Luftschutzanlagen                             

Die Geschichte und Verwendung von Luftschutzbauten 1933-1945

Kurzfassung Luftschutz

Unter dem Begriff „Luftschutz“ sind alle Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Luftangriffen zu verstehen. Diese „Maßnahmen“ wurden in zwei Kategorien nach aktiven und passiven Luftschutz gegliedert und unterschieden. Zum aktiven Luftschutz gehörten alle militärischen Mittel der Flugabwehr wie zum Beispiel, die Luftraumüberwachung, der Einsatz von Jagdflugzeugen oder Flugabwehrkanonen (Flak). Der passive Luftschutz regelte alle zivilen Schutzmaßnahmen, dazu gehörten Luftschutzübungen, die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung und natürlich der Schutzraumbau (Bunkerbau). Ziel des zivilen Luftschutz war es, die Auswirkungen von Luftangriffen gegen das Reichsgebiet auf ein möglichst geringes Maß zu begrenzen. So, das war die Kurzbeschreibung. Wer es gerne ausführlicher möchte kommt nach einer kurzen Fotopause auf seine Kosten. Viel Spaß beim Lesen... 

      
Eine zum aktiven Luftschutz gehörende Flugabwehrkanone (Flak)                    Fliegerbombe im Größenvergleich zum Kleinstbunker

Die Anfänge des Luftschutzes

Bereits im Verlauf des ersten Weltkriegs zeichneten sich die Gefahren von Gas und Luftangriffen für die Zivilbevölkerung ab. Es galt als erwiesen, dass die alleinige militärische Luftraumverteidigung durch Jagdflugzeuge und Flak, keinen ausreichenden Schutz der Bevölkerung gewährleisten könne. Aus diesem Grund beschloss die deutsche Reichsführung der Weimarer Republik bereits 1927 die ersten Schritte zum Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegsfall. Das Hauptaugenmerk richtete sich bereits zu diesem Zeitpunkt auf die Gefahren von Flächenbränden durch Brandbombeneinsatz und möglichen Giftgasangriffen aus der Luft. Der wohl wichtigste Schritt in den darauffolgenden Jahren, stellte die Verknüpfung zwischen Militär und zivilen Einrichtungen wie Polizei, Feuerwehr und dem Rotem Kreuz dar. Hieraus resultierten erste kleinere Luftschutzübungen der Zivilbevölkerung mit Fliegeralarm und Verdunkelung. Desweiteren folgten Überlegungen wie die Bevölkerung wirkungsvoll vor Luftangriffen geschützt werden könnte und welche Mittel hierzu erforderlich werden würden. Die in Erwägung gezogenen Schutzmaßnahmen reichten soweit, das selbst Viehsställe gasdicht umkonstruiert werden sollten. Doch schnell kamen die Planungen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, angesichts von Massenarbeitslosigkeit und steigender Inflation. So gestaltete sich die Umsetzung der beschlossenen Maßnamen schwierig, da Gelder knapp waren und keine unmittelbare Bedrohung vorlag. Dies änderte sich schlagartig nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Der zivile Luftschutz wurde neu überarbeitet und erhielt höhere Prioritäten bei dessen Umsetzung. Im Rückblick betrachtet sprechen heute viele Fachleute von den ersten Vorbereitungen des NS-Regime auf den Krieg... 

      
Löschmittelkiste zum Einsatz gegen Stabbrandbomben (Dachboden)            Luftschutzkeller in Ibbenbüren (Danke Leo)                    

      
Notausgang eines Luftschutzkellers                                                                        Splitterschutz einer AUER Belüftunsanlage

Nach der Machtübername durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933

