Altbergbau in Ibbenbüren – der Morgensternschacht

Der Morgensternschacht befindet sich im Osten der Stadt Ibbenbüren am Rande des Schafberges. Er wurde als Hauptschachtanlage des Schafberger Steinkohlereviers (Grube Schafberg) im Jahre 1824 abgeteuft. In 42 Lachtern (88 Meter) Teufe erreichte der Morgensternschacht Anfang 1826 den Schafberger Tiefenstollen (auch Heewerth-Stollen genannt). Dieser wurde zwischen den Jahren 1804 und 1824 aufgefahren um im späteren Verlauf die Grubenbetriebe im Ostfeld, speziell die Schafberger Gruben zu entwässern. Zur selben Zeit begann die Förderung der Steinkohlen durch den Morgensternschacht. In ihm wurde die zweite Dampf-Fördermaschine überhaupt, welche jemals im Ibbenbürener Revier in Einsatz kam, untergebracht.



Das Bauprojekt „Schafberger Tiefenstollen“ wurde am 10. 02. 1804 von Minister Graf von Reden genehmigt. Der erste Vortrieb begann am 05.09. des selben Jahres. Nach einer Auffahrung von 925 Stollenmetern erreichte er im Oktober 1823 nördlich vom Lichtlochs 4 das Steinkohlengebirge. Ein Jahr später erreichte der Heewerth-Stollen das Flöz Glücksburg, welches auch gleichzeitig der Punkt war, wo Stollen und Schacht sich vereinigen sollen. Dieses geschah zwei Jahre später, Anfang des Jahres 1826. Neben fünf Lichtlöchern wurden auch acht Schächte auf den Schafberger Tiefenstollen niedergebracht. Unterhalb des zentralen Wasserlösestollens, den 1433 Meter langen Schafberger-Tiefen-Stollen wurden in den nächsten Jahren noch zwei Tiefbausohlen bei 70 und 100 Lachtern Teufe (146 und 209 Meter) unterhalb der Stollensohle angelegt. Dort baute die Zeche Schafberg die Kohlenflöze Glücksburg, Alexander, Flottwell und Bentingsbank durch den Schacht ab. Fast ein halbes Jahrhundert war der Morgensternschacht in Betrieb, ehe er am 1. April 1872 (vorerst) stillgelegt wurde. Die heute noch aktive, ebenfalls auf dem Schafberg errichtete Anthrazitkohlengrube Von-Oeynhausen, löste ihn später (1979) vollständig ab.

 Lichtloch 4

Nachdem der Hauptschacht mit dem Heewerthstollen durchschlägig wurde, konnte ab Februar 1826 die Kohlenförderung beginnen. Die damaligen Tagesanlagen bestanden aus einem Maschinenhaus, einem Materialien- und dem Fördergebäude. Das Maschinenhaus, an welchem der 14 Meter hohe Schornstein angebaut war, besaß zwei Etagen. Im unteren Stockwerk waren die Fördereinrichtungen wie Seiltrommel, Fördermaschine und Getrieberäder, sowie die Dampfkesselanlage untergebracht. Im oberen Stockwerk befand sich das Geschäftszimmer (Büro) und die Wohnung des Fördermaschinisten Schaper. Das in Fachwerkbauweise errichtete Fördergebäude hatte direkte Verbindung zum Maschinenhaus. In dem angegliederten Gebäude befand sich der eigentliche Förderschacht, sowie die Steigerstube, die Bergmannsstube und eine Materialienkammer. Die im Morgensternschacht zum Einsatz gekommene Fördermaschine stammte von der Firma Harkort und Co. Diese hatte ihren Sitz in Wetter an der Ruhr. Die Fördermaschine unterschied sich von den anderen Fördermaschinen, wie sie zum Beispiel bei den Zechen Abendsternschacht oder Glücksburg eingebaut waren. Die Fördermaschine besaß unter Anderem ein längeres Schiebladenventil, was einen geräuschloseren Gang und eine bequemere Steuerung der Anlage zur Folge hatte. Eingebaut und gewartet wurde die Maschine von Schmiedemeister Anton Düder. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Fördereinrichtungen auf 3.595 Taler. Die erste Inbetriebnahme erfolgte im März 1827. Sämtliche Bauarbeiten wurden von den beiden Maurermeistern Käsekamp aus Ibbenbüren und Theodor Schütte aus Hopsten durchgeführt. Zu den eben aufgeführten Gebäuden wurden in den darauffolgenden Jahren noch weitere Tagesanlagen auf dem Bergwerksgelände erbaut: Im Jahre 1839 eine Schmiede, 1840 folgte das Pulvermagazin und im Jahre 1844 wurde direkt an der Nordseite des Maschinenhauses ein Anbau für die Reserve-Dampfkesselanlage errichtet.

