Luftschutz am nassen Dreieck bei Bevergern

Willkommen, liebe Leser, zur zweiten und überarbeiteten Version von "Luftschutz am nassen Dreieck bei Bevergern“. In diesem Bericht wollen wir euch die Geschichte des Kanalbaus sowie den örtlichen Schutzraumbau während des Nationalsozialismus vorstellen. Der ein oder andere unter euch wird sich sicherlich fragen, warum ausgerechnet ein kleiner Ort namens Bevergern, einem Ortsteil von Hörstel, in unseren Focus geriet. Nun, demjenigen sei gesagt, dass Kanaldreieck "Nasses Dreieck“ liegt gradezu malerisch am Fuße des Teutoburger Waldes, einer Region, die zum spazierengehen und relaxen einlädt. Dabei fanden wir In den letzten 10 Jahren eine derart große Anzahl von geschichtsträchtigen Bauwerken der Vergangenheit, dass wir sie Euch nicht länger vorenthalten wollen. Ein weiterer Aspekt ist das enorme Interesse unserer Leser in den letzten 2 Jahren. So wurde die erste Version dieses Berichts über 2.500 mal auf untertage-übertage aufgerufen. Wir möchten uns für das entgegengebrachte Interesse bedanken, indem wir eine größere Neuauflage des alten Textes hiermit publizieren. Bleibt nur noch ein herzliches Glückauf zu wünschen, und los geht’s...

 Das nasse Dreieck mit Tanker...

Die geschichtlichen Gründe des Kanaldreiecks bei Bevergern:

Mit Einsetzen der großangelegten Eisenerzverhüttung, sowie des industriellen Bergbaus im Ruhrgebiet zu Beginn des 19. Jahrhunderts expandierte die Metropole schlagartig. Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten wuchsen die Einwohnerzahlen kleinerer Orte oder Städtchen durch anwerben von Arbeitskräften um ein Vielfaches an. Dementsprechend stark erhöhte sich auch die Warenproduktion und die daraus resultierende Gütermenge des neu entstandenen Ballungsraumes an der Ruhr. Um die Erschließung des Ruhrgebiets als Lieferanten für Kohle und Stahl des deutschen Kaiserreichs zu vernetzen, gründete sich eine Vielzahl von Eisenbahngesellschaften. Parallel zum Ausbau des Schienenverkehrs begannen Mitte des 19. Jahrhunderts erste Planungen zum Bau künstlicher Schifffahrtswege um die unter Druck stehende Eisenbahn zu entlasten. Trotz aller Anstrengungen seitens der Bahngesellschaften das Schienennetz auszubauen, konnte diese die enorme Produktionsmenge des Ruhrreviers alleine kaum noch bewältigen. Hinzu kam, dass Anfang 1880 erstmals englische Importkohle der heimischen Steinkohlenindustrie Konkurrenz bereitete. Zusammen mit ausländischen Erzlieferungen für deutsche Eisenhütten sorgte die Importkohle für ein zusätzliches Güteraufkommen.

 vorne: Schleusenbecken, hinten: der Teuto...

Der Dortmund-Ems-Kanal (DEK):

Im Jahr 1892 erfolgte nach langjähriger Planung der erste Spartenstich am künstlichen Wasserlauf des Dortmund-Ems-Kanals. Die Planung und Bauausführung war auf das "750-Tonnen-Schiff" von 67 m Länge, 8,20 m Breite und 2,00 m Tiefgang ausgelegt. Dieser gewaltige Kraftakt konnte nur unter Mithilfe von ca. 4.000 Italienischen Gastarbeitern bewältigt werden. In Waltrop bei Castrop-Rauxel entstand parallel zum Kanalbau das Schiffshebewerk "Henrichenburg“, welches von der Firma Haniel & Lueg errichtet wurde. Das als Schlüsselbauwerk geltende Schiffshebewerk ist die größte und imposanteste Baukonstruktion des alten Dortmund-Ems-Kanals. Es ermöglichte die Höhenüberwindung von 14 Metern bis auf das Wasserniveau des Dortmunder Stadthafens, dabei wurden Gewichte von 800 Tonnen mühelos bewältigt. Die Einweihungsfeier des Schiffshebewerks "Henrichenburg“, sowie des Dortmund-Ems-Kanals erfolgte schließlich am 11. August 1899 durch Kaiser Wilhelm dem Zweiten. Mit Fertigstellung der Bautätigkeiten war eine 265 Kilometer lange Schifffahrtsverbindung zwischen dem Dortmunder Stadthafen und dem Seehafen Emden entstanden. Auf dieser Distanz muss ein Höhenniveau von ca. 70 Metern durch 15 Schleusen überwunden werden. 

