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 Altbergbau in Oberhausen – Zeche Concordia

Glückauf, liebe Freunde. Heute will ich mal aus dem Nähkästchen plaudern und euch eine schon recht seltsame Tour, welche ich letztens erlebt habe, vorstellen. Eines kann ich euch sagen, es ist nicht immer einfach ein Montanhistoriker oder Bunkersportler zu sein. Aber lest selbst:

Irgendein Freitag im Juni 2015: Ich hatte meinen "freien Abend" und wollte wie so oft noch etwas unternehmen. Die Sonne schien ohne Er(Ober-)barmen und ich fühlte mich wie eine Scheibe Toastbrot zwischen den roten Heizdrähten in einem eingeschalteten Toaster. Der Toaster ging aus und wie das fertige Toastbrot sprang ich auf, um an diesem wundervollen Tag noch einen kleinen Ausflug zu machen. Ich nahm meine "to-do-Liste" zur Hand, schloss die Augen und ließ meinen gestreckten Mittelfinger der rechten Hand entscheiden. Als ich meine Augen wieder öffnete, tippte mein Finger auf die Worte "Zeche Concordia". Okay, dachte ich, schnell noch die Kamera, einen Stadtplan und etwas zu trinken in meinen Rucksack eingepackt und los ging es in Richtung Oberhausen. Da ich in der S-Bahn noch schnell den Stadtplan von Oberhausen auswendig gelernt hatte, fand ich das Gelände der ehemaligen Steinkohlen-Zeche Concordia auch sofort. Erstens ist es ja nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt und zweitens verrieten mir die Staßennamen, dass ich auf dem richtigen Weg war. Doch von der Kohlengrube war nicht mehr viel zu sehen. Auf dem größten Teil der Zeche befindet sich heute ein Einkaufscenter und ein Industriegebiet. Doch ich hatte richtig Glück. Auf einem kleinem Geländeabschnittder Zeche Concordia ,welcher frei zugänglich war, befanden sich noch einige Tagesanlagen der Grube, welch allesamt mit Graffitis verschönert wurden. Und ich war nicht der einzige Bergbaufreund vor Ort. Auf dem Vorplatz der Grubengebäude befanden sich bestimmt 80 – 90 andere Montanhistoriker, welche alle wahrscheinlich auf eine Führung oder so warteten. Na gut, die Bergbaufreude aus Oberhausen sahen auch alle irgendwie ein wenig "komisch" aus, aber ich bin mit den Geflogenheiten aus Oberhausen auch nicht so vertraut, so dass ich mir keine weiteren Gedanken machte. Seltsam war auch, dass so ziemlich alle Gäste der Zeche Concordia am Bier trinken waren. Aber diesen einheimischen Bräuchen kann ich mich als Wuppertaler sehr schnell und gut anschließen, so dass ich bald auch nicht mehr sonderlich auffiel. Nach kurzer Zeit erfuhr ich, das sich hier auf dem ehemaligen Grubengelände ein kulturelles Ambiente namens "Druckluft" befindet. Aha, also die ehemalige Wetterhaltungsanlagen der Zeche Concordia. Ich ging also in die (Gebläse-) Halle und fragte, ob ich die Gebäude von innen besichtigen dürfte. Das nette Mädel und die zwei Jungs hinter dem Tisch erklärten mir, dass der Eintritt heute 14 Euro beträgt, da ja auch noch zwei Bands spielen würden. Ich ging davon aus, dass es sich bei den "Bands" um den einheimischen Bergmannchor und den Knappenverein Oberhausen handelte und bezahlte den Obolus. Ich freute mich schon auf das Steigerlied und betrat das Druckluft. Doch auch im Inneren der Gebläsehalle war nicht viel von Altbergbau-Romantik zu spüren. Auch hier waren überwiegend seltsam gekleidete Menschen mit lustigen bunten Haaren zu sehen, welche ebenfalls am Bier trinken waren. Nun gut, dass kann ich auch. Also habe ich mir ebenfalls ein paar leckere Pilsken besorgt und mich vor die Halle gesetzt. Ich schaute auf meine Uhr und dachte mir, dass die Bergbau-Veranstaltungen in Oberhausen wohl ziemlich spät anfingen. Aber egal, es war noch schön warm und das Bier schmeckte. Gegen kurz vor 22 Uhr fing die Veranstaltung dann endlich an. Die erste Band des Abends hatte sich den bergbauuntypischen Namen "Paragraph 0815" gegeben und spielten sehr schnell und laut, aber mit einer feinen Prise Melodie dabei. Obwohl die Band auf deutsch sang, konnten sie das von mir geforderte Steigerlied leider nicht spielen. Ich erfuhr, dass die Band Paragraph 0815 aus Hagen, und nicht aus Oberhausen, stammte. In Hagen gab es doch auch Bergbau, oder nicht? Egal, es gefiel mir aber sehr gut, was die fünf Herren dort auf der Bühne produzierten. Nach einer kurzen Umbaupause, etwa gegen 23 Uhr fing die zweite und letzte mir unbekannte Band an zu spielen. Diese Band kam noch nicht mal aus NRW, sondern aus Neuwied (Rheinland-Pfalz) und hatte den seltsamen Namen "Toxoplasma". Hmm, gab es in Neuwied eigentlich Bergbau? Da muss ich mal unseren Micha fragen. Auch dieser Bandname war alles andere als bergbaubezogen. Die Band Toxoplasma hatte ebenfalls deutsche Texte und spielte sogar noch schneller als die Vorgängerband. Das erste Lied hieß S.O.S und hatte wenig bis garnichts mit Bergbau zu tun. Auch Toxoplasma konnten das wieder von mit geforderte Steigerlied nicht spielen. Aber egal, mir war mittlerweile sowieso alles einerlei und hatte auch mittlerweile Spass an dem anfangs mir noch seltsam erscheinenden Tanzstil der anwesenden Gäste. Pogo! Mein persönliches Lieblingslied war der Song "Razzia" – ich glaube nach dieser seltsamen Bergbauveranstaltung bin ich ein richtiger Fan von Toxoplasma geworden, hahaha... Nach dem letzten Akkord der Band verließ ich dann schwankend die Halle und machte mich überglücklich und mit neuen Erfahrungen in der Tasche auf den weiten Heimweg nach Wuppertal. Ich werde wiederkommen, ganz bestimmt...

Am Fördertum - hier bin ich richtig...


Graffiti...

Das alte Pförtnerhäuschen...

Tagesanlagen Zeche Concordia

Bergbaufreunde Oberhausen

Warten...

Glück Auf...

© Eismann, 2015

Druckluft

Toxoplasma

Paragraph 0815

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