Bereits drei Monate nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, gab das Luftfahrtministerium unter der Leitung von Hermann Göring am 29. April 1933 die Gründung des Reichsluftschutzbundes („RLB“) bekannt. Diese Organisation war zuständig für die Ausbildung von ehrenamtlichen Luftschutzhelfern bzw. Luftschutzwarten. Ausgebildet wurden die Mitglieder des „RLB“ in Erster Hilfe, Gasschutz und Brandbekämpfung. Der Hintergrund hierfür war, die Unterstützung der Körperschaft des öffentlichen Rechts (Polizei, Feuerwehr) bei Räumungsarbeiten und Brandbekämpfungsmaßnahmen nach einem Luftangriff. Im Wohnungsbau wurden staatliche Zuschüsse nur noch dann bewilligt, wenn in das Gebäude ein Schutzraum (Luftschutzkeller) Eingebaut wurde. Am 26. Mai 1935 trat ein Gesetz zur Regelung des zivilen Luftschutzes (Luftschutzgesetz) in Kraft. Es regelte den Bau von Bunkeranlagen und deren Ausstattung. Alle Firmen die Luftschutzgüter produzierten, oder aber bunkerbauliche Patente so wie Baugenehmigungen für Schutzräume anmeldeten, mussten ihre Produkte oder Baupläne luftschutzgesetzlich genehmigen lassen. Zuständig hierfür war das Luftfahrtministerium bzw. der Reichsminister der Luftfahrt („RMdL“). Erhielten diese Fabrikate oder Entwürfe die nötige Vertriebsgenehmigung gemäß § 8 des Reichs Luftschutzgesetz, wurde dem Produkt eine sogenannte „Kenn Nummer“ bzw. „RL Nummer“ erteilt. So durften im Schutzraumbau nur noch Produkte Verwendung finden, die mit einer entsprechenden Kenn Nummer auf ihrem Typenschild ausgestattet waren.

    
Brandwache in der Speicherstadt Münster                                                              Splitterschutzzelle im Raum Münster

    
Deckungsgraben am Hüggel (Landkreis Osnabrück)                                           gesprengter Rohrdeckungsgraben in Rheine

Desweiteren konnte nun jeder Bürger durch das neue Gesetz verpflichtet werden, an den Ausbildungsveranstaltungen des „RLB“ teilzunehmen, da jedermann einer Dienst- und Sachleistungspflicht (Luftschutzpflicht) unterstand. Der Reichsluftschutzbund unterlag dem ortsansässigen Polizeipräsidenten, ihm oblag die Koordination und Leitung aller zivilen Sicherheits- und Hilfsdienste. Das Gremium der öffentlichen Luftschutzleitung, welches dem Polizeipräsidenten beratend zur Seite stand, setzte sich aus den führenden Köpfen der örtlichen Stadtverwaltungen, der Feuerwehr, dem LS Arzt, dem LS Chemiker, so wie den Leitern der Hilfsdienste zusammen. Die zivile Luftschutzführung unterstand wiederum der jeweiligen Bezirksleitung der Luftgaukommandantur unter der Führung des Reichsluftfahrtministeriums, doch dazu später mehr. Die Berufsfeuerwehr wurde im Jahr 1936 in die Polizei eingegliedert und als technische Hilfspolizei geführt. Zahlreiche Polizeioffiziere wurden in diesem Zeitraum zu Luftschutzoffizieren ausgebildet. Als weitere Maßnahmen folgten die Einstufungen von Städten nach ihrer Luftgefahr und die Einführung von Luftschutzverordnungen. Größere Firmen wurden zur Bildung eines Werksluftschutzes verpflichtet, häufig kam es in diesem Zuge zur Errichtung von volltreffersicheren Bunkern auf den Werksgeländen. Bis zum Kriegsbeginn stellten die von privater Hand der Unternehmen oder Wehrmacht gebauten Schutzräume den einzigen Volltrefferschutz dar. Für die Bevölkerung standen lediglich Luftschutzkeller, Deckungsgräben oder Splitter- und trümmersichere Sonderkonstruktionen (allesamt nicht volltreffersicher) zur Verfügung. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges am 1. September 1939, verfügte der Reichsluftschutzbund bereits über mehr als 13,5 Millionen Mitglieder, die in den Jahren zuvor indirekt auf den Krieg eingestimmt worden waren. Eine weitere Neuerung in diesen Tagen stellte die Umformung des RLB zur Körperschaft des öffentlichen Rechts dar, im späteren Verlauf des Krieges wurde die Organisation in die NSDAP eingegliedert. 

      
Luftschutzturm in Hannover für ca. 500 Personen                                                  Luftschutzturm in Wilhelmshaven

      
Marine Luftschutzturm "Norderney" (Wilhelmshaven)                                            Luftschutzturm integriert in ein Gebäude (Emden)