 Blick auf den Mittellandkanal

Der Mittellandkanal (MLK):

Die ersten Planungen für den "Ems-Weser-Kanal“, der heute als Mittellandkanal bezeichnet wird, gehen auf das Jahr 1856 zurück. Bereits zu dieser Zeit wurde über erweiterte Optionen hinsichtlich der Fertigstellung des Dortmund-Ems-Kanals nachgedacht. Aus geografischen Gründen entschloss man sich die Kanalführung nördlich des Teutoburger Waldes so wie des Wiehengebirges durch die Gravenhorster Schlucht nach Osten zu leiten. Die Bauarbeiten für den Mittellandkanal begannen 1906 in zwei Bauabschnitten. Das erste Teilstück erstreckte sich von Bevergern nach Minden und wurde im Jahr 1915 fertig gestellt. Der zweite Teilabschnitt von Minden nach Hannover konnte bereits ein Jahr später der Schiffart zugänglich gemacht werden. So entstand bei Bevergern die Zusammenkunft des Dortmund-Ems-Kanals mit dem Mittellandkanal, welche im regionalem Volksmund unter dem Namen "Nasses Dreieck“ bekannt ist. Heute bildet das "Nassen Dreieck" bei Ibbenbüren den Beginn einer insgesamt 320 Km langen Wasserstraße, die bei Magdeburg in der Elbe ihr Ende findet. Auch heute noch ist der Mittellandkanal die einzige West-Ost-Wasserstraße Norddeutschlands. Er verbindet die Flüsse Rhein, Ems, Weser und Elbe miteinander, darüber hinaus können auch die osteuropäischen Wasserstraßen über die Elbe erreicht werden. 

 das nasse Dreieck bei Nacht

Alliierte Luftangriffe am Nassen Dreieck:

Auch während des Zweiten Weltkrieges spielten deutschen Binnenschifffahrtswege eine zentrale Rolle für die Infrastruktur des dritten Reiches. Sie dienten unter anderem als begleitende Nachschublinie für die Fronten, sowie als Rohstofflieferant für die Waffenschmiede Ruhrgebiet. Auf alliierter Seite wurde der Plan aufgefasst möglichst alle Reichsbahn-, und Schiffsanlieferungen mit möglichst großem Schaden zu unterbinden. Dies geschah durch massive Bombardierung von strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkten oder Einzelanlagen. So wurde auch das "Nasse Dreieck" mit seinen Brücken, Schleusen und vor Anker liegenden Schleppschiffen immer wieder Ziel alliierter Bombenangriffe. Alleine für die Region Ibbenbüren wurde rund 2.100 mal Fliegeralarm ausgelöst. Neben den Flugplätzen in Hopsten-Dreierwalde und Rheine (Fliegerhorst Hopsten: Deckname Katzbach, Fliegerhorst Rheine: Deckname Prater) wurden vor allem der Dortmund-Ems-Kanal und der Mittellandkanal von alliierten Bombern heimgesucht. Bei Birgte, einem Ortsteil von Riesenbeck (ca. 4,5 Km entfernt vom "Nassen Dreieck"), geriet der Dortmund-Ems-Kanal ins Fadenkreuz der alliierten Bomber. Im Zielgebiet des dortigen Kanalabschnitts, besaß die Kanalsohle ein höheres Niveau als die umliegende Umgebung. Der Bombenwurf beschädigte die Kanalböschung des Dortmund-Ems-Kanals so stark, dass er schließlich auslief. Eine weitere Angriffsserie auf den Mittellandkanal bei Gravenhorst wurde vom Heimatverein Hörstel vorbildlich Dokumentiert. 


