Altbergbau in Sprockhövel - Zeche Herzkämper Mulde

Die Herzkämper Mulde befindet sich in Sprockhövel-Gennebeck an der Grenze zu Wuppertal. In der landschaftlich reizvollen Umgebung befand sich der südlichste und westlichste Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets. Schon sehr früh begann hier, in der Herzkämper Mulde der Steinkohlenbergbau. Die erste Erwähnung von Kohlengruben stammte aus den Jahren 1450 und 1470. Die älteste erhalten gebliebene Urkunde wurde im Jahre 1547 niedergeschrieben. Nachdem das Steinkohlenflöz "Geitling", welches hier an mehreren Stellen zu Tage tritt, entdeckt wurde, begann man zunächst mit dem oberflächennahen Abbau der Kohle. (Schurfbau) Noch heute zeugen zahlreiche Pingen von dem einst einfachem Bergbau. Bereits vor dem Dreißig-Jährigen Krieg begann man in der Herzkämper Mulde schon mit dem sonst noch unüblichen Stollen-(ab-)bau. Zwischen den Jahren 1650 und 1760 erlebte der Kohlenbergbau in Gennebeck eine beträchtliche Ausdehnung.

Der Stollenbergbau durchzug die Berghänge bis die Kohlenvorräte erschöpft waren. Danach wurde an tieferer Stelle ein neuer Stollen ins Gebirge getrieben und wenn diese Kohlenflöze abgebaut waren, wiederholte sich das Spielchen, bis man letztendlich die Talsohlen erreicht hatte. Doch je länger und tiefer die Stollen angelegt wurden, um so mehr hatten die Bergleute ärger mit dem Grubenwasser. Ein stetig steigender Grundwasserspiegel und Regenwasser, welches durch den Berg sickerte, erschwerten zunehmend den Abbaubetrieb. Deshalb wurden in der Talsohle zunächst Ackeldrufte angelegt, später auch größere Stollen, die sogenannten Erbstollen. (Ackeldruft = kleine niedrige Stollen und Gräben zur Wasserlösung - siehe auch hier ) Die Erbstollen dienten zur Wasserlösung der Bergwerke. Sie wurden so tief wie möglich im Tal angesetzt und hatten kaum Gefälle, damit sie die Gruben möglichst tief unterquerten. Folgende drei Erbstollen wurden in der Region "Herzkämper Mulde" angelegt:

1. Kressieper Erbstollen
2. Herzkämper Erbstollen
3. Dreckbänker Erbstollen

Es gab noch eine Vielzahl von weiteren Stollen in der Herzkämper Mulde, aber die drei wichtigsten Wasserlösestollen werden hier noch einmal genauer vorgestellt:

Kressieper Erbstollen: (auch Christsieper Erbstollen)

Der Wasserlösestollen wurde zwischen den Jahren 1745 und 1826 aufgefahren. Der Kressieper Erbstollen hat eine Gesamtlänge von 1.800 Metern, wovon 150 Meter als Rösche angelegt wurden. Auf den Stollen wurden 6 Lichtlöcher geteuft, wobei 5 Lichtlöcher seiger und Eines tonnlägig erbaut wurde. Letzteres zog sich durch das Flöz Wasserbank. Der gesamte Stollen wurde mit Schlägel & Eisen aufgefahren und steht ohne weiteren Ausbau im standfestem Gebirge. Der Kressieper Erbstollen dient auch heute noch als Wasserlösestollen.

  Stollenmundloch

Herzkämper Erbstollen:

Der Herzkämper Erbstollen hat eine Länge von 3.200 Metern. Das Mundloch befindet sich in Elfringhausen. Der Wasseraustritt beweist, daß er noch immer als Wasserlösestollen der alten Gruben dient. Der Herzkämper Stollen wurde zwischen 1774 und 1826 erbaut und verläuft unterhalb des Christsieper Stollens. Er hatte 12 seigere Lichtlöcher und das 13te Lichtloch war, wie beim Kressieper Erbstollen ebenfalls tonnlägig und im Flöz Wasserbank (auch Flöz Hohebank) geteuft.