Die Luftflotte und ihre Luftgau Kommandantur

Zu Kriegsbeginn 1939 glaubte das Reichs Luftfahrtministerium immer noch ausreichende Schutzmaßnamen für den Fall von Luftangriffen auf des Reichsgebiet getroffen zu haben, eine verhängnisvolle Fehleinschätzung, wie sich im späteren Verlauf des Krieges herausstellen sollte. Im Vergleich wurde dem aktiven Luftschutz der Luftwaffe und Flugabwehr immer noch eine höhere Bedeutung beigemessen als dem zivilen Luftschutz. Aufgeteilt war die Luftwaffe in unabhängig operierende Luftflotten, deren Zahl bis 1944 auf sieben Anstieg. Die Namensgebung der Luftflotten folgte einer schlichten Durchnummerierung von 1 bis 6 und der „Luftflotte Reich“. Während die Luftflotten 1 bis 6 an die verschiedenen Kriegsschauplätze verlegt wurden, erhielt die „Luftflotte Reich“ den Auftrag das Reichsgebiet vor Luftangriffen der Alliierten zu schützen. Um die großen Gebiete der Luftflotten leichter befehligen zu können, unterteilte man diese in kleinere territorialwirkende Luftgau-Kommandanturen so genannten „Luftgaukommandos“. Die Aufgaben der Luftgaue bestand darin, die Mittel der Luftabwehr zu koordinieren, die Unterhaltung und Instandsetzung aller Mittel (Flugplätze & Flakbatterien) sicherzustellen. Das deutsche Reichsgebiet wurde in folgende Luftwehrkreise aufgeteilt (Änderungen im Kriegsverlauf nicht berücksichtigt).

Luftgaukommando I mit Sitz in Königsberg
Luftgaukommando „See“ mit Sitz in Kiel
Luftgaukommando III mit Sitz in Berlin
Luftgaukommando IV mit Sitz in Dresden
Luftgaukommando V mit Sitz in Stuttgart
Luftgaukommando VI mit Sitz in Münster
Luftgaukommando VII mit Sitz in München
Luftgaukommando VIII mit Sitz in Breslau
Luftgaukommando XI mit Sitz in Hannover
Luftgaukommando XII mit Sitz in Wiesbaden
Luftgaukommando XIII mit Sitz in Nürnberg
Luftgaukommando XVII mit Sitz in Wien 

      
Wandbeschriftung eines Werksluftschutzbunker in Rheine                                 Sichtscheibe einer Luftschutztür (Glück Auf Leo)

    
Luftschutzstollen in Wuppertal (Belüftungsanlage)                                                Werksluftschutzstollen bei Osnabrück

Die ersten Bombenabwürfe auf Berlin

Seit Beginn des Krieges im September 1939 flog die Royal Air Force (RAF) vereinzelte Luftangriffe auf Nord und Westdeutschland, die mit zum Teil extrem hohen Verlustraten bezahlt werden mussten. Wie verletzlich der Luftraum über Deutschland war, musste die Reichsführung allerdings in der Nacht vom 25. auf den 26. August 1940 feststellen. In dieser Nacht flog die „RAF“, als Vergeltung für den in der Nacht zuvor geleisteten deutschen Luftangriff auf London, den ersten Luftangriff auf Berlin. Zwar war die deutsche Luftabwehr auch bei diesem Angriff sehr erfolgreich, sie konnte aber nicht verhindern, dass die Bombenlast von 22 Tonnen über der Reichshauptstadt Berlin niederging. Hitler war schockiert, galt doch der Luftraum über Berlin, als die bestverteidigte Luftzone des Reichsgebiets, und es sollte noch schlimmer kommen. Die britische Luftwaffe verstärkte in den darauffolgenden Wochen ihre Luftangriffe auf Berlin und andere deutsche Großstädte. Gerieten anfangs hauptsächlich militärische Anlagen oder Produktionszentren in den Fokus der Angriffe, folgte nun immer häufiger die Bombardierung zivilgenutzter Flächen. Als Reaktion auf den ersten Luftangriff auf Berlin, befahl Hitler am 9. September den Bau von drei Flaktürmen und den dazu gehörigen Leitständen für die Hauptstadt Berlin. Durch sie sollte ein feindlicher Überflug über das Regierungsviertel verhindert werden. Ein weiterer Vorteil bestand darin, dass die Flaktürme als Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung der Hauptstadt genutzt werden konnten. Bisher galt die Forderung von volltreffersicheren Luftschutzanlagen für die Zivilbevölkerung als verwerflich angesichts der „starken deutschen Luftabwehr“. Es sollte zwingend vermieden werden, dass der Eindruck in der Bevölkerung entstehen könnte, die Machthaber hätten die Kriegslage nicht unter Kontrolle. Doch angesichts der immer massiver werdenden Luftangriffe der „RAF“, war Hitler gezwungen zu handeln, wollte er nicht den Unmut der Bevölkerung riskieren. 