Das Luftbild zeigt das Zielgebiet vor dem ersten Luftangriff...

Am 21. November 1944 erfolgte der erste von insgesamt drei Luftangriffen auf den Düker (Flussunterquerung) der "Aa“ bei Gravenhorst. Diesmal lag das Ziel ca. 1,5 km entfernt vom "Nassen Dreieck" im Mittellandkanal. Laut Zeitzeugenaussage wurde das Zielgebiet zunächst mit Magnesiumbomben markiert und kurz darauf mit Sprengbomben überzogen. Bei diesem ersten Luftangriff waren 140 "Lancasterbomber“ beteiligt, die zusammen ca. 1.400 Bomben abwarfen. Die dabei entstandenen Zerstörungen wurden auch hier, durch Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und Arbeitsdienstverpflichtungen unter Menschen unwürdigen Bedingungen am 20. Dezember 1944 behoben. Bereits 12 Tage später, erfolgte am 1. Januar 1945 der zweite alliierte Luftschlag. Diesmal kamen 152 Maschinen des Typs "Lancaster“ mit ca. 1.700 Sprengbomben zum Einsatz. Auch nach dem zweiten Luftangriff wurde der Mittellandkanal mit dem selben personellen Aufwand wieder schiffbar gemacht. Der dritte Angriff aus der Luft fand am 21. Februar 1945 statt. Wieder waren es "Lancaster-Bomber“, die ihre Bombenlast auf den Kanal bei Gravenhorst entluden. Aus 185 Maschinen fielen dieses mal ca. 2.400 Bomben der Größen 5, 10 und 20 Zentner, die ein Bild des Schreckens hinterließen. Viele der insgesamt 5.500 abgeworfenen Sprengkörper, waren mit Langzeitzündern ausgestattet und detonierten nach dem Abwurf nicht. Alleine in der Zeit von 1963 bis 1994 wurden 578 Blindgänger vom Kampfmittelräumdienst geborgen und entschärft. 


Nach dem ersten Luftangriff am 21. November 1944


Nach dem zweiten Luftangriff am 01. Januar 1945 


Nach dem dritten Luftangriff am 21. Februar 1945

Der Schutzraumbau während des zweiten Weltkrieges:

Heute, mehr als 65 Jahre nach Kriegsende, zeugen nur noch wenige Objekte von der einst so erbitterten Luftschlacht über Deutschland. Im Umfeld des "Nassen Dreiecks“ hat eine im Verhältnis relativ große Anzahl von Luftschutzbauwerken diese Zeit überdauert. Zuständig für alle Luftschutz-Maßnamen im Raum Ibbenbüren war des Luftgaukommando VI mit Sitz in Münster. Dazu zählte unter anderem der Bau von Luftschutzräumen und dessen Einrichtung, sowie die Bekämpfung von feindlichen Lufteinheiten. Um die Zivilbevölkerung, Schleusenarbeiter und Binnenschiffer vor Luftangriffen zu schützen, entstanden am Kanaldreieck mehrere kleinere und mittelgroße Luftschutzbauten. In der Not eines drohenden Angriffes wurden aber auch Naturhöhlen, Bergbaustollen oder unterirdische Sprengstofflager der Steinbruchindustrie genutzt. Ein Beispiel des Behelfsmäßigen Luftschutz gibt es (hier).

 Einer der Hochbunker im Schleusenbereich...

