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Altbergbau in Essen - Tour 1: Essen-Heisingen 

 Graffiti mit Bergbau-Motiv in Essen-Heisingen

Glück Auf!

Essen, Metropole im Ruhrgebiet, wo einst Kohle und Stahl regierte. Schon oft zog es uns in die Großstadt im Ruhrpott. Von den ca. 1.000 Steinkohlezechen in Essen sind heute nicht mehr viele übrig. Doch die wenigen Relikte aus der Bergbauzeit sind und waren immer ein beliebtes Ausflugsziel von uns. Ebenso die Zeche Zollverein, dass Weltkulturerbe, wird in unregelmäßigen Abständen von uns aufgesucht und fotografisch eingefangen. Apropos Fotografiert: Der nun erste Bericht über den Essener Berbau, also dieser hier, führte uns (und euch natürlich auch) in den Stadtteil Heisingen im Essener Süden, direkt am Naherholungsgebiet Baldeneysee, einem Stausee der Ruhr, gelegen. Auch dort gibt es einiges an alten Bergbaurelikten zu entdecken. Die vorliegenden Berichte wurde übrigens in umgekehrter Reihenfolge geschrieben, als wie wir die Tour an einem der ersten sonnigen Tagen in diesem Jahr erlebt hatten.

Viel Spass nun mit dem Altbergbau in Essen-Heisingen, Eismann...

 Stollenmundloch gefunden...

Zeche Vereinigte Flor & Flörchen:

Diese Steinkohlenzeche bestand unter Anderem aus den beiden Kleinzechen "Stollen Voßhegge" und "Angelika-Stollen", welche nun hier vorgstellt werden.

Zeche Voßhegge:

Die Kleinzeche Voßhegge (auch Voßhecke) befand sich an der Wuppertaler Straße in Essen-Heisingen. Sie wurde bereits um 1830 herum als kleiner Tagebaubetrieb gegründet, ehe die Zeche Voßhegge 1847 neu angelegt wurde und zum untertägigen Stollenbau überging. Zu diesem Zweck wurde ein Stollen, der Voßhegge-Stollen von dem Steinbruch an der Ruhr aus ind Steinkohlengebirge vorgetrieben. Zwei Jahre später, 1849, war der Stollenbetrieb in vollem Gange und die Belegschaft von 41 Bergleuten förderten gut 5.000 Tonnen Eßkohle pro Jahr zu Tage. Im Jahre 1871 wurde der kleine Stollenbergbau von der Nachbarzeche, welche ihr Stollenmundloch keine 50 Meter entfernt hatte, übernommen. Das benachbarte Bergwerk hieß Flor & Flörchen, doch dazu kommen wir gleich noch. Die Zeche Voßhegge stand noch bis 1950 in Steinkohlenförderung, ehe sie im selben Jahr stillgelegt wurde. Ein Jahr später ist die kleine Stollenzeche nochmals für ein Jahr in Betrieb genommen worden. In diesem Jahr, zwischen 1951 und 1952 waren 115 Kumpel auf der Grube beschäftigt. Diese förderten rund 14.000 Tonnen Steinkohle ans Tageslicht. Der Stollen Voßhegge wurde von Azubis der Gesteins- und Tiefbau GmbH aus Recklinghausen restauriert, so dass heute ein tolles Relikt aus der Frühzeit des Essener Bergbaus in Heisingen besichtigt werden kann.

 Essener Bergbaustollen

 Flöz

Zeche Flor & Flörchen - Angelikastollen:

Als die Bauern Butenberg und Linnemann aus Heisingen mit dem Kohleschürfen begannen, hatten ihre kleinen Bergwerke die Namen Flora und Fledermaus. Das war 1779. Später schlossen sich die beiden Steinkohlebergwerke zusammen und aus ihnen entstand das neue Bergwerk Flor & Flörchen. Im Jahre 1867 wurden zwei weitere Bergwerke angeschlossen. Das waren die Zechen Rudolph und Neu-Dülmen. Schon wenige Jahre später, 1872, erfolgte eine weitere Konsolidation mit den Steinkohlegruben Mühlmannsbänkchen und Mühlmanns Dickebank. Das so neu entstandene Verbundbergwerk erhielt nun entgültigen Namen "Zeche Vereinigte Flor & Flörchen". Die Grube förderte noch bis zum Jahre 1885 die Steinkohle, ehe das Bergwerk in Konkurs geriet und die Stilllegung unaufhaltsam war. Heute erinnert noch das Stollenmundloch des Förderstollens "Angelika" an den alten Grubenbetrieb in Essen-Heisingen.