      
Bunkerflur der Bunkerkirche in Düsseldorf                                                              Luftschutzraum mit  Wassereintritt

    
zu den Schutzräumen des Hochbunkers                                                                  Brandwache in einem Luftschtzturm  - Bunkermuseum Wilhelmshaven

Das Führersofortprogramm

Am 26. September 1940 ordnet Hitler erstmals den Bau von bombensicheren Luftschutzbunkern im großen Maßstab für die Reichshauptstadt an. Hinsichtlich der anstehenden Baumassnahmen wurde am 30. September eine Besprechung der verantwortlichen Personen des Luftfahrtministeriums, der Bauverwaltung und dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition (Fritz Todt) einberufen. Bei diesem Treffen betonte der „Führer“ abermals die Dringlichkeit von Bunkern für „Personen die für die Staatsführung unverzichtbar sind“. Hitler konkretisierte seine Forderungen. So sollten in Berlin zwischen 1000 und 2000 volltreffersichere Bunker mit der jeweiligen Schutzplatzkapazität von 100 Personen entstehen. Beim Bau von Luftschutzbunkern für Staatsbedienstete sei darauf zu achten, dass die Bausubstanz mindestens der Sprengwirkung einer 1000 Kg Bombe wiederstehen müsste. Desweiteren forderte Hitler den Volltrefferschutz (Verbunkerung) für Schulen, Museen und Verwaltungsgebäude. Abschließend betonte Hitler nochmals „Luftschutz sei keine Angelegenheit die bejaht oder verneint werden könne, sondern zur Auflage gemacht wird“. So wurden die ursprünglich für Berlin geforderten Baumaßnamen des Selbstschutzes bereits am 10. Oktober 1940 per „Führererlass“, welches den Namen Führersofortprogramm erhielt, auf das gesamte Reichsgebiet ausgedehnt. Das Ziel: volltreffersichere Bunker für die gesamte deutsche Zivilbevölkerung, plus die Verbunkerung von Sonderobjekten (Museen, Krankenhäuser u.s.w.). Der mit diesem Erlass verbundene Bauaufwand führte zur größten zweckgebundenen Bauwelle der Menschheitsgeschichte, und doch überstieg das Führersofortprogramm das menschenmögliche um ein vielfaches. Eigentlich hätte die deutsche Reichsführung die geplanten Baumassnahmen realistischer einschätzen müssen, brachte doch die kurz zuvor gebaute Westbefestigung (Westwall), die Bauindustrie im Bezug auf Material und Arbeitskräfte an ihre Grenzen.

    
Hochbunker in Wilhelmshaven                                                                                   Hochbunker in Lehrte am Bahnhof (entfestigt)

      
Zwei Hochbunker in Wuppertal...

Die Bunker Bauwellen

Zuerst sollten alle Luftschutzorte der ersten Klasse, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern oder kriegswichtigen Industrieanlagen in den Genuss des Führersofortprogramms kommen. Die erste Bauwelle, welche zugleich die Größte darstellte, begann im November 1940 und endete bereits ein Jahr später. Sie umfasste 61 Städte. Gebaut wurden in dieser Zeit 839 Hochbunker mit ca. 400.000 Schutzplätzen, wobei das äußere Erscheinungsbild und Fassungsvermögen der einzelnen Bunker stark variierte. Die Planungen des Selbstschutzes gingen so weit, das jeder Bunker architektonisch in das Gesamtbild des jeweiligen Standorts eingepasst werden sollte. So wurden die allerersten Bunker der ersten Bauwelle zum Teil aufwändig gestaltet und verziert. Dies hatte zum einen den Vorteil der städtebaulichen Ästhetik, und zum anderen den Vorteil der Tarnung aus der Luft (Beispiel Lazarettbunker Münster). Doch Angesichts der immer massiver angreifenden Bomberverbände der Royal Air Force, und dem enormen Bauaufwandes des Führersofortprogramms, wurde auf komplizierte Architektur im Schutzraumbau schon bald verzichtet. Als Volltreffersicher nach Bauvorschrift galten Hochbunker der ersten Bauwelle, wenn die Bausubstanz der Außenwände und Abschlussdecke aus 1,40 Meter Stahlbeton bestand. Nahezu fließend vollzog sich der Übergang in die zweite Bauwelle von Luftschutz-Bunkern, sie begann bereits Mitte des Jahres 1941. In das Schutzprogramm der zweiten Bauwelle wurden 31 Städte aufgenommen, die zusammen 500.000 weitere Schutzplätze erhalten sollten. Eine Neuerung der Bauvorschriften für Bunker des Selbstschutzes hob die Stärke des äußeren Stahlbetonmantels von ehemals 1,40 m auf 2,50 m an, da auf die immer höhere Sprengkraft der alliierten Bomben reagiert werden musste. Um die fehlende bauliche Tarnung auszugleichen, erhielten die nach Fertigstellung grauen Betonklötze häufig Tarnanstriche welche die Standortumgebung wiederspiegelten.

