzbunker in Osnabrück)
Autoren: Hauke Haubrock & Andreas O`Brien 
ISBN 9-783844-811544

Auf 112 Seiten wird ausführlich über den Luftschutzstollen Feldstraße im Stadtteil Wüste (Osnabrück) in Wort und Bild berichtet. Mit Unterstützung durch Zeitzeugen konnte die Bauphase rekonstruiert werden und ein Teil der Geschichte des Luftschutzes in Osnabrück wurde wieder in Erinnerung gebracht. Erhältlich ist die Paperback Version im Format DIN A 5 in jedem Online-Buchhandel, bei ebay so wie bei „Bücher Werner in Osnabrück für nur 17,99 €uro.

Grüße an dieser Stelle !!!

Rechte

Bilddokumentation - Bild (1) © Andreas O’Brien, Bilder (2-4) © Bergmann
Für die Beleuchtung sorgte der - Lumenmann
Die Tagespresse übernahm dieses mal - Bergmann
Zeichnung 1:400 - Bergmann
Produziert für - © www.untertage-übertage.de 2010
Onlinestellung - Bergmann 2012

Glück auf...

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Luftschutzstollen in Osnabück / Piesberg

Diesen Luftschutzstollen fanden wir ebenfalls im Zuge unserer Wanderungen rund um den Piesberg. Das Besondere an diesem LS-Stollen ist, daß er keinerlei Planbauten des Luftschutz-Programms des Zweiten Weltkriegs folgte. Er wurde in die ehemalige Wasserrösche des Hasestollens integriert. Genauer gesagt: Der als Begleitort angelegte Wasserlösestollen der Zeche Piesberg wurde im Zuge der Bauarbeiten der Bahnzuführung zur neuen Brechanlage durchschnitten, und behefsmäßig zur Luftschutzanlage umgebaut. Der LS-Stollen besaß keinerlei Gasschleusen und war entweder von der Bahntrasse aus oder durch einen heute zu betonierten Zugang vom Hof des ehemaligen Gebäudes der Bergwerksdirektion zu begehen. Die geringen Ausmaße der Luftschutzanlage ließen lediglich Platz für eine Bankreihe für die Schutzsuchenden zu. Die einzigen Zeugen der ehemaligen LS-Stollenanlage sind heute noch eine verrostete Splitterschutztür und die Steine, auf denen sich die Bankreihe befand. Der Stollen ist heute sehr sümpfig und weitgehend mit Lehm und Schlamm verschwemmt. Die durch die Sümpfung entstehenden matten Wetter und die geringe Höhe des Schlufs, vor allem im Blindort des hinteren Bereichs erschweren eine Befahrung der Anlage enorm. Da keinerlei Wetterführung vorhanden ist, raten wir auch hier von einer Befahrung ab!

Der heutige Zugang

Eingang zum Luftschutzbereich

    

Hier seht ihr den ehemaligen  Wasserlösestollen vom Haseschacht mit den Fundamenten der Luftschutz-Bänke.

Leicht versetzt im gegenüberliegenden Hang der zweite Stollenzugang.

© www.untertage-übertage.de