 Verladeanlage mit Kreiselkipper

 Angelika-Stollen der Zeche Flor & Flörchen

Zeche Carl Funke:

Das Steinkohlenbergwerk "Carl Funke" war keine neu angelegte Grube, sondern sie entstand durch Umbenennung. Als die Schächte 1 und 2 abgeteuft wurden, das war in den Jahren 1872 bis 1875, hieß das Bergwerk noch "Heisinger Tiefbau". Nach einigen hin und her schloss sich die Zeche Heisinger Tiefbau der neu gegründeten "RWKS" (Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat) an und teufte 1896 einen weiteren Schacht ab. Dieser ging 1899 in Förderung und seit diesem Zeitpunkt an, hieß das Steinkohlenbergwerk im Essener Süden "Zeche Carl Funke". Der Name Carl Funke stammt von dem damaligen Vorsitzenden im Aufsichtsrat der Rheinischen Anthrazit-Kohlenwerke AG, der logischerweise Carl Fuke hieß. Er lebte von 1855 - 1912. In den Jahren 1907 und 1908 wurden die untertägigen Durchschläge mit den Tiefbauzechen "Vereinigte Pörtingssiepen" und "Gottfried Wilhelm" hergestellt.

 Schienen der Grubenbahn (Gestänge)

 Stollenmundloch der Zeche Carl Funke

1909 wurde noch ein zusätzlicher Wetterschacht abgeteuft. Das Grubenfeld hatte somit eine Größe von 4,7 km² und die jährliche Kohlenförderung betrug im Jahre 1910 etwa 281.000 Tonnen Steinkohle. Diese beachtliche Menge wurde von den 945 Kumpels, welche im besagten Jahr auf dem Pütt am malochen waren, gefördert, gewaschen, gebrochen, verladen, usw... In den folgenden 20 Jahren expandierte die Steinkohlenzeche stetig, so dass sie 1930 eine jährliche Förderung von 416.000 Tonnen zu verzeichnen hatte. Auf dem Bergwerk arbeiteten nunmehr 1.543 Kumpels. Ein Jahr darauf wurde die Zeche "Prinz Friedrich" übernommen. Das Bergwerkseigentum, also das Nutzungsrecht an den zur Zeche gehörenden Grubenfeldern, hatte nun eine Größe von 11,5 km². Die Kohleförderung stieg in den Folgejahren nochmals an und erreichte im Jahre 1954 die höchste Fördermenge von 617.000 Tonnen Steinkohle. Ebenso die Belegschaft der Zeche hatte in diesem Jahr einen Höchststand von 2.450 Personen.

1957 wurde der letzte Schacht (Schacht 4) der Zeche Carl Funke abgeteuft. Dieser wurde auf dem Ostfeld (Essen-Kupferdreh) niedergebracht und erreichte 1959 seine Endteufe von 675 Metern, ehe er im selben Jahr noch in Betrieb ging. Im Jahre 1960 förderten die 2.393 Beschäftigten des Bergwerks gut 566.000 Tonnen Kohle zu Tage. Im Jahre 1967 endete die Geschichte der Grube Carl Funke in Essen-Heisingen. Das Bergwerk wurde noch nicht stillgelegt, sondern bestand zwischen den Jahren Jahren 1967 und 1973 noch weiterhin als Verbundbergwerk "Zeche Vereinigte Pörtingssiepen und Carl Funke". In dieser letzten Epoche des Bergwerks besaß die Grube acht Schächte und erreichte eine erneute Höchstförderung im Jahre 1971. Rund eine Million Tonnen Steinkohle wurde in diesem Jahr aus dem mittlerweile auf 53 km² Größe angewachsene Grubenfeld gefördert. Danach wurden die Schächte verfüllt und die Tagesanlagen zum größten Teil abgebrochen.

 Fördergerüst

Heute erinnert noch ein Deutsches Strebengerüst in Fachwerkbauweise mit übereinander liegenden Seilscheiben an die Zeche Carl Funke in Essen-Heisingen. Das Fördergerüst wurde 1921 erbaut. Es hat eine Höhe von 42 Metern und steht über dem 1896 abgeteuften Carl-Funke-Schacht. Zusammen mit dem 1841 aus Bruchstein errichteten Maschinenhaus gehört das Fördergerüst zu den letzten Zeugen einer langen Bergbautradition in Essen-Heisingen und ist ein Teil der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet...

 Carl-Funke-Schacht

 Maschinenhaus

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