    
Eingangsbereich eines Luftschutzstollens                                                              ausbetonierter Luftschutzstollen

      
Werksluftschutzstollen der Henrichshütte in Hattingen                                         Werksluftschutzstollen bei Ibbenbüren

Der Bau von Luftschutzstollen

Anfang 1943 verschärfte sich die Lage der deutschen Bevölkerung und ihrer Machthaber erneut. Neben den fast schon gewohnten Nachtangriffen der „RAF“ verstärkten nun die amerikanischen Luftstreitkräfte die Bombardierung des Reichsgebiets am Tage. Dieser verschärfte Bombenterror blieb nicht ohne Folgen für das ohnehin von Materialnot geplagte Bunkerbauprogramm des Selbstschutzes. Bis Mai 1943 wurden rund 3000 Bunker fertiggestellt, das hierzu aufgewendete Betonvolumen wurde mit ca. 6 Millionen m³ beziffert. Angesichts der Kriegslage wurde die Ausweitung des Sofortprogramms auf Orte der zweiten Klasse (Städte unter 100.000 Einwohner) unumgänglich. Gleichzeitig stand man vor dem Problem des immer knapper werdenden Materials (Stahl / Zement u.s.w.). Um der Problematik einigermaßen Herr werden zu können, beschloss die Organisation Todt (OT) den Bau von Luftschutzstollen in einem Zusatzprogramm (dritte Bauwelle). Hochbunker sollten während der dritten Bauwelle nur noch dann entstehen, wenn keine alternative Möglichkeit bestand. Die größten Vorteile von LS-Stollen bestanden darin, dass zu ihrer Erstellung erheblich weniger Arbeitskräfte erforderlich waren und kostbare Baustoffe eingespart werden konnten. So brauchten häufig nur die Eingangsbereiche mit sogenannten Splitterschutzvorbauten verbunkert zu werden, um dieselbe Schutzwirkung wie bei einem Hochbunker zu erzielen. Den weiteren Schutz leistete das Deckgebirge oberhalb der Stollen. Zusätzlich wurden die Rohbaustollen durch Ausmauerung oder Betonierung vor Steinschlag aus der Firste (Stollendecke) gesichert. Die Aufteilung von öffentlichen Luftschutzstollen gleichen in vielen Fällen einem Gittergrundriss, in dem mindestens zwei parallel zueinander verlaufende Hauptstollen durch rechtwinklig aufgefahrene Querstollen miteinander verbunden wurden. Genau wie beim Bau von Hochbunkern gab es auch bei öffentlichen LS-Stollen diverse Bauvorschriften, so musste jede Stollenanlage über mindestens zwei Eingänge bzw. Ausgänge verfügen. Die Breite der Stollen war hinsichtlich der Sitzreihen geregelt, für eine Bankreihe betrug die Mindestbreite 1,80 m, für zwei Bankreihen waren 2,30 m Stollenbreite erforderlich. 

      
demilitarisierter Marinebunker in Emden                                                                 zum ehemals als Wohnhaus genutzter Hochbunker

      
als Wohnhaus genutzter Hochbunker                                                                       für den Katastrophenschutz genutzter Hochbunker