Das vorausgegangene Bild zeigt einen von ehemals drei volltreffersicheren Hochbunkern im unmittelbaren Kanalbereich des "Nassen Dreiecks". Sein Standort liegt am nord-westlichen Kanalufer, im Bereich der alten Schleuse. Der Bunker steht auf einem Privatgrundstück und wird augenscheinlich als Lager-, oder Unterstellraum genutzt. Ein weiterer Luftschutzbunker ähnlicher Bauart ist am nord-östlichem Ufer des Dortmund-Ems-Kanals, gegenüber der Wasserschutzpolizei, erhalten geblieben. Mit Ausnahme des rechten Splitterschutzvorbaus, welches als Mini-Lager genutzt wird, findet das Bollwerk heute keine Verwendung mehr. Im Zuge der Kanalverbreiterung, im Jahr 2003, wurde ein kleiner Teil des Hochbunkers abgerissen um Platz für den Wirtschaftsweg am Kanal zu schaffen. (Eine genauere Beschreibung dieses Luftschutzbunkers folgt weiter unten.) Der dritte Hochbunker im Bunde musste gleichermaßen seinen Standort für den Kanalausbau im Mai 2003, in Form von 1800 Kubikmetern Bauschutt, räumen. Er befand sich auf der südlich gelegenen Kanalseite des Dortmund-Ems-Kanals, an der ehemaligen "Möllersbrücke". Eine etwas größere Luftschutzanlage befindet sich ca. 1 Km westlich des Dreiecks, unweit der neuen Schleuse, an der "Westfalenstraße“ Ecke "An den Schleusen“. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um eine Mischung zwischen Tief-, und Hochbunker.

Ebenfalls auf der südlichen Kanalseite des "DEK“, im Bereich der "Kanalstraße“ und der Zufahrt zum "Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine“, existiert heute noch ein Deckungsgraben, bzw. Rohrdeckungsgraben. Eine genauere Identifizierung des LS-Bauwerks ist leider nicht mehr möglich, da beide Zugänge als illegale Müllhalde für Gartenabfälle aus der Nachbarschaft genutzt wurden. Dies ist in sofern bedauerlich, da seltenen Tierarten, wie zum Beispiel Fledermäusen, Siebenschläfern oder Feuersalamandern, ein wichtiges Winterquartier verloren geht. Aber was interessieren heute schon die Belange von Tieren, Hauptsache der Vorgarten ist sauber und "nach mir die Sintflut“ - traurig aber wahr. Doch zurück zum Thema. An der "Huckbergstraße“, gegenüber des Ausflugslokals "Am nassen Dreieck", stand bis vor wenigen Jahren ein altes Haus, in dem ein Luftschutzkeller bis kurz vor dem Gebäudeabriss erhalten war. Von solchen LS-Kellern dürfte es in der Umgebung zahlreiche Ausführungen gegeben haben. Meine Bitte an dieser Stelle: Wer von der Existenz solcher ehemaliger Luftschutzkeller weiß, Informationen hat oder gar selbst Besitzer eines Solchen ist, der möge sie doch bitte bei uns melden. (nachricht@stollenhausen.de) Gerade die Dokumentation von Luftschutzkellern gestaltet sich ausgesprochen schwierig, da sie meist in Wohnhäusern einer aktuellen Nutzung unterliegen. Informationen diesbezüglich können auf Wunsch diskret behandelt werden. Wir danken im Voraus...

 Zugänge zu den Schutzräumen...

 Rückschlagventil der Firma Anton Piller...

 Stalagmit auf Gummischlauch (ca. 30 cm hoch)...

Exemplarisch für den Luftschutz-Bunkerbau am "Nassen Dreieck", stellen wir nun einen der noch erhaltenen Hochbunker etwas eingehender vor. Der Bauzeitraum des rechteckig verbunkerten Schutzraumes datiert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die zweite Bauwelle von Luftschutzanlagen. Die äußeren Abmessungen erhielten die Maße von 30,8 x 10,4 Metern bei einer Gebäudehöhe von ca. 4,5 Metern. Die aus Stahlbeton bestehende äußere Hülle des Hochbunkers weist eine Wand und Deckenstärke von 2,0 bzw. 2,5 Metern auf. Zwei durch Splitterschutzvorbauten geschützte Zugänge führen ins Innere der ehemals volltreffersicheren Luftschutzanlage. Die innere Raumaufteilung umfasste vor dem Teilabriss 14 Räume, die durch einen Flur miteinander verbunden waren (siehe Zeichnung)