 Zeche Morgenstern

Auch unter Tage wurde die Zeche Morgenstern erweitert. In Richtung Osten wurde die Hauptförder- und Abbaustrecke um 100 Lachter aufgefahren. Lediglich in den ersten 84 Metern kam das Steinkohlenflöz in schöner Regelmäßigkeit vor, ehe es im weiteren Verlauf der Stollenstrecke immer wieder Verwerfungen zeigte. Zudem führte das Flöz sehr weiche Kohle. Bei dem Stollenvortrieb in westlicher Richtung wurde eine mit 67 Grad südöstlich einfallende Kluft angehauen, durch welche das Flöz ins Liegende verworfen wurde. Vor dieser Kluft war die Steinkohle sehr mager (Magerkohle), jedoch hinter der besagten Kluft wurde die Steinkohle mit jedem Meter Vortrieb erheblich besser, indem sie immer backender und fester wurde. Deshalb behielt man die Vortriebsrichtung bis zur Stilllegung der Zeche bei. Die Magerkohle, welche vor der Verwerfung gefördert wurde, diente also vornehmlich zum Aufheizen der Dampfkessel und wurde als Hausbrandkohle an die beschäftigten Bergmänner verteilt. Die stückreiche Kohle hinter der Kluft wurde verkauft. Im weiteren Verlauf der Strecken in Richtung Westen wurde alle 100 Lachter ein Bremsberg auf die Hauptförderstollensohle aufgehauen. Bis zum Jahre 1841 wurde nur das Flöz Glücksburg abgebaut. Danach wurden auch die Flöze Alexander, Bentingsbank und Flottwell angefahren.

 Förderturm

Weitere ehemalige Tagesanlagen des Morgensternschachts stammen aus der zweiten Epoche, genauer gesagt aus den Jahren 1920 bis 1928, in der die Zeche Concordia den Morgensternschacht erwarb, ihn wieder reaktivierte und ihn bis zu seiner Endtiefe von 348 Metern auf die dritte Sohle abteufte. In den 40er Jahren wurde der auf den Fotos zu sehende Schacht und Förderturm aus roten Mauerziegeln erbaut. Es gab in dieser Form nur zwei gemauerte Schachtürme in Ibbenbüren. Morgensternschacht und Rudolfschacht, wobei Letzterer 1980 abgebrochen und überdeckt wurde. In den letzten Jahren diente der Morgensternschacht nur noch zur Wetterführung der Zeche Oeynhausen, (damals noch Preussag Anthrazit) ehe er im Jahre 1979 zusammen mit dem komplettem Ibbenbürener Westfeld endgültig stillgelegt wurde.

 Pulverkammer

Reste der Zeche Morgenstern:
Fährt man die ehemalige Bundesstrasse 65 (heute L501) zwischen Ibbenbüren und Osnabrück entlang, entdeckt man als erstes den imposantesten Bau der noch vorhandenen Tagesanlagen der alten Steinkohlengrube. Ein in Malakow-Bauweise gemauerter Förderturm lockt den Interessierten direkt zum daneben befindlichen Parkplatz, welcher heute Ausgangspunkt des Bergbaurundwanderwegs 1 ist. Neben dem Förderturm befindet sich in nordöstlicher Richtung die alte Abraumhalde der Grube Morgenstern. Folgt man dem Bergbaurundweg, gibt es noch weitere Relikte der Zeche Morgenstern, sowie andere Bergbauzeugnisse der Montangeschichte der Stadt Ibbenbüren zu bestaunen.

Anreise:
Der Morgensternschacht befindet sich etwa 4 Kilometer östlich von Ibbenbüren an der Osnabrücker Strasse (L501), Ecke Morgensternstrasse (!!!). Der Bergbaurundweg wurde vom "Knappenverein Tecklenburger Land" liebevoll und ehrenamtlich hergerichtet und zeigt verschiedenste Relikte aus der Altbergbauzeit rund um Ibbenbüren, die alle im landschaftlich reizvollem Wiehengebirge versteckt sind. Die Relikte sind beschildert, und werden kurz vorgestellt. Zu sehen gibt es entlang der Wanderroute typische Bergbauzeugen wie Pingen, Bergehalden, Loren, Schachtgebäude und natürlich auch Stollenmundlöcher.


Das Team „untertage-übertage“ wünscht viel Spaß beim Wandern durch Ibbenbüren... 

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Zur Fertigstellung dieses Berichtes benötigten Olly und Björn:
- das Buch "Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau"
- mindestens eine Digitalkamera und schönes Wetter
- sowie einige Warm- und Kaltgetränke (auf Tour und vorm Rechner)

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