Werkluftschutz & Notluftschutzanlagen gegen Ende des Krieges

In der Zeit von 1939 bis 45 entstanden parallel zu den öffentlichen Luftschutzanlagen des Selbstschutzes unzählige LS-Anlagen auf den Werksgeländen der Industrie so wie der Reichsbahn. Die Bauarten der Bunker variierten von volltreffersicheren Hochbunkern über Luftschutztürme und LS-Stollen zu den lediglich Splitter- und trümmersicheren Deckungsgräben, Luftschutzkeller oder Brandwachen. Auch die Ausstattung der Anlagen variierte stark. Waren Bunker des Selbstschutzes in aller Regel gasdicht konstruiert und mit einer Belüftungsanlage ausgestattet, standen Werksangehörigen in manchen Fällen nur Gasmasken in ihrem Schutzraum zur Verfügung. Grade in der letzten Phase des zweiten Weltkrieges konnte der Ausbau solcher lebensrettenden Anlagen nicht mehr nach den geltenden Vorschriften geleistet werden. Aus der Not heraus wurden alle erdenklich möglichen unterirdischen Hohlräume wie Naturhöhlen, Eiskeller, Bergbaustollen, Verkehrstunnel oder alte Kanalisationsanlagen zu Luftschutzräumen umgebaut oder als solche genutzt. Gerade solche Luftschutzräume wo die Quantität vor der Qualität stand, wurden häufig zur tödlichen Falle der Insassen. Im Vergleich kamen bei den volltreffersicheren Bunkern der 1 & 2 Bauwelle verhältnismäßig wenig Menschen zu Schaden. Nach dem Willen der Siegermächte sollten alle Bollwerke nach dem Krieg, im Zuge der Demilitarisierung Deutschlands, gesprengt bzw. unbrauchbar gemacht werden. Doch angesichts der knappen Wohnungslage nach dem Krieg und des unglaublichen Aufwands der Abrissmaßnahmen, blieb ein Grossteil der Bunker erhalten. Viele der Luftschutzbunker wurden als Notquartier für Obdachlose oder als Lagerraum in der Nachkriegszeit genutzt. Eine weitere Möglichkeit die Bausubstanz eines Bunkers vor der vollständigen Sprengung zu retten, war die gezielte Entfestigung des Schutzraums. Bei diesem Verfahren wurden in die Außenhülle eines Hochbunkers mehrere meist lotrecht verlaufende Öffnungen gesprengt, damit war er als bombensicherer Schutzraum unbrauchbar und durfte erhalten werden. Heute dienen diese Relikte aus Stahlbeton den verschiedensten Zwecken, wie zum Beispiel der Nutzung als Jugendzentrum, Museum, Lagerraum, Proberaum für Musiker, oder wieder als Bunker für den Katastrophenschutz.
Man kann sie aber auch als Mahnmal der Geschichte betrachten, und dafür sorgen, dass sich so ein Wahnsinn nie wieder zuträgt...

    
zum Altenheim umgebauter Hochbunker in Wilhelmshaven                               als Jugendzentrum genutzter Hochbunker in Osnabrück (Ostbunker)

      
eine definitiv zivile Nutzung der Nische im Luftschutzbunker                               das Ende eines Hochbunkers in Wuppertal (Platz der Republik)

Rechte

Auf unzähligen Touren unterwegs - Bergmann, Damica, Eismann, Lumenmann und Kira...
Die Fotos entstanden von - Bergmann, Damica, Eismann, Lumenmann...
Der hier gelesene Text ist Bergmann aus den Fingern gefallen.
Online Arbeit - Bergmann & Lumenmann
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Und wer nun immer noch nicht genug Historie rund um das Thema „Luftschutz“ gelesen hat, findet unter unserem Hauptmenü oder im folgendem Inhaltsverzeichnis weitere interessante Berichte zu Einzelobjekten oder Bauarten von Luftschutzanlagen. Für denjenigen unter Euch, der etwas Spezielles sucht, und bei uns leider nicht fündig wurde, haben wir eine interessante Linkliste und Literatur Vorstellung zusammengestellt.
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Inhaltsverzeichnis „Luftschutz“

Überregional Bauart bezogen:
 

Luftschutztürme der Bauart Winkel

Luftschutzanlagen nach Städten: 
 
Düsseldorf - Bunkerkirche

Hamm - Luftschutztürme Widumstraße und Westentor 

Ibbenbüren / Bevergern - Das "nasse Dreieck" 

Osnabrück - Luftschutzstollen am Piesberg
Osnabrück - Luftschutzstollen „Feldstraße“

Remscheid - Hochbunker Humboldstraße
  
Rheine - Werksluftschutz am alten „Bahnbetriebswerk Rheine“

Wattenscheid - Hochbunker Wibbeltstraße
Wattenscheid - Hochbunker Marienstraße

Wuppertal - Der falsche Eduard
Wuppertal - Reichsbahn-Luftschutz in Wuppertal-Vohwinkel
Wuppertal - Tiefbunker Döppersberg



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