Im einzelnen kam den ca. 2,5 Meter hohen Räumen folgende Verwendung zu: Als Hauptschutzräume (1) dienten acht gleichgroße Zimmer (Zellen) mit den Abmessungen von 2,2 x 2,3 Metern. In diesen Parzellen befinden sich zahlreiche rostige Fragmente alter Hacken und Befestigungen in den Wänden, sowie unter der Decke. Die vorgefundenen Spuren lassen den Verdacht aufkeimen, dass hier ein ähnliches Sitz-Liegekonzept zum tragen kam, wie es zum Beispiel beim Westwall oder Atlantikwall praktiziert wurde. Zur Notdurftbewältigung standen den Insassen zwei Toilettenräume (2) mit je zwei WC’s zur Verfügung. Es ist davon auszugehen, dass die 2,2 x 3,0 Meter großen Toilettenräume nach Frauen-, und Männerabort unterteilt waren. Außer den Schamwandabtrennungen der einzelnen Toilettenkabinen (1,05 x 1,05 Meter) wurde hier je ein Kamin zur Rauchgas- Abführung der zwei im Hochbunker befindlichen Öfen (3) integriert. Die Öfen selbst befanden sich an den jeweiligen Kopfenden des 13,3 Meter langen Verbindungsflurs (4), nahe den Toilettenanlagen. Als Brennmaterial wurde wahrscheinlich Holz oder Anthrazitkohle der örtlichen Ibbenbürener Steinkohlenzechen genutzt. Zum Schutz eines möglichen alliierten Giftgasangriffes war der Bunker vollkommen Luftdicht konzipiert. Die notwendige Luftversorgung der Schutzsuchenden erfolgte im Angriffsfall durch ein Filter-, und Lüftungssystem des Herstellers „Anton Piller“ aus Osterode am Harz. Die hierzu erforderlichen Lüfter sowie Kohlefilter fanden ihren Platz im Technikraum (5), direkt hinter den Eingangsgasschleusen (6). Leider wurden so gut wie alle Einrichtungsgegenstände nach dem Krieg demontiert und entfernt. So stützen sich unsere Erkenntnisse auf die noch vorhandenen Spuren ehemaliger Einbauteile. 

     

Lichtspiele im Luftschutzbunker...                                                                      Ofenrohranschluss in Bunkernische...

Relikte der Flugabwehrstellungen (Flak) am Kanaldreieck:

Als Prävention vor alliierten Luftschlägen wurden bereits im Juli 1943 Flugabwehrstellungen im Bereich von Hörstel und Ibbenbüren rund um die Uhr besetzt. Neben den regulären Flaksoldaten kamen dort vor allem ältere Männer und jugendliche Flakhelfer zum Einsatz. Das Auffüllen der Flakeinheiten mit Minderjährigen (häufig Hitlerjugend) und Greisen war gängige Praxis der so genannten "Heimatflak“. Wie in fast allen deutschen Städten wurden auch alle wehrfähigen Männer Ibbenbürens zum Kriegsdienst eingezogen. Die Ausnahme bildeten kleine Kinder, Frauen und Bergmänner, da letztere für die Energieversorgung des Reichs unentbehrlich waren. Die Tatsache, dass selbst 14 jährige Jungen gegen Ende des Krieges eingezogen wurden, um das Tausendjährige Reich zu verteidigen, zeigt deutlich auf, wie Menschenverachtend das NS-Regime handelte.

 Flakfundament am Dortmund-Ems-Kanal

Einen Hochbunker als solchen zu entlarven dürfte den meisten Menschen wohl nicht sehr schwer fallen. Bei den Überresten alter Flugabwehrstellungen könnte es dann schon ein bisschen schwieriger werden. Dies liegt unter anderem daran, dass von den ohnehin kurios wirkenden Überresten, meistens nur noch wenige Betonfragmente oder unauffällig wirkende Fundamentreste erhalten sind. Nach Willen der alliierten Siegermächte sollte Deutschland nach Kriegsende systematisch Demilitarisiert werden um erneute Aggressionen auszuschließen. Die praktische Umsetzung erfolgte zunächst in der Demontage und Sicherstellung von Flakgeschützen mitsamt dazugehöriger Munition. Im zweiten Schritt sollten alle zur Flak gehörenden Befestigungsanlagen zerstört und beseitigt werden. So gerieten die letzten verbliebenen Zeugnisse der ehemaligen Flugabwehr, frei nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ mehr und mehr in Vergessenheit. Und dennoch verbergen sich, versteckt im Wald, oder eingewachsen unter Sträuchern, die längst vergessenen Spuren dieser Waffengattung.