  Lichtloch des Herzkämper Erbstollens

Dreckbänker Erbstollen: (auch Trapper Erbstollen und Schlebuscher Erbstollen)

Der Dreckbänker Erbstollen hat eine Gesamtlänge von 15.000 Metern und ist somit der längste Wasserlösestollen in Nordrhein-Westfalen. Das Mundloch befindet sich in Wetter an der Ruhr. Der Stollen unterquert die gesamte Bergbauregion Sprockhövel und endet bei Wuppertal-Nächstebreck. Erbaut wurde das gigantische Stollenprojekt zwischen den Jahren 1739 und 1902. Bis 1882 wurde auch Kohle und Erz im Dreckbänker Stollen abgebaut. So quasi nebenbei - beim Stollenvortrieb.

Die Stollenrösche mit starkem Wasseraustritt befindet sich ca. 100 Meter vom Mundloch entfernt. Die größte Teufe beträgt 175 Meter unterhalb der Erdoberfläche. Insgesamt wurden 13 Steinkohlezechen durch den Dreckbänker Erbstollen gelöst. Einige davon waren die Zechen: Dachs & Grevelsloch, Neuglück, Sieper & Mühler, Sankt Peter, Vereinigte Glückauf, Vereinigte Stock & Scherenberg und Vereinigte Trappe.

 Stollenmundloch mit Gerätekammer

Die drei Wasserlösestollen entwässerten das Kohlenrevier und hatten, wie wir eben schon erfahren haben, in unregelmässigen Abständen ein Lichtloch zur Bewetterung und Kontrolle der Stollen. Im Jahre 1843 entstand die neugegründete Gewerkschaft Dreckbänker Erbstollen, an der fast alle Bergwerke im Gebiet Gennebeck und Haßlinghausen beteiligt waren. Durch den Bau der Erbstollen blühte der Bergbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Viele Kleinzechen vereinigten sich. So entstand zum Beispiel die Zeche Mühler & Sieper, welche wiederum mit der Steinkohlenzeche Glückauf im Jahre 1889 konsolidierte. Daraus hervor ging die Zeche Herzkämper Mulde. Auch ein neuer Schacht wurde geteuft. Der (neue) Schacht Hövel in Schee nahm 1894 die Kohlenförderung auf und löste den nun überflüssig gewordenen Förderschacht Heinrich der ehemaligen Zeche Glückauf ab.

Die Grube erziehlte 1897 eine Förderung von 62.000 Tonnen Steinkohle bei einer Belegschaft von 307 Beschäftigten. Danach, im Jahre 1899 erfolgte die Konsolidation mit der Zeche Vereinigte Stock & Scherenberg. Der erneute Zusammenschluss der Kohlengruben führte dazu, daß sich wieder der Name änderte. Ab 1902 hieß das Steinkohlenbergwerk nun Zeche Deutschland. Die höchste Förderung von Steinkohle erziehlte die Zeche Deutschland im Jahre 1913. Die 1.275 Beschäftigten förderten gut 386.000 Tonnen aus dem Inneren des Berges zu Tage. Dann folgte die erneute Stilllegung von Förderschächten im Herzkämper Raum. Die Förderung der Steinkohle erfolgte nun durch die drei verbliebenden Schächte: Beustschacht, Schacht Hövel und Schacht Ulenberg.

Zuvor wurde noch der Bau eines Wasserhaltungsschachts in Angriff genommen, welcher die Unterbaue unterhalb der Dreckbänker Stollensohle entsümpfen sollte. Der Wasserhaltungsschacht war blind und wurde 1903 niedergebracht. 1912 wurde die Zeche Deutschland von der Gewerkschaft "Vereinigte Constantin der Große" übernommen. Die Kohlenförderung lief noch gut 12 Jahre bis es 1924 im Schacht Ulenberg zur Betriebseinstellung kam. Ein Jahr später wurden auch die restlichen Schächte in Haßlinghausen und in der Herzkämper Mulde stillgelegt. In den Folgejahren wurden die Tagesanlagen mit den Fördergerüsten abgerissen und so endete ein Stück Bergbaugeschichte in unserer Region...

Im Bergrevier "Herzkämper Mulde" unterwegs waren:
Schlufine und Eismann
Fotogafien von Stollen, Lichtlöchern, Halden, Pingen, Bergen und Wald:
Eismann
Recherche und Berichterstattung "Altbergbau in Sprockhövel - Teil 1":
Eismann

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