(kein) Hochbunker an der Siedlungsstraße in Wuppertal (mehr)



In Wuppertal wurden 10 Hochbunker (ohne Winkeltürme und Werkluftschutz) erbaut, wovon heute nur noch zwei Stück im Original erhalten sind. (Hochbunker Große Hakenstraße und Schusterstraße) Ein weiterer Bunker wurde Teilentfestigt und beherbergt heute Proberäume für die Nachwuchskünstler von Morgen. Die restlichen Hochbunker in Wuppertal wurden abgerissen, zum Wohnhaus oder zur Ruine umgebaut. Tja, manche Leute denken, nur WHV ist Abrisshaven, aber auch bei uns sieht es nicht viel besser aus. Ich sage nur: Abrisstal! Nur gut, dass man Stollen nicht so einfach abreissen kann. Dann bleiben uns wenigstens unsere Luftschutzstollen erhalten, hahaha.
Das betonierte Objekt, um welches sich in diesem Bericht handelt, befand sich an der Siedlungsstraße 29 auf dem Sedansberg in Barmen. Intern wird der Hochbunker auch "Schweinebunker" genannt, denn beim ersten Besuch grunzte uns ein liebes Hängebauchschwein, welches auf dem Grundstück lebte, an. Das Wachschwein wurde von uns mit Möhren bestochen, so dass es uns daraufhin den Rest des Tages überall hin folgte.

Wuppertal war Luftschutzort 1.Ordnung. Unser Luftschutzbunker an der Siedlungsstraße wurde in der zweiten Bauwelle, zusammen mit den beiden erhaltenen Bunkern und dem am Platz der Republik (ebenfalls abgerissen) gegen Ende 1942 erbaut. Wuppertal hatte drei Luftschutzbauwellen.
1. Bauwelle: (1940/1941) alle Tiefbunker, HB Metzmachersrath, HB Schwelmer Straße und HB Münzstraße, sowie die Groß-Stollenanlage in Elberfeld West, welche später (1944) auch als Untertage-Verlagerung genutzt wurde. In der 3. Bauwelle (ab 1943) wurden noch die Hochbunker am Ascheweg, in der Hünefeldstraße und der OP-Bunker in Barmen errichtet, ansonsten "nur" noch hunderte von Luftschutzstollen. Komischerweise lagen alle Hochbunker in Wuppertal rechtswupperisch, also in den nördlichen Stadtteilen und Siedlungen von der Wupper aus gesehen. Bis auf den Hochbunker in Ronsdorf.

Nachdem der Hochbunker an der Siedlungsstraße in Wuppertal-Barmen ein Alter von 69 Jahren erreicht hatte und somit eigentlich schon seinen letzten Lebensabschnitt im Rentenalter genießen sollte, wurde mit dem Umbau begonnen. Die ersten Pläne gab es schon ein Jahr zuvor – 2011 - ihn zu einer Seniorenresidenz mit integrierten Parkhaus umzubauen. Die Entkernungsarbeiten fanden statt, doch dann ruhte die Baustelle für 3 Jahre und nichts weiter passierte. Erst im Jahre 2014 begannen die Bauarbeiten von Neuem und der Bunker wurde fast komplett beseitigt. Nur die Bodenplatte und die südlichen Aussenwände im Hang blieben erhalten und dienen heute als (LS-) sichere Wand und Fundament für den neu gebauten Wohnpark.

Das Besondere an dem dreigeschossigen Hochbunker war seine Bauform ansich. Er wurde in Hanglage errichtet, so dass sich bei Fertigstellung zwei nördliche Eingänge im Erdgeschoss und ein weiterer Eingang in der dritten Etage (Südseite) befand. Bedingt durch die Hanglage ist das Besondere an diesem Luftschutzbunker, dass alle Wandstärken in allen Ebenen stark variieren. Die Aussenmaße des Bunkers waren 15 x 37 Meter. In der untersten Etage hatte die nördliche Aussenwand eine Stärke von 1,80 Metern, welche sich auch bis zur Dachfirste durchgängig hochzog. Die südliche Aussenwand im Hang hatte nur eine Stärke von 20 Zentimetern. Die östliche Wandstärke war im freiliegenden Bereich ebenfalls 1,80 Meter stark, verjüngte sich allerdings nach 5,90 Metern auf 20 Zentimeter. Die westliche Aussenwand war auf der kompletten Länge 1,10 Meter stark.

In der zweiten Etage waren die östliche und westliche Wand jeweils 1,10 Meter mächtig, wobei die östliche Wand im aussenliegenden Bunkerbereich erneut eine Wandstärke von 1,80 Metern auf 5,90 Metern Länge aufwies. Die Hangseite hatte eine durchgängige Stärke von 1,40 Metern.

In der obersten Etage hatte der Hochbunker bis auf die Westseite (1,10 m) eine Rundumstärke von 1,80 Meter Stahlbeton. Die Deckenstärke betrug ebenfalls 1,80 Meter.

Noch eine weitere Besonderheit war auch der kleine Vorbunker für den Bunkerwart, wovon es in Wuppertal aber auch mehrere gab. Leider ist auch dieser kleine LS-Bunker beseitigt worden.

Tja, und nun ist der Hochbunker an der Siedlungsstraße endgültig Geschichte. Ein Stück Zeitgeschichte wurde für immer vernichtet. Wir besuchten und fotografierten den Bunker 2007, 2011 und 2015 – also alle 4 Jahre. Alle Fotos in dem nun folgenden Block sind von Bergmann und Eismann. Danke an Heinrich für die Befahrung. Auf Bunkerexkursion waren Bergmann, Eismann und Schlufine. Dieser kleine Bericht stammt von Eismann...

© untertage-übertage, 2015

(Die letzten) Fotos:

Der "Vorbunker" für den Bunkerwart

Gesamtansicht Hochbunker Siedlungsstraße

Luftschutzbunker in Wuppertal-Barmen

Bombensicherer Eingang in der oberen Etage

Westseite des Luftschutzbunkers

...in Hanglage

Hochbunker Wuppertal

Siedlungsstraße mit Bunker

Luftfilter im Hochbunker

Flur im 2. OG mit Bunkerzellen

Reste der Lüftereinheit im Hochbunker

Treppenhaus im Luftschutzbunker

Zugang zu den Luftschutzräumen

Aborträume im Hochbunker

Flur im Untergeschoss

Druckschutztür im Treppenhaus

Wassertank im Bunker

Gasschutztür

Hersteller: Josef Bauer, Essen

Reste im Lüfterraum

Wohnen statt Luftschutz

Beseitigter Hochbunker...

Original Bunkerwand im Vordergrund

Bunker-Beton als Fundament

RIP

Beton muss her - oder weg...

Befahrer: Bergmann, Schlufine und Eismann