 Beton im Wald - diesmal ein Flakstern...

So fanden wir im Zuge unserer Spaziergänge rund um das "Nasses Dreieck“, zwei zur Flakverteidigung gehörende Flaksterne. Bei einem so genannten "Flakstern“ oder auch "Strahlenfundament“ handelt es sich um eine spezielle Fundamentkonstruktion, die ihre bevorzugte Verwendung im Münsterland sw., und im Osnabrücker Land erhielt. Diese Fundamente dienten dem Holzständerwerk eines überdimensionierten Hochstandes für eine 20 Millimeter Flugabwehrkanone als tragfähige Gründung. In luftiger Höhe, teilweise oberhalb der Baumwipfel, besaß die leichte Flak einen stark erweiterten Aktionsradius um 360° zur Bekämpfung der Tiefflieger. Häufig befanden sich in der Nachbarschaft einer solchen Stellung, gleich mehrere dieser erhöhten Flakstände. Betrachtet man das Umfeld der Flakfundamente genauer, kommen häufig Löschwasserteiche oder Munitionsbunker bzw. Stollen im näheren Einzugsgebiet vor. So auch am Kanaldreieck bei Bevergern. Das vorangegangene Foto zeigt ein unzerstört erhaltengebliebenen Flakstern, in dessen Nähe sich ein ehemaliger Löschwasserteich befindet. Die äußeren Abmessungen der Betonstruktion betragen 10,9 x 10,9 Meter. Das innere Quadrat kommt auf die Maße von 5,5 x 5,5 Meter, bei einer Fundamentbreite von 0,5 Meter (siehe Zeichnung).

Rechte:

Auf Spurensuche waren – Olly, Micha, Markus, & Björn mit Grubenhund Kira
Bilddokumentation – © Björn & Olly 2005-2010
Zeichnung Hochbunker 1:125 – © Björn 2006 // neu 2010
Zeichnung Flakstern (Flakfundament) 1:75 – © Björn 2010
Recherche und Bericht 2008 (auch zweite Version 2010) – © Björn
Informationsgewinnung – Stadtarchiv Ibbenbüren // Stadtarchiv Münster // Ibbenbürener Volkszeitung (I.V.Z.) // Buch: "Heimat unter Bomben“ ( Willi Riegert)
Publiziert auf – ©www.7grad.org 2005 (hier) & ©www.untertage-übertage.de, 2008 – 2010



PS:

Danke „DE“, für ihre intensiven Bemühungen, für uns Werbung beim Wasser & Schifffartsamt Rheine zu tätigen (Gästebucheintrag vom 06.07.2008, 22:34 Uhr). Ich sehe ihren Eintrag in dem besagtem Gästebuch mal als Lob an, denn Neid erarbeitet man sich ja bekanntlich. Sie hingegen können sich unseres allgegenwärtigen Mitleids, dass Sie übrigens von uns geschenkt bekommen, sicher sein. Die Tatsache das Sie ( "Luftraum über Bramsche“ <<Google>> ) sich hinter einem Pseudonym verstecken mussten, zeugt wieder einmal vom mangelndem Rückgrat ihrer Person. Zur Info: Der besagte Bunker stand in den Jahren 2005 & 06 offen, also in dem Zeitraum, als unsere Bilddokumentation, sowie das Ausmessen der Anlage erfolgte. Ihre Anfrage auf eventuelle Nutzungsrechte unserer Bilder, Zeichnungen und Texte wird nach wievor verneint. Noch einmal und für Sie („DE“) zum mitschreiben: Für Rechtsradikale oder Rechtsoffene Personen gibt es keinen Platz oder Raum auf untertage-übertage.de. Finden Sie sich endlich damit ab.

Mit freundlichen Grüßen: Das Team untertage-übertage...